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Herestried

25.10.2019

Nach der Schändung wird der Altar in Heretsried neu geweiht

Diebe hatten den Taberlnakel in der Pfarrkirche St. Martin in Heretsried aufgehebelt und einen Hostienkelch gestohlen. Laut Kirchenrecht wird das Abhalten von Gottesdiensten erst dann wieder möglich, nachdem die Schändung durch den Bußritus behoben ist. 
Bild: Bernd Thisse, dpa (Symbol)

In Heretsried wurde der Tabernakel aufgebrochen. Am Freitagabend feiern die Gläubigen in St. Martin daher das Bußritual. Was ist das eigentlich?

Die Gläubigen in Heretsried sind noch immer entsetzt über die Schändung ihrer Kirche am vergangenen Sonntag: Diebe haben nach dem Gottesdienst den Tabernakel aufgehebelt und einen Hostienkelch gestohlen. Zudem wurde der Opferstock aufgebrochen. Diese Schändung der Pfarrkirche St. Martin sorge „bei der Diözese und vielen Gläubigen für große Bestürzung“, sagte ein Sprecher des Bistums Augsburg. Darüber hinaus wurde am Wochenende noch mindestens in drei andere Kirchen in Schwaben eingebrochen.

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Aufgrund dieser Vorkommnisse hat Domkapitular Harald Heinrich, Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators, bereits am Montagnachmittag vorsorglich die Schließung aller Kirchen und Kapellen in den Dekanaten Augsburg-Land, Dillingen und auch Donauwörth außerhalb der Gottesdienstzeiten veranlasst – auch die Pfarrkirche in Heretsried ist derzeit zu. Laut Kirchenrecht wird das Abhalten von Gottesdiensten erst dann wieder möglich, nachdem die Schändung durch den Bußritus nach Maßgabe der liturgischen Bücher behoben ist.

Einbrüche in Kirchen sind leider keine Seltenheit

In Canon 1211 des Codex Iuris Canonici heißt es, dass der Ortsbischof eine Kirche schließen kann, wenn das Gotteshaus durch „schwer verletzende, mit Ärgernis für die Gläubigen verbundene Handlungen“ geschändet sei, die der „Heiligkeit des Ortes entgegen“ stehen. Erst nach einem „Bußritus nach Maßgabe der liturgischen Bücher“ dürfe wieder ein Gottesdienst gefeiert werden (siehe Infokasten). Dies passiert nun in Heretsried am Freitagabend um 18 Uhr. Bei der Feier der öffentlichen Buße wird unter anderem der Altar durch den Liturgiereferenten der Diözese Pfarrer Ulrich Müller im Auftrag des Diözesanadministrators neu gesegnet. Der Rosenkranz und die Abendmesse entfallen.

Nach der Schändung wird der Altar in Heretsried neu geweiht

Einbrüche in Gotteshäuser und auch Schändungen sind leider keine Seltenheit mehr. Erst im Juni vergangenen Jahres wurde in die St.-Emmeram-Kapelle an der Kapellenstraße in Gersthofen eingebrochen und Hostien lagen am Boden verstreut. Gestohlen wurde aber nichts. Auch in diesem Fall ließ Bischof Konrad Zdarsa die Kirche schließen, bis das Bußritual durchgeführt war.

In der Diözese Augsburg gibt es weit mehr als 2000 Kirchen und Kapellen. Es ist der Diözese ein großes Anliegen, sie als Orte des Gebetes und der Einkehr sowie Ausdruck unserer christlichen geprägten Kulturlandschaft offen zu halten.

So läuft der Bußritus ab

  • Grundsätzliches Durch die Weihe wird ein heiliger Ort aus der profanen Nutzung herausgenommen und ganz Gott und dem Gottesdienst übereignet. Dieser Charakter wird durch eine Entehrung oder Verletzung der Heiligkeit des Ortes nicht aufgehoben. Daher ist auch eine neuerliche Weihe nicht erforderlich. Es kann aber die Heiligkeit des Ortes verletzt werden. Ob dies der Fall ist, hat der Bischof/sein Generalvikar, im aktuellen Fall der Diözesanadministrator bzw. sein Vertreter, zu prüfen und zu entscheiden.
  • Voraussetzungen
  • 1) es müssen schwer beleidigende, frevelhafte Handlungen dort vorgenommen worden sein
  • 2) diese Handlungen müssen der Heiligkeit des Ortes widersprechen
  • 3) sie müssen bei den Gläubigen Ärgernis hervorgerufen haben.
  • Ablauf Charakteristisch für den Bußritus ist die lila Farbe der liturgischen Gewänder, um den Bußcharakter zum Ausdruck zu bringen. Bischof bzw. dessen Vertreter, Priester und Gemeinde versammeln sich, um durch die Feier des Bußritus die Verletzung der Heiligkeit des Ortes zu beheben. Besonders auffällig dürfte sein, dass zu Beginn der Altar nicht geschmückt ist, keine Kerzen, kein Altartuch; Während des Bußritus wird Wasser gesegnet, mit dem zunächst die Gläubigen in Erinnerung an ihre Taufe und ihre besondere Christusbeziehung besprengt werden, weswegen sie nun ja auch versammelt sind, auch selbst Buße zu tun und Christus einzuladen, zu heilen, was verletzt ist. Schließlich werden mit dem gesegneten Wasser Altar und Wände der Kirche symbolisch abgewaschen. Bedeutsam an dieser Feier ist, dass es nicht nur um die optische Wiederherstellung der Unversehrtheit des Kirchengebäudes geht, vielmehr soll die ganze Gemeinde mitwirken und sich um die Heiligkeit des Kirchengebäudes und mehr noch um die zu fördernde Heiligkeit der Ortskirche bemühen. Dies kommt auch in den verwendeten Gebeten und Gesängen zum Ausdruck. (Quelle: Diözese Augsburg)
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