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Dinkelscherben

16.08.2017

Nach drei Tagen steht die Blumenpyramide

Rund 20 Frauen haben sich am Dinkelhof der Familie Müller in Dinkelscherben getroffen, um Kräuterbuschen zu binden. Dabei haben sie jede Menge Spaß.
Bild: Marcus Merk

Seit 30 Jahren treffen sich im Ort Frauen zum Binden. Was ihnen der Brauch bedeutet

Der Vortag des Feiertags Mariä Himmelfahrt ist für die Frauen des Katholischen Frauenbunds Dinkelscherben jedes Jahr ein besonderer Tag: Seit 30 Jahren binden sie gemeinsam zahlreiche Büschel aus verschiedenen Pflanzen, die sie zuvor gepflückt haben. Es werden jährlich an die 200 Kräuterbüschel von den Frauen gebunden, die beim Gottesdienst vom Pfarrer geweiht und anschließend für einen karitativen Zweck verkauft werden.

„Die Büschel werden bis zur Sonnwendfeier im nächsten Jahr kopfüber im Haus aufgehängt und anschließend im Feuer verbrannt“, erklärt Maria Mittermeier die Einzelheiten des Brauchs. Er soll, so die Überlieferung, vor Krankheiten schützen und für Eheglück und Kindersegen sorgen.

Bei den gut 20 Frauen, die sich an diesem sonnigen Vormittag am Dinkelhof der Familie Müller eingefunden haben, steht somit einerseits der Spaß am Tun im Mittelpunkt: Während dem Binden wird viel gelacht und geredet und vor allem etwas über die regionalen Pflanzen gelernt. Andererseits geht es aber auch um den eigenen Glauben.

Diesen weiterzugeben, das sei ihnen wohl das wichtigste Anliegen, meint Maria Mittermeier. Angesichts der Enkelgeneration, die nun mittlerweile auch schon fleißig mithilft, ist sie da optimistisch. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch das Ferienprogramm, während dem der Frauenbund eine extra Veranstaltung zum Thema der Kräuterbüschel anbot.

Neben dem Brauch an sich erfuhren die Kinder dort auch etwas über die verschiedenen Pflanzen, die verarbeitet werden. Grundsätzlich sind alle regionalen Pflanzen potenzielle Kandidaten für den bunten Strauß. Allerdings wird darauf geachtet, dass in jedem Büschel verschiedene Kräuter, Getreide und die Königskerze enthalten sind. Wichtig ist daneben die Anzahl der verwendeten Pflanzen: Es sollten möglichst immer sieben verschiedene Kräuter einen Strauß zieren. Ursprünglich bestand dieser auch noch aus 77 Pflanzen, doch außer der großen Blumenpyramide, die die Frauen für die Kirche basteln, sind die anderen Büschel mittlerweile weitaus kleiner.

Um die Unmengen an Grün zu erhalten, die schließlich die Tische und Kübel in der Garage des Dinkelhofs säumen, verbrachten die Frauen den Abend zuvor damit auf sämtlichen Feldern und Wiesen nach passenden Pflanzen zu suchen. Das Getreide wiederum stellten Bäuerinnen zur Verfügung.

Es ist ein bunter Anblick, der sich bietet. Es finden sich auf den Tischen unter anderem Salbei, Thymian und Lavendel, neben Dahlien, Holunder und Weizen. Ebenso bunt ist auch das Geruchserlebnis, das die vielen unterschiedlichen Kräuter und Gräser erzeugen.

Eine letzte Hürde ist schließlich der Transport der Büschel in die Kirche. Mit einem großen Anhänger werden die Pflanzenberge zu ihrem Weihort gefahren. Die knapp dreitägige Arbeit neigt sich damit für Maria Mittermeier und die anderen Frauen dem zufriedenen Ende zu.

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