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Neusäß

03.12.2019

Nach 48 Jahren schließt Papier Wenzler in Neusäß

Der Laden war ihr Leben. Doch im Januar hören Brigitte und Kurt Wenzler auf. Sie haben keine Nachfolger für das bekannte Schreibwarengeschäft gefunden. Am Montag begann deshalb der Ausverkauf.
Bild: Marcus Merk

Plus Der Schreibwarenladen war in Neusäß eine Institution. Jetzt ist im Januar Schluss. Warum, das erklären Brigitte und Kurt Wenzler.

Nach 48 Jahren ist Schluss. Brigitte und Kurt Wenzler schließen Mitte Januar ihren Schreibwarenladen in Neusäß. Generationen an Kunden haben in dem kleinen Geschäft an der Daimlerstraße ihre Hefte, Stifte oder Schultüten gekauft. Im Rentenalter angekommen, möchte das Ehepaar nun mehr Zeit mit der Familie verbringen. Denn diese musste wegen des Ladens lange zurückstecken – ein Grund, weshalb die Suche nach einem Nachfolger gescheitert ist.

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Vergangenes Jahr stand fest, sie schließen nach 48 Jahren ihr Geschäft

Im Schaufenster hängen rote Schilder: Räumungsverkauf. Das Unternehmerpaar Brigitte und Kurt Wenzler hat vergangenes Jahr beschlossen, den Laden nicht weiterzuführen. Seit 1988 befindet sich Papier Wenzler in dem kleinen Gebäude direkt neben den Zuggleisen. Zuvor hatte Wenzlers Vater schräg gegenüber im ehemaligen Zielkauf (heute Kaufland) den Laden geführt. Für das Ehepaar ist die Schließung daher ein großer Schritt. „Wir haben sechs Tage die Woche offen gehabt, unser Wochenende hat erst am Samstagnachmittag begonnen.“ Die Aufgabe hat sich Wenzler mit seiner Frau geteilt. Gemeinsam sind sie eigentlich nur zu Stoßzeiten wie zum Schulanfang und vor Weihnachten im Laden anzutreffen. Mittags hat der Laden eine Stunde lang geschlossen – diese Zeit verbrachten sie früher am liebsten mit ihren beiden Kindern. „Zum Glück hatten wir kurze Wege“, sagt der 65-Jährige. Die Familie wohnte mit den zwei Kindern nicht weit entfernt in Täfertingen. Auch die Unterstützung durch die Großeltern habe dem Paar sehr geholfen.

Individuelle Beratung und persönlicher Kontakt war ihr Erfolgsrezept

Trotz allem war der Alltag doch sehr durch das Geschäft vorgegeben, sagt Kurt Wenzel rückblickend. „Wir hatten nur neun Tage Urlaub im Jahr – über Pfingsten und ein paar Tage im August.“ Dieses Arbeitspensum sei allerdings notwendig, um gegen große Ketten zu bestehen. „Alles, was wir anbieten, findet man auch im Supermarkt“, verdeutlicht der Inhaber. „Wir müssen deshalb ausgefallene Produkte anbieten.“ Bei diesen Worten deutet er auf die vollen Regale mit Stiften, Grußkarten und Weihnachtsdeko. „Wir haben uns viel auf Messen informiert und nehmen auch Kundenbestellungen an, wenn wir etwas nicht vorrätig haben.“ Diese individuelle Beratung und der persönliche Kontakt zum Kunden habe ihre Arbeit ausgemacht.

Nach 48 Jahren schließt Papier Wenzler in Neusäß

Die Kunden sind traurig, verstehen die Entscheidung aber auch

Das Engagement schätzen die Kunden: Der Laden ist am Montag proppenvoll. Kurt Wenzler hat eigentlich keine Zeit für ein Gespräch, immer wieder springt er auf, um seine Frau im Verkauf zu unterstützen. „Viele Kunden sind traurig, dass wir schließen“, sagt er „Aber sie verstehen unsere Entscheidung auch.“ Das Paar habe einige Stammkunden, die schon als Kinder bei ihnen einkauften. Eine Kundin steht betroffen vor den Rabattschildern im Schaufenster. „Es ist das einzige Schreibwarengeschäft in Neusäß.“

Für Brigitte Wenzler kommt der Schritt zur richtigen Zeit. Die 64-Jährige freut sich auf das, was kommt. „Ich möchte in den Tag hineinleben und spontan an den Ammersee fahren können.“ Auch auf die Zeit mit ihren drei Enkeln freut sie sich. Für ihren Mann ist auch die Digitalisierung ein Grund, in Rente zu gehen. „Wir sind wie ein kleiner Dinosaurier“, sagt er. „Die Zeit steht bei uns irgendwie still.“ Eine Homepage hat er nicht. „Im Internet suchen die Leute nur nach günstigen Angeboten.“ Diese Preise könne er aber nicht anbieten. Wenzler ist sich bewusst, dass sein Konzept nicht mehr lange überdauert hätte. Der Schreibwarenladen müsste digitaler werden. Eine Entwicklung, die der Inhaber nicht mitgehen möchte.

Darum schließen so viele inhabergeführte Geschäfte

So wie in Neusäß schließen vielerorts inhabergeführte Geschäfte. Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern erklärt die Ursache. „Ein Grund ist der Online-Handel. Rund zehn Prozent weniger Kunden verzeichnen die Geschäfte in den Innenstädten.“ Auch die Mieten stiegen stetig an. Auf der anderen Seite müsse auch der Besitzer Gespür für Trends zeigen. „Der Laden muss sich an seine Umgebung anpassen und innovativ sein, sonst wird die Ware zum Ladenhüter.“ Kleinen Geschäften rät Ohlmann: „Der soziale Faktor spielt eine Rolle.“ Die Kunden identifizierten sich mit den Besitzern – durch die persönliche Bindung könnten Läden weiterhin bestehen. „Das kann die individuelle Beratung sein oder auch ein weihnachtlich geschmückter Laden.“

Die Wenzlers wollten ihre Laden nur an geeignete Nachfolger weitergeben, beide Kinder haben andere Berufe. „Es gab Interessenten, aber sie wollten nur vier Tage öffnen“, sagt Kurt Wenzler. Für das Unternehmerpaar ist das keine Option.

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