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Sturm Niklas

10.04.2015

Nach Sturm Niklas: Tödliche Gefahr bei Aufräumarbeiten im Wald

Wer die Sturmschäden im Wald aufarbeiten will, muss vorsichtig sein: Umgestürzte Bäume stehen oft unter Spannung.
Bild: Symbolbild, Alexander Kaya

Abgeknickt oder entwurzelt: Wer sich jetzt im Wald um die Schäden von Orkan Niklas kümmern will, muss sehr vorsichtig sein. Die große Gefahr wird oft unterschätzt.

Wenn am Wochenende die Waldbesitzer mit Motorsäge, Keil und Heber ausrücken, wird Michael Schenk von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau ganz anders: Die Nachwehen von Orkantief Niklas werden oft unterschätzt.

Kreuz und quer und ineinander verkeilt liegen die Hinterlassenschaften im Gelände. Entwurzelte oder abgebrochene Baumstämme, die unter Spannung stehen, können katapultartig und mit enormer Kraft nach oben oder zur Seite schnellen. Immer wieder gibt es Todesopfer.

Sturm Niklas kann auch jetzt noch Menschen töten

An einen aktuellen Fall erinnert sich Siegfried Knittel, Revierleiter Diedorf der Augsburger Stadtforstverwaltung. Ein junger Kollege im Schwarzwald wurde vor wenigen Wochen von einem Wurzelteller begraben, der umgekippt war – sein Kollege war gerade mit dem Entasten des Stamms beschäftigt.

Nur vage erahnen lässt sich das Gewicht des Wurzelgeflechts, als Forstwirtschaftsmeister Alois Auer aus Mittelneufnach mit Manuel Peter, Dominik Stärke und Azubi Michael Welzhofer im Augsburger Stadtforst bei Diedorf zeigen, wie richtig „abgestockt“ wird: So wird das Abtrennen des Stamms vom Wurzelteller bezeichnet. Der Teller wird an ein Stahlseil gebunden, dann schmeißt Manuel Peter die Kettensäge an. Der Stamm der rund 30 Meter langen Fichte senkt sich und der Teller klappt gemächlich um.

Plopp – kurz staubt es auf, das war’s. Alles im Griff haben die erfahrenen Forstprofis auch, als sie sich anschließend einen abgeknickten Fichtenstamm vornehmen. Niklas hat nur halbe Arbeit geleistet, um den Rest kümmern sich jetzt Auer und seine Kollegen. Der Stamm kommt ans Seil. Und er wird wieder davon befreit: Auer stellt den Traktor mit seiner Seilwinde um. „Anders ist es besser“, sagt er. Das gefällt Michael Schenk von der Berufsgenossenschaft, bei der jeder Waldbesitzer automatisch Mitglied ist. „Lieber fünf Minuten mehr Zeit investieren.“ Schließlich kann eine Fehleinschätzung böse Folgen haben. Schenk: „Schwierige Situationen besonnen und überlegt angehen.“

Im Krumbacher Stadtpark hat Sturm Niklas einen Baum gefällt und in die Kammel geworfen.
12 Bilder
So wütete Sturm Niklas in der Region
Bild: MN, Foto-Weiss, Feuerwehr

Der 15 Meter lange Stamm, der so harmlos in den Himmel ragt, hat es in sich. Ohne Krone fehlt die Masse, mit der sich der Baum normalerweise kontrolliert in eine Richtung fällen lässt. „Ein Gefahrenpotenzial von 360 Grad“, sagt Auer kurz und bündig. Also kommt der Stumpf wieder ans Seil. Manuel Peter sägt, die Seilwinde am Traktor dreht sich kurz und schon kracht der tonnenschwere Stamm auf den Boden. Wer darunter gerät, hat keine Überlebenschance.

Nach dem Sturm sollten auch Wanderer im Wald aufpassen

Insgesamt 47 Unfälle verzeichnete die Berufsgenossenschaft im vergangenen Jahr im Landkreis. Im Jahr nach Orkan Lothar waren es 107, im Käfer-Jahr 2006 sogar 110 Unfälle. Damals wollten viele Waldbesitzer selbst Buchdrucker und Co. auf den Leib rücken, statt einen Forstunternehmer zu beauftragen. Damit sich die Unfälle nicht wiederholen, appelliert Schenk an alle weniger geübten Waldarbeiter: Wer nicht die Fachkenntnis mit Sturmschäden hat, wer nicht mit Stämmen unter Spannung umzugehen weiß oder nicht über ein Mindestmaß an Technik verfügt, sollte die Finger davon lassen.

Profis mit der Motorsäge oder Spezialisten, die mit schweren Maschinen anrücken, können die Forstbetriebsgemeinschaften oder die Waldbesitzervereinigungen in der Region vermitteln. Unter dem Strich kommt die Hilfe von Experten günstig. Bei Starkholz machen die Kosten in der Regel ein Viertel des Holzpreises aus, der erzielt werden kann, rechnet Forstrevierleiter Siegfried Knittel vor. Eine ganz andere Rechnung wird aufgemacht, wenn es tatsächlich zu einem Unfall kommt und jemand die fehlende Arbeitssicherheit mit dem Leben bezahlt.

Apropos Sicherheit: Wer das Wochenende für einen Ausflug ins Grüne nutzen will, sollte abseits der befahrbaren Hauptwege aufpassen, rät Hubert Droste von der Bayerischen Staatsforsten. Sturmwurfflächen sollten unbedingt gemieden werden.

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