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Gersthofen

05.04.2021

Naturschützer protestieren gegen Klärschlamm-Verbrennung in Gersthofen

Diese Computeranimation zeigt den Aufbau der geplanten Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage im Industriepark Gersthofen. Wenn sie fertig ist, wird sie eingehaust, sodass von außen vom Aufbau kaum etwas zu erkennen ist.
Foto: MVV Industriepark Gersthofen GmbH

Plus In Gersthofen soll Klärschlamm verbrannt werden. Doch Naturschützer halten das Verfahren für klimaschädlich. Außerdem gelangten Schadstoffe in die Luft.

Die MVV Industriepark Gersthofen GmbH hat bei der Regierung von Schwaben die Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb einer Klärschlammverbrennungsanlage auf dem Gelände des Industrieparks beantragt. "Nachdem ein Klärschlammdurchsatz bezogen auf die Trockensubstanz von 27.100 Tonnen pro Jahr laut Antragstellung im Genehmigungsverfahren möglich sein soll, gehen wir davon aus, dass der Betreiber den Klärschlamm von verschiedenen Abwasserzweckverbänden beziehungsweise Gemeinden aufnehmen möchte", heißt es in einem Schreiben der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe. Neben Johannes Enzler, Vorsitzender der Kreisgruppe Augsburg, dem Regionalreferenten für Schwaben Thomas Frey Ernst Haile, Vorsitzender der Kreisgruppe Aichach-Friedberg, Christine Kamm, Vorsitzende der Ortsgruppe Augsburg hat auch Katjana Brucoli, von der Ortsgruppe Gersthofen unterschrieben.

Naturschützer halten Klärschlammverbrennung in Gersthofen für schädlich

Der Bund Naturschutz sehe in dem Vorhaben in vielerlei Hinsicht eine Weichenstellung, bei der noch zu viele Fragen offen sind, als dass jetzt schon eine Entscheidung über eine Genehmigung der geplanten Anlage zur Klärschlammverbrennung und -entsorgung herbeigeführt werden könne:

"Grundsätzlich halten wir die Klärschlammverwertung und -entsorgung für eine Aufgabe der öffentlichen Hand." Beispiele aus anderen Bereichen der Ver- und Entsorgung, insbesondere der Privatisierung der Trinkwasserversorgung, hätten gezeigt, dass in erster Linie eine Gewinnorientierung besteht, aber kein Interesse am Gemeinwohl besteht. Weiter heißt es "Klärschlammverbrennung ist klimaschädlich, die CO2-Bilanz ist negativ und über Stäube und Abgase gelangen Schadstoffe in die Luft." Eine Rückführung wertvoller Rohstoffe wie Stickstoff, Kalium oder Magnesium in den Nährstoffkreislauf werde verhindert, so die Naturschützer weiter.

Kein wirtschaftlich konkurrenzfähiges Verfahren nachgewiesen

Für das Phosphorrecycling aus Klärschlammasche sei noch kein wirtschaftlich konkurrenzfähiges Verfahren nachgewiesen. Die Naturschützer befürchten zudem eine zusätzliche Verkehrsbelastung und damit weiteren CO2-Ausstoß durch die zentrale Lösung, denn wohl nicht nur der regional anfallende Klärschlamm, sondern der aus einem großen, nicht abgegrenzten Einzugsgebiet soll entsorgt werden. "Neben den genannten Nachteilen verhindert die Schaffung von überdimensionierten Klärschlammverbrennungskapazitäten die Entwicklung besserer und nachhaltiger Verfahren der Abwasser- und Klärschlammbehandlung." Momentan seien alternative Verfahren in Erprobung, die wesentlich umweltfreundlicher sind. Zu nennen sind hier die Hydrothermale Carbonisierung (HTC-Verfahren) oder das Treatech-Verfahren, das in der Schweiz entwickelt wurde.

Die Naturschützer fordern daher ein Moratorium bei der Genehmigung der geplanten Klärschlammverbrennungsanlage ein, bis alle offenen Fragen geklärt und klimafreundliche Lösungen gefunden wurden, die auch eine Wiederverwertung von Reststoffen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft zulassen. "Ein Moratorium ist auch deshalb erforderlich, weil sonst erhebliche Überkapazitäten zur Verbrennung geschaffen würden, die den Klärschlammtourismus fördern."

Ingrid Knöpfle, Pressesprecherin der MVV Industriepark GmbH, verweist darauf, dass der Klärschlamm aus der Region bisher weitere Strecken zurücklege, weil es eben noch keine Verbrennungsanlage gebe: "Die Frage ist, ob man den Klärschlamm nach Kempten karrt oder in der Region belässt. Da wird, denke ich, der CO2-Fußabdruck eher kleiner." Zur genauen Herkunft des Klärschlamms könne das Unternehmen noch nichts sagen, weil Verträge erst unterschrieben würden, wenn das Projekt genehmigt sei.

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