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Neusäß

26.11.2019

Nach Reizgas in Schule: So reagiert die Schulleitung

Nach Einsatz wegen Pfefferspray hat sich der Täter gestellt. Er erhält eine Anzeige. Die Reaktion der Schule steht bislang noch aus.
Foto: Brigitte Mellert (Archiv)

Plus Nach dem Einsatz wegen Pfefferspray im Beruflichen Schulzentrum wird der Täter angezeigt. Gemeinsam mit seiner Mitschülerin sucht er das Gespräch mit der Schulleitung.

Nun steht fest, wer für den Einsatz am Beruflichen Schulzentrum in Neusäß vergangene Woche verantwortlich ist: Das Pfefferspray gehört einer Berufsschülerin. Ihr Mitschüler habe aus Unachtsamkeit das Reizgas benutzt, sagt die Polizei. Die Beamten gehen von Fahrlässigkeit aus. Eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung folgt trotzdem. Die Strafe der Schule steht bislang noch aus.

Schülerin meldete sich drei Tage später bei der Polizei

Am vergangenen Dienstag mussten Feuerwehr, Rettungssanitäter und Polizei anrücken, 70 Mann waren vor Ort. Grund war Reizgas, das sich im Schulgebäude ausgebreitet hatte. 36 Schüler klagten über Atemwegsbeschwerden. Drei von ihnen mussten ambulant behandelt werden. Drei Tage später meldete sich eine Schülerin bei der Polizei. Das Pfefferspray gehörte ihr. Ihren Schilderungen nach habe sie in ihrer Jackentasche nach Kleingeld gesucht und dabei das Reizgas auf einen Tisch gestellt. Das sah ihr 22-jähriger Mitschüler. Laut Polizei nahm der junge Mann das Pfefferspray an sich und begutachtete es. Dabei kam er – nach eigenen Angaben – aus Unachtsamkeit auf den Sprühknopf und Teile des Inhaltes verteilten sich auf dem Boden. Die Schülerin nahm dem 22-Jährigen das Reizgas wieder ab und beide gingen anschließend in den Unterricht. Das Ausmaß wurde den beiden erst bewusst, als daraufhin die Schule geräumt werden musste.

Polizei geht von Fahrlässigkeit aus

Weil die Polizei von Fahrlässigkeit ausgeht, muss der 22-Jährige die Kosten für den Einsatz vermutlich nicht tragen. Trotzdem wird er wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt. Der Berufsschülerin hingegen bleibt eine Anzeige erspart. Der Besitz von Pfefferspray ist nämlich grundsätzlich nicht verboten. „Es handelt sich um Tierabwehrspray, das ab 18 Jahren frei erhältlich ist“, erklärt Polizeisprecher Thomas Klingler auf Nachfrage. Die Schülerin hatte sich laut Klinger zunächst an ihren Arbeitgeber gewandt, der daraufhin die Schule benachrichtigte. Wenig später meldete sich die Frau dann bei der Polizei.

Schulleiter wird trotz Verständnis für Schüler ihr Verhalten nicht tolerieren

Gestern Nachmittag haben sich die beiden Schüler auch bei Schulleiter Bernd Kahlert gemeldet. Die Schülerin hatte im Vorfeld nur ihren Beratungslehrer informiert, der aber Schweigepflicht gehabt habe. Die Schüler hat Kahlert daher erst gestern persönlich getroffen. Als „reumütig“ beschreibt er sie während ihres kurzen Treffens. „Der Schüler hat das Pfefferspray aus Versehen betätigt“, ist sich der Schulleiter sicher. Da die Schutzklappe des Reizgases bereits entfernt wurde, sei das Gas sofort ausgetreten. Obwohl er die beiden Schüler als „brav“ und „geschockt“ erlebt hat, könne er ihr Verhalten dennoch nicht tolerieren. „Der Schüler hätte dem Mädchen das Pfefferspray nicht wegnehmen dürfen“, sagt Kahlert. Außerdem habe sich der 22-Jährige nach eigener Aussage mit dem gefährlichen Gas ausgekannt. „Deswegen hätte er die Finger davon lassen müssen.“

Dem jungen Mann erwartet deshalb trotz Reue und Geständnis mindestens ein Verweis. Ob die Schülerin das Pfefferspray mit in die Schule bringen durfte, will der Schulleiter vorerst nicht bewerten. Weitere Entscheidungen erfolgen erst nach einem Gespräch mit den beiden Schülern, den zuständigen Polizeibeamten und den Lehrern. Denn: „Auch eine Kollegin hatte Atemprobleme“, sagt Kahlert. Deswegen suche er auch mit ihr das Gespräch.


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