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Blitzmarathon

17.04.2015

Nach Ehestreit in die Radarfalle gerast - Fahrverbot

Zu schnell unterwegs? Gestern war das in Bayern eine besonders schlechte Idee. Denn die Polizei beteiligte sich am bundesweiten Blitzermarathon.
Bild: Anne Wall

Am Donnerstag hat die Polizei in der Region 50 Blitzer aufgestellt. Die meisten Anwohner begrüßen das. Und mancher Raser hat eine ausgefallene Erklärung für seinen Bleifuß.

Der Rekordhalter kam im Berufsverkehr: In den Morgenstunden raste ein Autofahrer mit 117 Stundenkilometern in den Ortseingang des Biberbacher Ortsteils Feigenhofen – und in eine der Messstellen, die im Zuge des gestrigen Blitzermarathons der Polizei aufgestellt waren. Dort gilt Tempo 60. Das Ergebnis: 240 Euro Strafe, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Dass an diesem Tag besonders ausgiebig kontrolliert werden würde, hatte der Mann wohl schlichtweg vergessen, sagt Kommissar Thomas Seitz vom Augsburger Polizeipräsidium: „Er sagte, dass er sich so heftig mit seiner Frau auf dem Beifahrersitz gestritten hatte, dass er nicht mehr daran dachte.

Ehestreit lässt Autofahrer Blitzmarathon vergessen

Auch wenn kein anderer so schnell war wie der Fahrer des Peugeots: So wie dem vom Ehestreit gestressten Mann ging es gestern noch weiteren 14 Autofahrern im Norden des Landkreises Augsburg. Die Dauerblitzeraktion war zwar angekündigt, sogar die einzelnen Messstellen waren bekannt – und trotzdem vergaßen viele schlichtweg, den Fuß vom Gas zu nehmen oder auf der Autobahn ausreichend Abstand zum Vordermann zu halten. Eine Gesamtbilanz will die Polizei heute veröffentlichen. An 50 Stellen in der Region waren die Blitzer gestern aufgebaut – meist an problematischen Stellen wie an der B 300 am Sandberg in Stadtbergen, am Gallenbacher Berg bei Aichach oder an den Augsburger Einfallstraßen in Oberhausen und Lechhausen.

Die Ordnungshüter betonen: Ziel sei es nicht, möglichst viele Leute zu verwarnen, sondern „Lern- und Denkprozesse“ anzustoßen, wie Thomas Seitz sagt. Schließlich ist bei den tödlich verlaufenden Verkehrsunfällen die überhöhte Geschwindigkeit die Hauptursache. „Vor allem die Landstraßen machen uns Probleme“, sagt Seitz.

Feigenhofen: Tempolimit dämmt Raserei ein

Besonders wer an einer Landstraße am Ortsrand wohnt, bekommt die Temposünder zu spüren. In Feigenhofen etwa wohnt eine junge Familie mit zwei Kindern am Anfang der 60er-Zone, in der nun geblitzt wird. Nachbar Jürgen Liepert sagt: „Hier war früher eine echte Rennstrecke. Vor allem die Motorräder hat man richtig laut gehört.“ Mittlerweile habe das Tempolimit dazu beigetragen, die Raserei etwas einzudämmen. Die heute gemessenen 117 Stundenkilometer? „Die sind doch nichts im Vergleich zu dem, was früher hier passiert ist.“ Dass die Polizei heute für den Blitzermarathon da ist, findet er gut.

Auch Torsten Fritz, der in Feigenhofen die Messanlage der Polizei steuert, kann sich nicht über mangelnde Unterstützung der Anwohner beklagen: „Sowohl das Messgerät als auch unser Bus, in dem wir die Daten auswerten, stehen auf privatem Grund.“ Wie tödliche Verkehrsunfälle aussehen, wissen einige Bewohner des 450 Einwohner kleinen Ortes. Im Nachbarort Albertshofen sind in einer Doppelkurve innerhalb der vergangenen Jahre zwei Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben, der letzte vor zweieinhalb Jahren. Der mittlerweile pensionierte Verkehrspolizist Josef Eimiller aus Feigenhofen kämpfte jahrelang dafür, dass die unübersichtliche Kurve entschärft wird.

Im Mai vergangenen Jahres folgte der Beschluss: Die neuralgische Stelle, die in unmittelbarer Nähe einer kleinen Kapelle liegt, wurde komplett umgebaut. Eimiller sieht das als Erfolg an. Dass beim Blitzermarathon in seinem Heimatort Feigenhofen kontrolliert wird, hat er vor einigen Jahren einmal angeregt: „Ob jetzt wegen mir geblitzt wird, weiß ich nicht. Aber dass es hier an dieser Stelle nötig ist – das denke ich schon.“

Das Radarfoto, herausgegeben zeigt ein weißes Pferd auf dem Schullendamm in Meppen, das von einer Koppel ausgebrochen war.
11 Bilder
Die skurrilsten Blitzerfotos
Bild: Landkreis Emsland
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