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Zusmarshausen

17.03.2016

Nachts, wenn es hell wird

Mit Lichtverschmutzung befasst sich Markus Schnöbel in der Volkssternwarte Streitheim.
Bild: Marcus Merk

Zum Astronomietag dreht sich in der Sternwarte Streitheim alles um Lichtverschmutzung. Warum diese uns den Schlaf rauben und noch viel mehr Probleme verursachen kann.

Ein Blick in den Himmel offenbart die Schönheit der Nacht. Doch selbst bei klarer Sicht ist die funkelnde Sternenpracht nicht überall zu sehen. Denn wer Planeten und Galaxien entdecken will, der braucht vor allem eines: die Finsternis. So richtig dunkel wird es im Landkreis aber nur noch an wenigen Orten. Die Sternwarte im Zusmarshauser Ortsteil Streitheim will darauf aufmerksam machen und hat sich zum bundesweiten Astronomietag neben dem Themenschwerpunkt Mond auch dem Problem der Lichtverschmutzung gewidmet. Markus Schnöbel erklärt, warum die Nacht vielerorts zum Tag geworden ist.

Herr Schnöbel, was ist denn eine Lichtverschmutzung?

Schnöbel: Es handelt sich in erster Linie um aufgehellte Luft. Das passiert, wenn Kunstlicht, also Beleuchtung von Straßen, Gebäuden oder Autoscheinwerfern, nach oben strahlt und in der Atmosphäre durch Luft und Wasser zerstreut wird. Der Himmel erscheint dann heller, wie eine Lichtglocke. Das lässt sich vor allem in den Städten beobachten und leider auch zunehmend in ländlichen Gebieten.

Nachts, wenn es hell wird

In den letzten Jahren ist es immer heller geworden. Warum?

Schnöbel: Weil nachts vieles beleuchtet wird. Gerade in der Stadt gibt es Bereiche, wo es immer taghell ist. Egal ob 12 Uhr mittags oder zwei Uhr nachts. Die Helligkeit strahlt meist noch mehrere Kilometer ab, da das Licht von den feinen Wassertröpfchen in der Luft reflektiert wird.

Lichtverschmutzung gilt als eine Form der Umweltverschmutzung.

Schnöbel: Genau. Denn sie kann unser Ökosystem beeinflussen. Pflanzen wachsen nicht richtig, nachtaktive Tiere sind in ihrer Orientierung beeinträchtigt. Forscher wollen sogar herausgefunden haben, dass die ständige Beleuchtung den menschlichen Hormonhaushalt durcheinanderbringen kann.

Die nächtliche Dauerbeleuchtung kann also auch krank machen.

Schnöbel: Ein Beispiel ist die Straßenlaterne. Strahlt die nachts ins Schlafzimmer, kann der Schlaf-rhythmus durcheinanderkommen. Das ist vergleichbar mit dem Vollmond. Viele Menschen sagen, sie schlafen dann schlechter. Das liegt weniger am Mythos Mond, als im Grunde an der Helligkeit. Man wacht schneller auf und hat Probleme, dann wieder einzuschlafen. Bei der Lichtverschmutzung durch künstliche Lichtquellen ist es genauso. Die Forschungen sind noch ganz am Anfang. Aber wenn aus dem unruhigen Schlaf eine Schlafstörung wird, ist das dramatisch.

Und was wäre die Lösung?

Schnöbel: Einfach mal das Licht ausmachen. Es ist fraglich, ob Außenfassaden oder Werbeanzeigen unbedingt 24 Stunden illuminiert werden müssen oder ob nicht auch eine weniger intensive Beleuchtung ausreicht. Das Licht sollte auch nicht nach oben abstrahlen. Viele Gemeinden, die ihre Straßenbeleuchtung erneuern, haben Zeitschalter installiert oder Beleuchtungssysteme, die auf Bewegungen reagieren. Das spart nebenbei auch eine Menge Energie.

Den Hobby-Astronomen bleibt also nichts anderes übrig, als die Dunkelheit zu suchen.

Schnöbel: Ja, leider. Die Faszination des Nachthimmels ist für viele nicht mehr erlebbar, denn auch im heimischen Garten ist es oft zu hell. In unserer Sternwarte ist die Sicht gut. Aber auch zwischen Zusmarshausen und Dinkelscherben oder in den Stauden sind die Chancen groß, Objekte wie die Milchstraße oder den Großen Orionnebel zu sehen.

Unter dem Motto „Die lange Nacht mit Luna“ dreht sich am bundesweiten Astronomietag am Samstag, 19. März, alles um den Mond. Der Astronomische Verein Streitheim hat das Thema um die Lichtverschmutzung ergänzt. Die Sternwarte ist von 16 bis 24 Uhr geöffnet. Neben spannenden Vorträgen lässt sich der Mond bei guter Sicht direkt beobachten. Bei schlechtem Wetter gibt es ein Programm im Planetarium. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos gibt es auf der Internetseite der Volkssternwarte.

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