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Pilotprojekt in Gersthofen

13.06.2012

Nachtwanderer bieten Jugendlichen Hilfe an

In Gersthofen kann man dank der Nachtwanderer ohne Sorge durch die Nacht spazieren.
Bild: Patrick Pleul dpa

Wenn sich Jugendliche in Gersthofen abends treffen, läuft das nicht immer ohne Probleme ab. Doch seit einigen Monaten „wandern“ Freiwillige durch die Stadt und bieten Hilfe an.

Ein See, der kein See sein soll – zumindest für Badegäste: Diesen gestalterischen Akzent setzte die Stadt Gersthofen in ihrem neuen Wohngebiet am Ballonstartplatz. Mit großem Erfolg, denn der neue See wird gut angenommen. Doch die Beliebtheit hat eine Kehrseite, die vor allem Nachbarn nicht schätzen: Trotz Badeverbotsschildern beklagen sich Anwohner über Lärm, der von den Gästen am See verursacht wird. Vor allem angetrunkene Jugendliche sind den Anwohnern ein Dorn im Auge.

Pilotprojekt: elf freiwillige Nachtwanderer

Neuerdings schauen an dem See auch die sogenannten Nachtwanderer vorbei und bemühen sich um einen Ausgleich. Die Nachtwanderer, das sind Freiwillige, die an Wochenenden auf den Straßen Gersthofens unterwegs sind und dabei Jugendlichen für alle möglichen Fragen oder Probleme als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Stadt Gersthofen ist hier als Pilotgemeinde im Landkreis Augsburg engagiert und hat sich den Verein „Sicheres Leben“, dessen Aktive sich nach dem Mord an der zwölfjährigen Vanessa zusammenfanden, als Partner ins Boot geholt. Elf Freiwillige meldeten sich. Das Kreisjugendamt schult die Nachtwanderer in Kursen, unter anderem auch in Deeskalation. Die Stadt übernimmt die Versicherungsbeiträge und hat auffällige rote Jacken gekauft, an denen die Nachtwanderer zu erkennen sind.

Nachtwanderer kommen gut an

Ein gutes halbes Jahr – seit November – sind die Nachtwanderer jetzt schon in Gersthofen unterwegs – mit guter Bilanz. „Wir werden positiv wahrgenommen – die Jugendlichen haben Vertrauen und kommen teilweise sogar mit intimen Fragen auf uns zu“, sagt Gabriele Schmidthals-Pluta. Das Resümee der Vorsitzenden des Vereins Sicheres Leben fällt daher positiv aus. Die Nachtwanderer gehen ehrenamtlich nachts an Wochenenden in Gruppen von mindestens vier Personen auf die Straße – dorthin, wo sich die Jugendlichen aufhalten.

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Sie sollen dazu beitragen, dass Jugendliche sich auch abends und nachts angstfrei bewegen können, zur Disco, zum Konzert, zu Freunden oder auf dem Weg nach Hause. Den Jugendlichen wird Unterstützung angeboten, zum Beispiel, wenn sie sich von anderen belästigt fühlen, wenn sie sich nicht nach Hause trauen oder wenn sie jemanden zum Reden brauchen. Durch die Anwesenheit der Nachtwanderer sollen Konflikte im Vorfeld entschärft werden.

Vielseitige Gespräche

Auf ihrer Hauptroute suchen die Nachtwanderer Bereiche in der inneren Stadt auf, in denen sich die Gersthofer Jugendlichen treffen und aufhalten. Es gibt aber auch Abstecher zu abgelegeneren Orten, beispielsweise zum Neubaugebiet am Ballonstartplatz. Die Gespräche seien vielseitig, so Gabriele Schmidthals-Pluta. Neben Sorgen seien auch intime Fragen an die nächtlichen Wanderer herangetragen worden. Das Projekt stammt aus Schweden. Der erste deutsche Nachtwanderer war Lasse Berger aus Bremen. „Dieses Projekt gibt uns Erwachsenen eine Möglichkeit, Jugendlichen Unterstützung zu geben und ein Vorbild zu sein“, sagt er.

Die Nachtwanderer pflegen auch Kontakt zum Jugendzentrum, in dem ihnen ein Raum zur Verfügung steht. Bei Beginn und beim Ende eines Einsatzes, üblicherweise in der Nacht von Freitag auf Samstag um 22 Uhr und um 2 Uhr, melden sich die Nachtwanderer bei der Gersthofer Polizeiinspektion an beziehungsweise ab. Die Freiwilligen sollen aber keinesfalls als Sicherheitswacht fungieren, sondern lediglich Ansprechpartner vor allem für Jugendliche unter 18 Jahren sein.

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