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Thierhaupten

13.08.2020

Nach schwerer OP: Marlene steht schon wieder auf eigenen Beinen

Marlene hat die Operation in den USA gut überstanden. Dieses Bild wurde vor wenigen Tagen aufgenommen.
Bild: Steinbichler

Plus Die kleine Marlene aus Thierhaupten musste noch einmal in den USA operiert werden. Viele Menschen haben mitgeholfen, dass die Operation möglich wurde.

Im Frühjahr, bevor die Corona-Pandemie die halbe Welt buchstäblich lahmlegte, berichtete Miriam Steinbichler aus Thierhaupten von Töchterchen Marlene und ihrer Krankheitsgeschichte. Über einen Spendenaufruf sammelte die Familie Geld für die fast Vierjährige, um eine Operation in den USA finanzieren zu können.

Nun fand die Operation statt – im Spina-bifida-Zentrum im Boston Children’s Hospital. Per E-Mail berichtet die Familie nun vom Erfolg der Spendenaktion und der Zeit in den Staaten.

Marlene aus Thierhaupten erholt sich gut von der OP

Wie geht’s Marlene? Ist die Operation erfolgreich verlaufen?
Miriam Steinbichler: Danke, die Operation ist gut verlaufen, und Marlene erholt sich so weit ganz gut. Es konnten sowohl die beiden Zysten am Ende von Marlenes Nervenstrang umfänglich entfernt als auch der festgewachsene Nervenstrang im unteren Teil des Spinalkanals losgelöst werden. Im Vorfeld zur OP selbst wurden alle notwendigen Voruntersuchungen vorgenommen, welche ein genaues Bild von Marlenes körperlichen Funktionen zu Blase, Darm und Beinmotorik lieferten. Im Verlauf der nächsten zehn bis zwölf Wochen wird sich nun zeigen, welche bleibenden Auswirkungen die OP auf jede dieser Funktionen hat.

Marlenes Traum ist es, Laufradfahren zu lernen. Doch dazu musste die Dreieinhalbjährige erst operiert werden.
Bild: Steinbichler

Nichtsdestotrotz sind wir überglücklich, dass Marlene bereits zwei Tage nach der OP schon wieder auf ihren eigenen Beinen stand und herumgelaufen ist. Zudem gibt es, laut den behandelnden Ärzten, derzeit wenig Anlass zur Sorge, was eine weitere Beeinträchtigung der Beinmotorik angeht. Damit wäre Marlenes größter Wunsch erfüllt: Marlene tanzt und turnt unglaublich gern. Sie wird sicher nie so flink und schnell unterwegs sein wie andere Kinder, aber dennoch trägt die eigene Mobilität einen großen Teil zur Selbstständigkeit in ihrem Leben bei. Der entscheidende Grundstein hierzu wurde durch die vorgeburtliche Operation im Mutterleib im Universitätsspital Zürich gelegt und soll nun durch die aktuelle Operation weiter bewahrt bleiben.

Operation in den USA: Strenge Auflagen in Bezug auf Covid-19

Wie schwer fiel Ihnen die Entscheidung zu fliegen – wohl wissend, dass gerade die USA besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen sind?
Steinbichler: Die Entscheidung fiel uns zu keiner Zeit schwer. Wenn überhaupt, dann hatten wir am Ende wohl eher Angst vor dem Ergebnis des Covid-19-Tests, welchen wir 72 Stunden vor Abflug an die US-Einreisebehörden übermitteln mussten. Aufgrund der nachgewiesenen, hohen Unzuverlässigkeit solcher Tests wäre uns im Falle eines falschen Positiv-Ergebnisses die Einreise verwehrt geblieben, die OP wäre nicht möglich gewesen und hätte auf unbestimmte Zeit verschoben werden müssen. Am Ende der Reise lässt sich unsererseits festhalten: Die Auflagen in Bezug auf Covid-19 sind wesentlich strenger als oft berichtet.

Wann sind Sie nach Boston, wie lange waren Sie dort, und was ist nach Ihrer Rückkehr geplant?
Steinbichler: Wir sind am 21. Juli nach Boston gereist, damit alle Voruntersuchungen vor der geplanten Operation am 28. Juli stattfinden konnten. Am 10. August hatten wir eine letzte Nachkontrolle und sind noch am selben Abend nach Hause geflogen. Die nächsten Wochen wird Marlene vermehrt physiotherapeutische und osteopathische Behandlungen erhalten. Zudem sind wir im Oktober wieder zu unseren routinemäßigen Untersuchungen in der Schweiz. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich dann auch das Ergebnis der OP besser bewerten.

Familie aus Thierhaupten hat auch großen emotionalen Zuspruch erfahren

Mehrere Monate sind seit dem Spendenaufruf vergangen. Wie viel Geld konnten Sie für Ihre Tochter sammeln und konnten damit am Ende neben der Behandlung auch die Reisekosten gedeckt werden?
Steinbichler: Es war schlicht überwältigend für uns: Wir konnten tatsächlich die Vorkasse der mit rund 90.000 Dollar angesetzten Kosten der Klinik mithilfe der Spenden sowie einer Vorauszahlung der Krankenkasse zwei Wochen vor dem OP-Termin bezahlen. Aktuell lässt sich noch nicht genau sagen, ob alle Kosten gedeckt sind, da uns einerseits noch vereinzelt Spenden erreichen und andererseits die Schlussrechnung der Klinik mit den finalen Kosten noch aussteht.

Kamen die Spenden hauptsächlich von Privatpersonen oder von Unternehmen?
Steinbichler: Spenden erreichten uns sowohl von privaten Personen und Unternehmen als auch von gemeinnützigen Organisationen und Vereinen. Die einzelnen Beträge begannen bei zehn Euro und reichten, in einzelnen Fällen, bis hin zu mehreren Tausend Euro. Die Spenden erreichten uns über unterschiedlichste Wege: Neben direkten Spenden über das eigens eingerichtete Bank- und PayPal-Konto haben wir auch Barspenden bekommen. Die Gemeinde Thierhaupten hat zudem eigens ein Spendenkonto eingerichtet, über das auch Spendenquittungen ausgestellt werden konnten. Andere haben in ihrem Freundeskreis für Marlene Geld gesammelt und uns am Ende den Betrag überwiesen.

Es gab in der Region viele Aktionen, um Spenden für die schwer kranke Marlene aus Thierhaupten zu sammeln. Ein Beispiel dafür ist der Pöttmeser Franz Breitsameter.
Bild: Gabriel Breitsameter

Viele waren sehr kreativ und nutzten die Corona-Zeit, um etwas beizusteuern: Beispielsweise hatten Näherinnen von Mundschutzmasken den Erlös des Verkaufs gespendet. Neben der großen Vereinsspende des SV Thierhaupten erledigten Vereinsmitglieder Einkäufe für ältere Menschen und spendeten gesammelte Trinkgelder. Ein Bekannter hat sogar über ein eigens komponiertes Lied über Kinder für Marlene um Spenden geworben. Firmen wie beispielsweise die LEW spendeten entweder einen großen Betrag oder überlegten sich eine Aktion in der Belegschaft. Wir möchten uns hier noch mal ganz herzlichst bei allen einzelnen Spendern bedanken! Neben der großen finanziellen Unterstützung durften wir dadurch auch großen emotionalen Zuspruch erfahren.

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