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Gersthofen

10.10.2019

Neue Runde im Ringen ums Gersthofer Loch

Ein Bauantrag für das Areal westlich der Donauwörther Straße in Gersthofen ist jetzt im Gersthofer Bauausschuss abgelehnt worden.
Bild: Marcus Merk

Der Bauantrag der JVP Wohnbau GmbH für die Brachfläche wird einstimmig abgelehnt. Ist das Tischtuch zwischen Investor und Verwaltung jetzt zerschnitten? 

Der Stillstand beim Gersthofer Loch geht weiter: Abgelehnt hat der Bauausschuss einen Bauantrag der JVP Wohnbau GmbH für das Grundstück zwischen Schul- und Donauwörther Straße im Stadtzentrum. Investor Johann Pfoo war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Seit elf Jahren klafft auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Areal mitten im Gersthofer Stadtzentrum das Loch, und seitdem ist es auch das Grundstück, um welches in der Stadt am meisten gestritten wurde: Die Auseinandersetzungen gingen auf persönliche Ebene, den damaligen Bürgermeister Jürgen Schantin kostete das letztendlich das Amt. Sogar ein Bürgerentscheid wurde abgehalten. Als der neue Investor Johann Pfoo vor einem Jahr antrat, wurde er noch mit offenen Händen empfangen. Nach einem Jahr Verhandlungen hinter verschlossenen Türen ist offenkundig: Stadt und Investor sind sich noch keineswegs einig.

Errichtet werden sollten im aktuell gestellten Bauantrag drei Gebäudekomplexe mit 67 Wohnungen, drei Gewerbeflächen für den Einzelhandel und eine zweistöckige Tiefgarage. Im Haus entlang der Donauwörther Straße sollen im Erdgeschoss die Gewerbeeinheiten entstehen. Die zwei anderen Gebäude stehen an der Schulstraße.

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Es gilt ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1986

Wie Stadtbaumeister Roland Schmidt erklärte, gilt derzeit auf dem Areal noch ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1986. Weil der vorliegende Antrag im Freistellungsverfahren gestellt wurde, müssten dessen Festsetzungen voll eingehalten werden. „Dies ist aber mehrfach nicht der Fall“, so Schmidt.

So sei im festgeschrieben, dass Aufenthalts- und Ruheräume in Gebäuden entlang der Donauwörther Straße auf der lärmabgewandten Seite liegen sollen. „Dies wird nicht beachtet.“ Der Antragsteller betone, dass dies nicht mehr dem Stand der Technik entspreche und Schallfenster und Lüftungsanlagen ausreichten. Weil die Donauwörther Straße stark befahren ist und überdies als Staatsstraße Umleitungsstrecke für Autobahn und B2 ist, „muss auf dieser Regelung des Bebauungsplans bestanden werden“.

Roland Schmidt wies auch daraufhin, dass die Abstandsflächen nicht eingehalten. „Das muss allerdings vom Landratsamt geklärt werden.“ Zudem seien die Stellplätze für kleinteilige Läden und Märkte des täglichen Bedarfs berechnet. Die Verkaufsflächen seien hingegen eher großzügig bemessen und mit eigenen Lastwagen-Anlieferbuchten versehen. „Es ist daher von Warenhäusern, SB-Märkten oder dergleichen auszugehen“, so Schmidt. Insgesamt wären daher 237 Stellplätze nötig statt der nur 157 vorgesehenen.“ Nachdem mehrere Befreiungen erforderlich wären, die nicht beantragt wurden, könne auch kein Freistellungsverfahren stattfinden. „Da sich das Vorhaben nicht an den bestehenden Bebauungsplan hält, ist es abzulehnen.“

Akzeptiert das Landratsamt die Begründungen der Stadt?

Allerdings sei es nicht klar, ob das Landratsamt diese Begründungen der Stadt akzeptieren wird. Der Stadtbaumeister verwies deshalb darauf, dass für diesen Bereich eine vorbereitende Untersuchung für städtebauliche Sanierungsmaßnahmen läuft. Deren Ergebnisse seien noch offen, aber es bestehe die Gefahr, dass die Gebäude im Antrag den Zielen der Stadt entgegenstehen. „Daher wird hilfsweise eine Rückstellung des Antrags für ein Jahr beantragt, falls das Landratsamt von einer Genehmigungsfähigkeit ausgehen sollte“, so Schmidt. „Es geht nicht darum, jemanden zu piesacken, es ist nur ein doppelter Boden für uns zur Sicherheit.“ Schmidt zufolge sei Investor Johann Pfoo im Vorfeld informiert worden, dass der Antrag nicht über ein Freistellungsverfahren laufen könne.

Einstimmig sprachen sich die Ausschussmitglieder für dieses Vorgehen aus. Lediglich Albert Kaps (Pro Gersthofen) stimmte gegen die einjährige Rückstellung. Bürgermeister Michael Wörle betonte: „Der Bauantrag ist nicht, was bei den intensiven Gesprächen der Stadtplanung mit dem Investor besprochen wurde.“ Darin eine Verbindungsstraße zwischen Schul- und Donauwörther Straße vorgesehen. Diese fehlt im Bauantrag ganz. Wörle betonte: „Wir werden die Verhandlungen mit dem Investor fortsetzen.“

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