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Helen-Keller-Schule

29.05.2015

Negativspirale: Wie der Ausstieg gelingt

Den Vortrag an der Helen-Keller-Schule in Dinkelscherben gestalteten (von links) Werner Schmidt von der Vhs Augsburger Land, Gabriele Wagner von der Katholischen Jugendfürsorge, ADHS-Therapeutin Angelika Ortner und Konrektorin Manuela Baumann von der gastgebenden Schule.
Bild: Anni Hartmann

Was Eltern wissen müssen und machen können, wenn ihre Kinder ADHS haben

„Ihr Kind hat ADHS.“ Was verbirgt sich hinter dieser Aussage? Sind Aufmerksamkeitsdefizitsymptome, kurz ADS und ADHS (gepaart mit Hyperaktivität), Modediagnosen in unserer Zeit geworden, die immer mehr Kinder treffen? Angelika Ortner, Sozialpädagogin und ADHS-Therapeutin, ging diesen Fragen im Rahmen der Vortragsreihe zu Erziehungsfragen an der Helen-Keller-Schule in Dinkelscherben vor einem interessierten Publikum nach.

Hyperaktive Kinder – oft Zappelphilipp genannt – hätten meist Schwierigkeiten in der Schule. Sie seien unkonzentriert, vergesslich, impulsiv, großen Stimmungsschwankungen unterworfen, hätten einen großen Bewegungsdrang und wenig Selbstkontrolle. Die gestörte Aufmerksamkeit ziehe Organisationsprobleme nach sich, in der Schule käme es zu schlechten Leistungen und zu Probleme in sozialen Beziehungen. Schon im Babyalter würden sie durch ausgiebiges Schreien auffallen. Im Kleinkindalter käme es zu ausgeprägten Trotzphasen, exzessiven Wutanfällen und wenig Ausdauer beim Spielen. Im Kindergarten fielen sie bereits durch Störverhalten in der Gruppe auf und würden schnell zu Außenseitern.

„Eltern sind oft ratlos und geraten selbst an ihre Grenzen“, wusste Angelika Ortner aus ihren Erfahrungen als Therapeutin. Sie empfahl, Kindern eine feste Struktur und klare Regeln zu geben. Ausnahmen seien von Eltern und Erziehern gut gemeint, doch würden sie damit verunsichern. Da Kinder mit wenig Selbststeuerung oft „anecken“ und getadelt würden, sei es wichtig, Situationen zu finden, in denen sie bestätigt und gelobt werden können. „Nicht alles, was danebengehen könnte, vorsorglich aus dem Weg räumen“, empfahl sie den Eltern. Wenig hilfreich sei die Haltung: „Ich habe ADHS und kann nichts dafür.“ Auch diese Kinder müssten die Erfahrung machen, dass Erwachsene ihnen etwas zutrauen. Gäbe es Aufträge zu erledigen, sei eine klare, eindeutige Sprache wichtig, eine kurze Ansage und konsequentes Einfordern. Der Augenkontakt unterstütze die Auffassung.

Über allen Problemen, die sich im Umgang mit dem hyperaktiven Kind zeigten, dürfte nicht vergessen werden, dass Eltern und Erzieher bewusst gemeinsame Spiel- und Spaßzeiten finden müssten, um das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken. „Nützen Sie die Chancen, um aus der negativen Spirale auszusteigen“, ermutigte die Expertin ihre Zuhörer. (AL)

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