1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Nach Messer-Attacke: 25-Jähriger muss in psychiatrische Einrichtung

Landkreis Augsburg

15.05.2019

Nach Messer-Attacke: 25-Jähriger muss in psychiatrische Einrichtung

Ein 25-Jähriger stand vor Gericht, weil er mit einem Messer auf seinen Vater losging. 
Bild: Alexander Kaya

Ein 25-Jähriger kommt nach einer Messer-Attacke ins psychiatrische Krankenhaus. Wie lange er dort behandelt wird, ist offen. Das sind die Hintergründe. 

Der 25-jährige Mann, der im Juli 2018 nachts im Wahn seinen Vater mit einem Messer angegriffen hatte, muss in ein psychiatrisches Krankenhaus. Die 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg unter Vorsitz von Susanne Riedel-Mitterwieser ordnete gestern die Unterbringung an. „Sie sind noch nicht stabil genug, um schon jetzt zu ihren Eltern zurückzukehren“, sagte Susanne Riedel-Mitterwieser. Eine Strafe bekommt der junge Mann nicht: Das Gericht war nach dem Gutachten von Landgerichtsarzt Richard Gruber davon überzeugt, dass die Tat eine Folge der der Erkrankung war.

Der damals 24-Jährige fühlte sich vom israelischen Geheimdienst verfolgt und bedroht. Nachts gipfelten seine Wahnvorstellungen in einer Attacke auf den Vater, den er zur Rede stellen wollte. Mit einem Gemüsemesser ging er gegen 2 Uhr auf seinen schlafenden Vater los, rüttelte ihn wach und fragte, ob er auch zum Mossad gehöre. Mit Verletzungen an den Unterarmen flüchtete der Vater aus dem Haus. Sein Sohn verfolgte ihn auf die Straße und schrie: „Ich stech’ Dich ab.“

Er hätte seinen Vater töten können, wenn er wirklich gewollt hätte

Wahr gemacht hatte er die Ankündigung aber nicht – das wollte er auch nicht, beteuerte der Angeklagte während der vier Prozesstage mehrfach. „Mein Vater ist doch der Einzige, den ich noch habe“, sagte der 25-Jährige. Staatsanwältin Monika Neuhierl stellte klar: Er hätte seinen Vater töten können, wenn er wirklich gewollt hätte. Sie ging am Ende nicht mehr von versuchtem Mord, sondern von einer gefährlichen Körperverletzung aus.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Auch Rechtsanwalt Moritz Bode, der dem jungen Mann als Verteidiger zur Seite stand, ging auf die Möglichkeit ein. Er sagte: „Es wäre ein Leichtes gewesen, kurzen Prozess zu machen. Er wollte aber nur einen Hilferuf absetzen.“ Bode bat darum, dass die Ehrlichkeit seines Mandanten, der reflektiert und differenziert mit seiner Krankheit umgehe, im Urteil einen Niederschlag findet. „So einer Selbstkritik zollt Respekt“, sagte Bode. Und: „Er hat eine Perspektive für die Zukunft verdient.“

Der 25-Jährige hatte sich gewünscht, gleich zu seinen Eltern zurückkehren. Doch dort könnte sich der Vorfall vom Juli 2018 wiederholen. Landgerichtsarzt Dr. Richard Gruber stufte das Risiko weiterer Straftaten ohne Behandlung kurz- und mittelfristig als sehr hoch ein. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Maßregelvollzug hielt er für gegeben. Der 25-Jährige bekannte: „Ich will versuchen zu lernen, mit dieser Krankheit umzugehen. Ich hoffe, dass ich für die Allgemeinheit bald nicht mehr gefährlich bin.“

Eltern wünschen sich ihren alten Sohn zurück

Richterin Riedel-Mitterwieder machte dem jungen Mann Mut: „Wir haben viele positive Ansätze finden können. Sie haben sich ja auch entschlossen, regelmäßig Medikamente zu nehmen.“ An die Adresse der Eltern und der Familie gerichtet sagte sie: „Es ist bemerkenswert, wie Sie mit der Krankheit umgehen und sie annehmen. Weil sie ihren Sohn lieben, haben sie erkannt, dass er behandelt werden muss.“ Diese Einstellung sei ein wichtiger Stabilisator. Der 25-Jährige sei auf einem guten Weg, habe sein Ziel aber noch nicht erreicht. Wann der Zeitpunkt für eine Rückkehr kommt, ist offen. Der Gutachter ging davon aus, dass es keine zehn Jahre sein werden. Rechtsanwältin Cornelia Mc Cready, die den Vater in der Nebenklage vertrat, sagte: Die Familie sei damals völlig hilflos der Erkrankung gegenübergestanden. Der Sohn soll jetzt nach dem Wunsch der Eltern wieder das werden, was er war – ein hochbegabter Künstler, der nicht mehr unter der Krankheit leiden muss.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren