Newsticker

Corona-Zahlen in Deutschland: Rund 11.000 Neuinfektionen gemeldet
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Nach dem Asyl-Protest: Kritiker bekommen Einzelgespräche

Gersthofen

18.04.2015

Nach dem Asyl-Protest: Kritiker bekommen Einzelgespräche

Setzt auf Gespräche: Michael Wörle
Bild: Marcus Merk

Wie Bürgermeister Michael Wörle in Gersthofen mit mehr als 150 Unterschriften aus dem Autobahnviertel umgeht

 Bürgermeister Michael Wörle hat auf den Protest aus dem Autobahnviertel gegen die Konzentration von Unterkünften für Asylbewerber reagiert. Gegenüber unserer Zeitung kündigte Wörle gestern an, er werde jedem, der auf der Unterschriftenliste unterschrieben habe, einen Brief schicken und ein Gespräch anbieten. „Ich rede mit jedem Einzelnen persönlich.“ Eine große, öffentliche Informationsveranstaltung dagegen lehnt Wörle ab. Er wolle rechtsextremen Schreihälsen und deren Parolen kein Podium bieten.

Ausgegangen war der Gersthofer Asylprotest von Bernd Mögele. Er hatte hauptsächlich im Bereich des Gersthofer Autobahnviertels innerhalb weniger Tage mehr als 150 Unterschriften gesammelt, in der gegen die „einseitige Unterbringung von Flüchtlingen“ dort protestiert wird. Wie bereits mehrfach berichtet, sollen zu den rund 100 Asylbewerbern, die in Gersthofen leben, weitere 100 bis 110 kommen. Die Tiefenbacher-Stiftung will dafür auf ihrem Gelände an der Ziegeleistraße Wohncontainer aus Holz hinstellen, welche der Landkreis für mehrere Jahre mietet. Nach dieser kleinen Asyl-Siedlung dürften keine weiteren Flüchtlinge mehr nach Gersthofen geschickt werden, fordern die protestierenden Bürger. Zuerst müssten andere Kommunen im Landkreis ihren Anteil leisten.

Laut Bürgermeister Wörle hat Landrat Martin Sailer inzwischen schriftlich zugesichert, dass der Landkreis keine weiteren Unterkünfte in Gersthofen anmieten will. Wörle legt Wert auf die Feststellung, dass die Stadt Gersthofen deswegen von sich aus bei Sailer angeklopft habe, „Herr Mögele treibt uns da nicht.“ Für Sailers Zusage giilt allerdings die Einschränkung, dass sich die Lage bis zum Winter nicht dramatisch zuspitzt, weil der Landkreis deutlich mehr Asylbewerber unterbringen muss, als erwartet.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Gegenüber unserer Zeitung unterstrich Wörle, dass die Stadt Gersthofen der Asyl-Siedlung auf dem Tiefenbacher-Gelände zustimmen musste. Dieser habe sich im Rahmen des Baurechts bewegt. Wörle: „Wir konnten gar nicht anders.“ Die Stadt werde zusammen mit Landratsamt und Stiftung die Errichtung und Bezug der Asylsiedlung begleiten. „Diese Dinge werden nicht dem Zufall überlassen.“ Entstehen sollen fünf Gebäude für jeweils rund 20 Bewohner.

Von großer Bedeutung ist in den Augen von Rathauschef Wörle die Frage, wie die Flüchtlinge lang- und mittelfristig in Gersthofen integriert werden können. Er setzt in diesem Zusammenhang unter anderem auf die 120 Gersthofer Vereine und ihr breites kulturelles und sportliches Angebot sowie die ehrenamtlichen Helfer, die sich schon jetzt um die Flüchtlinge kümmern. Ein großes Problem allerdings werde die ehrenamtliche Hilfe nicht lösen können, räumt Wörle ein. Schon jetzt sind günstige Wohnungen knapp. Durch anerkannte Asylbewerber, welche die Sammelunterkünfte verlassen müssen, wird der Druck noch steigen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren