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26.09.2008

Nach dem Blutsturz wird das Rokokojuwel gebaut

Welden Am Anfang stand ein Blutsturz, den Graf Joseph Maria Fugger von Wellenburg am 2. August 1755 bei der Jagd erlitt. Der Graf gelobte für den Fall seiner Genesung den Bau einer Kirche.

Die St.-Thekla-Kirche zählt heute zu den herausragenden Baudenkmälern im Landkreis Augsburg. Vor 250 Jahren wurde sie geweiht. Deshalb findet es auf Einladung des Fürstlich- und Gräflich-Fugger'schen Familienseniorats am Sonntag, 28. September, 18 Uhr, ein Festgottesdienst statt - zelebriert von Bischof Dr. Walter Mixa. Zu hören ist dort die "Kleine Orgel-Solomesse" von Joseph Haydn. Es musizieren der Chor und das Orchester des Gymnasiums bei St. Stephan unter der Leitung von Andrea Lidl. Daran anschließend gibt es einen Empfang für geladene Gäste.

Am 19. Sonntag nach Pfingsten, am 1. Oktober 1758, wurde die St.-Thekla-Kirche in Welden geweiht. Auch der morgige Festtag ist der 19. Sonntag nach Pfingsten. Der Grundstein für die Kirche wurde am Geburtstag des Stifters, dem 25. Juli 1756, durch den Augsburger Weihbischof Franz Xaver Freiherr Adelmann von Adelmannsfelden gelegt. Die Hauptbauzeit war in den Jahren 1756 und 1757, die Innenausstattung wurde 1759 vollendet. Neben der Kirche entstand ein Jagdschloss.

Das Schloss Graf Fuggers ist längst abgebrochen, an seiner Stelle entstand von 1929 bis 1931 das heutige Kloster der Unbeschuhten Karmeliterinnen. Die Theklakirche ist als stilreines Rokokojuwel erhalten geblieben. Heute ist die ehemalige Wallfahrtskirche im Besitz der Fürstlich- und Gräflich-Fugger'schen Stiftungen.

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Kirchenbaukunst, Rokokoorgel und Fuggerlilien

Schon nach der Säkularisierung hatte die Gemeinde Welden die Kirche genutzt, 1894 hatte Fürst Carl Fugger von Babenhausen die Theklakirche als Schenkung an die Gemeinde abgetreten. 1912/13 gab die Gemeinde die Kirche an die Fugger'schen Stiftungen ab, die seitdem für den Bauunterhalt zuständig sind. Der aus Wollishausen stammende Baumeister Hans Adam Dossenberger hat das lichtdurchflutete Gotteshaus im Stil des Rokoko errichtet. Der Augsburger Franz Xaver Feichtmayr d. Ä. - ein Stuckateur der Wessobrunner Schule - schuf einen Großteil der Stuckaturen, der Donauwörther Johann Baptist Enderle die Decken- und Wandgemälde. Das große Langhausfresko ist ein Werk des Kempteners Balthasar Riepp. Der Augsburger Johann Andreas Stein baute 1763 die Orgel. Sie ist die einzige original erhaltene Orgel dieses Instrumentenbauers, der ein Freund der Familie Mozart war.

Den Stifter und die heilige Thekla sieht man lebensgroß am nördlichen Stifteraltar. Der farbig bemalte Stuckaltar zeigt zudem neben Gottvater, Christus und Maria die Heiliggeist-Taube, den heiligen Josef und den heiligen Johann von Nepomuk - den Hauspatron der Fugger. Auch ein Dutzend Putti und das Modell der Kirche und des ehemaligen Schlosses sind zu sehen.

Das Stifterwappen mit den Fuggerlilien findet man an verschiedenen Stellen in der Kirche, unter anderem am südlichen Stifteraltar, im Chorbogen, an der Stein-Orgel und an der westlichen Außenfassade. Deckengemälde und Votivbilder zeigen den Blutsturz des Stifters und seine Genesung.

Kirchengeschichte ist Teil von Ganghofers Autobiographie

Die Geschichte des Blutsturzes ist - so Franz Karg, Archivar des Fugger-Archivs in Dillingen - eine für das Barockzeitalter typische, wohl vorgeschobene Stiftungsgeschichte. Über die wahren Hintergründe des Kirchenbaus gibt es dagegen mehrere Thesen, die in wirtschaftlichen oder familiären Schwierigkeiten Graf Fuggers begründet sein könnten. Der Kirchenraum ist mit Ausnahme von Gottesdiensten und Konzerten nur durch ein Gitter zu betrachten. Am 28. September steht das Rokokojuwel auf dem Weldener Theklaberg den Besuchern vor und nach dem Festgottesdienst für eine Besichtigung offen. Der wohl berühmteste Bewohner Weldens, der Romanschriftsteller Ludwig Ganghofer, hat übrigens die Geschichte der Theklakirche in seine Autobiografie "Lebenslauf eines Optimisten" integriert - die Geschichte der Kirche hat er allerdings falsch dargestellt. Zur Kirche führt eine Lindenallee, die sein Vater August von Ganghofer, Forstmeister in Welden und später als bayerischer Forstreformer geadelt, 1869 anlegen ließ.

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