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Gersthofen

17.04.2018

Narben erinnern an die blutige Nacht in der Disco

Nach dem Vorfall im Juni 2016 wurde die Disco nach der Tatwaffe und anderen Spuren untersucht.
Bild: Marcus Merk

Ein Opfer der Messerstecherei im Juni 2017 in Gersthofen lebt in ständiger Todesangst.

Der muskulöse Mann sieht nicht wirklich aus, als könnte ihn irgendetwas aus der Bahn werfen: Trotzdem bricht es plötzlich aus ihm heraus. Mit Tränen im Gesicht verlässt er den Gerichtssaal. Er ist einer der drei Männer, die im Juni 2017 von einem 19-Jährigen in einer Gersthofer Disco verletzt wurden. Der junge Mann hatte nachts nach einem Streit mit einem Jagdmesser wild um sich gestochen. Er traf auch den 30-Jährigen, dessen Bruder in der Disco als Türsteher arbeitete. Die Verletzung am Hals hinterließ nicht nur eine körperliche Narbe.

Rechtsanwalt Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth, der den 30-Jährigen als Nebenkläger vertritt, verlas am zweiten Verhandlungstag vor der Jugendkammer des Landgerichts eine Erklärung – es war ein Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt seines Mandanten. Der 30-Jährige träume davon zu sterben und sehe sein eigenes Grab. Er lebe mit der ständigen Angst, dass ihm etwas passieren könnte. Schwere Folgen hatte die Messerstecherei auch für einen anderen Mann. Der wurde am Rücken verletzt und muss sich vermutlich einen anderen Job suchen. Denn bei schweren körperlichen Arbeiten über Kopf hat der Gerüstbauer Schmerzen.

Was genau in der Nacht ablief, lässt sich wohl nicht mehr klären

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Der 28-Jährige hatte damals angeblich mitbekommen, wie der Angeklagte seinen Cousin beleidigte. Er sei daraufhin zu dem 19-Jährigen gegangen, um zu schlichten. Als er sich zu seinem Cousin dreht, wurde in den Rücken gestochen. Er sei als erster verletzt worden, sagte der Mann, dem ein Dolmetscher zur Seite stand. Gegenüber der Polizei hatte er ausgesagt, dass schon zwei Männer vor ihm verletzt gewesen seien. Der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch wurde lauter: „Und woraus soll ich entnehmen, dass Sie heute schildern, was das Richtige ist?“

Widersprüchliche Darstellungen gab es nicht nur zum Ablauf der Tat, sondern auch über die Waffe: Bei der Polizei sagte der 28-Jährige, dass er sich nicht sicher ist, ob es sich bei der Tatwaffe um eine abgebrochene Flasche oder ein Messer gehandelt habe. Als Zeuge vor Gericht sagte er, dass er in der Hand des Angeklagten ein Metallstück gesehen hatte.

Dass es ein Jagdmesser war, hatte der 19-Jährige gleich zu Beginn der Verhandlung vor einer Woche eingeräumt. Er habe es während seiner Berufsschulzeit in Metzingen gekauft, um es dann seinem Vater zu schenken. In die Disco wollte er es eigentlich gar nicht mitnehmen: Es habe es schlichtweg vergessen, als sein Freund an der Türe stand, um ihn für den Abend in Gersthofen abzuholen. Der nahm dann ein schlimmes Ende. Es hätte sogar noch schlimmer kommen können: Ein 29-Jähriger schwebte nach der Auseinandersetzung in Lebensgefahr. Gestern schilderte der Mann aus dem Landkreis Günzburg, wie es nach der Tat um ihn stand.

29-Jähriger schwebte in Lebensgefahr

Bis zu zwei Liter Blut habe er nach dem Angriff verloren. Neun Tage sei er im Krankenhaus gelegen. „Ich musste um mein Leben kämpfen.“ Die mehrere Zentimeter lange Narbe in seinem Gesicht ist noch immer deutlich zu erkennen. Ob sie jemals verheilt, sei unklar.

Bleibende Schäden hat übrigens auch der Angeklagte erlitten: Er kann einen Finger nicht mehr richtig bewegen, nachdem auf ihn eingeschlagen worden war. Der Sicherheitsdienst hatte ihn nach der Messerstecherei auf den Boden gebracht. Auch der 29-Jährige, der an der Wange verletzt wurde, trat zu – so wie offenbar auch andere Gäste. Der 29-Jährige erklärte: „Da wird man zum Tier, der Kopf spielt verrückt.“ Richter Hoesch wirkte verärgert und wurde deshalb deutlich: „Das ist nicht richtig, jemandem in dieser Situation eine zu servieren. Das muss ich in aller Deutlichkeit sagen.“ Der Verteidiger des Angeklagten, Moritz Bode, erinnerte sich an den 19-Jährigen in der Untersuchungshaft: „Er sah übel zugerichtet aus.“

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