27.08.2012

Neanats und oiwai

Dialekt: In unserer Serie geht es heute um das Nirgendwo

Landkreis Augsburg In der Mundart sind es oft auch die kleinen Wörter, die ziemlich genau Aufschluss auf die Herkunft dessen, der sie nutzt, geben können. Auch wenn zumeist das Hochdeutsch oder besser das Standarddeutsch die alten Begriffe verdrängt (oder leider auch schon hat). Das trifft beispielsweise für die Dialektbezeichnungen von immer und nimmer sowie von irgend und nirgends zu.

Bis ins Althochdeutsche zurückverfolgbar

Was heißt eigentlich irgend? Wir kennen es nur noch in Verbindungen: irgendwo, irgendwie, irgendwas, irgendwann, irgendein. Bei nirgends unterstellen wir sofort nirgendwo, nirgend kennt man halt auch nicht. Der Duden klärt auf: Das bis ins Althochdeutsche zurückverfolgbare Wort setzt sich aus drei Teilen zusammen und bedeutet so viel wie „wo auch immer“, also eben auch an einem anderen Ort. Und das übernimmt die Mundart, wenn sie „anamoart“ oder „anort“ anstelle des überwiegend gebräuchlichen „irgendwo“ nutzt – und dies übrigens in allen bayerischen Landesteilen.

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Im Westen Bayerisch-Schwabens hört man auch „oimeds“ oder „eimeds“, was aber auch letztlich auf das „an einem anderen Ort“ zurückzuführen ist.

Immer wieder findet sich „ebbas“

Und das zwischen oberer Isar und oberen Lech gehörte „ebbarts“ lässt sich laut Professor König ebenfalls auf irgendwo zurückverfolgen, wobei das oberbairische Wort für etwas, also „ebbas“ oder „ebbs“ mit verwendet wird.

Nirgends ist die Verneinung und verwandelt sich in den Mundarten zu „neana(ts)“, „niina“ sowie „nindascht“ und „neadscht“ im Bairischen. Auch hier erweist sich eine doch enge sprachliche Verwandtschaft zwischen Schwäbisch und Bairisch – wenn da nicht wieder die Aussprache wäre ...

Und das gilt auch für Dialektbegriffe für immer und nimmer. Gehen wir mal vom Osten des Freistaates nach Westen Richtung Württemberg: Da wandelt es sich von „oiwe/ai“ über „allewai(l)“ rechts des Lechs zu „alleweil“ links des Lechs bis hin zu „elleweil“ und „elleg“ im Ulmer Raum. Und Richtung Allgäu kommt dann auch noch das Wort „allat“ vor.

Weitgehend bairische Spracheinigkeit herrscht auch bei nimmer. Die Varianten sind marginal: „nimma“, „nemma/e“, „nomma“ und „numma“. Und das sind Ausdrücke, die auch in der heutigen Zeit noch in aller (?), zumindest vieler Munde sind.

Oder sagen Sie „Heut besuch ich dich nicht mehr“? Nein, Sie werden sicher mit dem Wort nimmer oder einem ähnlichen Ausdruck formulieren.

Das nächste Mal wagen wir uns an wahre „Nationalgerichte“ wie den beliebten „Zwetschgendatschi“ ran.

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