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Diedorf-Anhausen

09.01.2020

Nach SEK-Einsatz: 23-Jähriger ist wieder bei seiner Familie

Weil die Polizei von einer Geiselnahme ausging, rückte kurz vor Weihnachten ein Spezialeinsatzkommando im Diedorfer Ortsteil Anhausen an. Ein junger Mann wurde schließlich von den Einsatzkräften festgenommen und kam in Untersuchungshaft, doch nun ist er wieder auf freiem Fuß.
Foto: Marcus Merk (Archiv)

Plus Die Staatsanwaltschaft rückt von dem Verdacht der Geiselnahme ab. Es wird wegen Bedrohung und Nötigung ermittelt. So geht es dem Tatverdächtigen.

Markus S., der im Diedorfer Ortsteil Anhausen kurz vor Weihnachten wegen einer mutmaßlichen Geiselnahme für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt hatte, ist wieder frei. Wie die Staatsanwaltschaft Augsburg mitteilte, ist der 23-Jährige am Mittwoch aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Tatverdacht der Geiselnahme besteht nicht mehr. Die Ermittlungen sind damit aber nicht beendet: Trotz allem geht die Staatsanwaltschaft weiterhin von Bedrohung und Nötigung aus. Der 23-Jährige ist inzwischen wieder bei seiner Familie daheim, teilt sein Anwalt Anton Fischer auf Nachfrage mit.

Kurz vor Weihnachten rückte SEK mit 150 Mann an

Was war passiert? Schwer bewaffnet stürmten am 21. Dezember 150 Spezialeinsatzkräfte (SEK) ein Wohnhaus in Anhausen, in dem der 23-Jährige zusammen mit seiner Mutter und deren Lebensgefährten lebt. Fünf Menschen soll er an diesem Abend mit einem Messer bedroht und festgehalten haben, so lauteten die ersten Meldungen. Die Polizei rückte daher mit dem SEK an und befreite drei Menschen, zwei weitere konnten das Haus im Laufe des Abends verlassen. Verletzt wurde niemand. Der 23-Jährige kam auf Anordnung des Richters in Untersuchungshaft.

Wenige Tage später meldete sich ein Zeuge, der behauptete der Bruder von Markus S. zu sein. Seiner Ansicht nach sei der Abend ganz anders verlaufen: Die Gruppe solle im Alkoholrausch die Polizei alarmiert haben, schließlich sei die Lage eskaliert. Bei dem Anruf handle es sich seiner Ansicht nach um einen Scherz, sogenanntes „Swatting“, bei dem man falsche Notrufe absetzt. Der Anruf sei von denjenigen erfolgt, die das Haus an dem Abend freiwillig verlassen konnten.

Zeuge behauptet: Gruppe war "sicher sehr betrunken"

Weiter sagte der Mann gegenüber unserer Zeitung, dass sowohl die Mutter als auch deren Lebensgefährte während des SEK-Einsatzes schliefen. Die anderen, der Tatverdächtige und ein Freund, seien zu dem Zeitpunkt „sicher sehr betrunken“ gewesen. Stefan Reim, Chef des 23-Jährigen, beschreibt Markus S. als Menschen, der „immer das Beste daraus gemacht“ hat. Er sei „die ganzen Jahre mit ihm zufrieden“ gewesen. Er könne sich vorstellen, dass der 23-Jährige in eine Situation gekommen ist, die er nicht mehr kontrollieren konnte.

Staatsanwaltschaft ging nie von einem Scherz aus

Die Staatsanwaltschaft wies von Beginn an Mutmaßungen um ein inszeniertes Szenario zurück und wollte diese nicht weiter kommentieren. Bis heute heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft, dass vermutlich „ein Streit über Drogen“ der Auslöser gewesen sei. Auslöser für den Einsatz sei die Meldung „einer unklaren Bedrohungslage“ gewesen, sagt Matthias Nickolai, Sprecher der Staatsanwaltschaft. An einer Geiselnahme seien schon kurze Zeit später Zweifel aufgekommen. Genauere Einzelheiten zum Geschehen in dem Haus gibt die Staatsanwaltschaft jedoch aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht preis. Auf Nachfrage heißt es nur, dass die Ernsthaftigkeit des Anrufs nie in Frage gestellt wurde. In derartigen Fällen sei ein schwer bewaffneter Einsatz des SEK das übliche Vorgehen, wie Rainer Pabst, Polizeisprecher Schwaben-Nord, erklärte.

Anwalt beschreibt 23-Jährigen nach Haft als "psychisch angeschlagen"

Was genau an dem Abend vorgefallen ist, bleibt weiter unklar. Auch Anton Fischer, Verteidiger des 23-Jährigen mit einer Kanzlei in Diedorf, hält bislang Einzelheiten zurück, um den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht vorzugreifen. Die aufgehobene Untersuchungshaft betrachtet er als einen ersten Erfolg. „Wir hatten Haftprüfung beantragt,“ erklärt Fischer. Diese habe ergeben, dass der Tatvorwurf wegen Geiselnahme rechtlich nicht aufrecht erhalten werden konnte. Das weitere Vorgehen kann Fischer aber noch nicht erläutern, das hänge von den weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab. Letztlich müsse man auf die Hauptverhandlung warten.

Wie es Markus S. seit der Entlassung geht, beschreibt Verteidiger Anton Fischer nur knapp. Sein Mandant lebe wieder bei seiner Familie in Anhausen, sei aber nach den zwei Wochen in Untersuchungshaft „psychisch angeschlagen“. (mit jah und kinp)

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