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Landkreis Augsburg

20.08.2020

Neue Trendsportart Roundnet: Große Sprünge, kleines Netz

Ganz schön sportlich: Aus dieser Höhe versucht Philipp den kleinen Ball auf das Netz zu bugsieren.
Bild: Tobias Schertler

Plus Die Sportart Roundnet kann man im Sommer leicht draußen spielen. Wie sie funktioniert und weshalb Volleyballspieler sich leicht tun dürften.

Hitzige Luft im Park. Die Sonne drückt, doch es gibt kein Erbarmen. Zwei gegen Zwei, Showdown. Zu viert stehen sich die Sportler gegenüber und warten auf den ersten Angriff. Nein, hierbei handelt es sich nicht um die Beschreibung der Szenerie kurz vor einem Straßenkampf, sondern um das Spiel Roundnet. Besser bekannt ist es unter dem Namen „Spikeball“. Das ist aber lediglich die Bezeichnung für den größten Zubehörhersteller dieses Sports, der zurzeit an vielen Seen im Trend ist.

Mit Angriff ist also auch keine körperliche Attacke gemeint, sondern der Aufschlag. Den führt man wie folgt aus: Zunächst müssen alle Akteure 1,80 Meter Abstand vom Netz nehmen – außer der Spieler, der den Ball annimmt. Dann wird der Spielstand angesagt. Zu Beginn lautet der natürlich null zu null.

Roundnet lässt sich gut mit der Sportart Volleyball vergleichen

Anschließend wird die Kugel nach oben geworfen und mit der flachen Hand auf das runde Netz katapultiert. Klingt vertraut? Für Basti aus Augsburg auch: „Ich vergleiche es gern mit Volleyball“, sagt er. Lediglich das Netz ist am Boden und nicht zwischen den Teams aufgespannt, wie beim Volleyball. Erfahrene Spieler servieren den Aufschlag aber auch gern mit der Rückhand. Der in Täfertingen aufgewachsene Basti trifft sich regelmäßig mit seinen Freunden in verschiedenen Anlagen zum Spielen. „Vor vier Jahren haben wir zu zehnt damit angefangen, jetzt sind wir in der Whatsapp-Gruppe ungefähr 120 Leute“, berichtet Nicole stolz. Sie sei schließlich schon von Beginn an dabei. Nach und nach hätten sie immer wieder Leute während des Spielens angesprochen. Zusätzlich hätten sich Personen aus Eigeninitiative gemeldet. Wie geht es aber nun nach dem Aufschlag weiter? Zunächst hat man zwei Versuche, um den Ball auf das Netz und somit zum Gegner zu schlagen.

Der Gegner muss den Ball aber mit ausgestreckten Armen erreichen können, sonst ist er ungültig und das andere Team bekommt den Punkt. Das Gleiche gilt, wenn die Plastikkugel den Rand berührt. Erreicht der Ball das gegnerische Team, hat es maximal drei Kontakte, um einen Punkt zu erzielen. Dafür darf man jedes Körperteil zu Hilfe nehmen. Nico empfiehlt für das Retourspiel eine andere Herangehensweise als beim Aufschlag. „Am besten spielt man den Ball zwar auch mit der flachen Hand, aber von unten.“ So könne man das Spielgerät dem Teamkollegen besser auflegen. Der kann entweder noch mal seinen Partner bedienen oder selbst abschließen. Ein Punkt ist erzielt, wenn ein Team den gegnerischen Ball nicht mehr retournieren kann – wenn er also auf den Boden fällt.

Roundnet ist im Grunde ein 360-Grad-Spiel

Bei 15 Punkten ist das Spiel vorbei, vorausgesetzt die Führenden haben zwei Punkte Vorsprung. Andernfalls geht die Runde eben so lange, bis ein Team diesen Vorsprung erreicht. Was macht den Sport – neben dem simplen Regelwerk – so populär? Für den Polizeibeamten Basti ein klarer Fall: „Es ist einfach mega witzig, und man braucht nur drei Kumpels.“ Zum Spaßfaktor trage auch bei, dass Roundnet im Grunde ein 360-Grad-Spiel ist.

Volleyballspieler dürften sich bei der Sportart Roundnet leichter tun.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbol)

Denn mit Ausnahme des Aufschlags herrschen keine starren Positionsvorgaben. Jeder kann sich überall hinbewegen, um an den Ball zu kommen. Basti empfiehlt aber, eine Runde nur mit ähnlich starken Spielern zu bestreiten. „Alle sollten das gleiche Level haben“, so Basti. Ein gutes Set mit stabilem Netz gibt es für rund 100 Euro zu kaufen. Von günstigeren Sets rät Basti ab, da diese schnell hinüber wären. Jedes Set ist aber einzeln zerlegbar und kann in einem Rucksack verstaut werden.

Erste Roundet-Weltmeisterschaft war in Belgien geplant

Die 1989 in etwas anderer Form erfundene Sportart erlebte 2008 einen Aufschwung, als Hersteller Spikeball in das Geschäft einstieg. Dieser Erfolgskurs hält bis heute an und hat vor ein paar Jahren auch Deutschland erreicht. Eine ähnliche Verlaufskurve konnte man vor einiger Zeit auch bei einer anderen Nischensportart beobachten, dem Darts.

Dort gibt es mittlerweile mit bis zu 2,5 Millionen Pfund dotierte Turniere. Auch im Roundnet hätte diesen September in Belgien die erste Weltmeisterschaft stattfinden sollen. Die fiel aber Covid-19 zum Opfer. Ob Basti dem Sport eine ähnliche Zukunft prophezeit wie dem Darts? „Es gab dieses Jahr einen Wahnsinnsschub, aber auf Profiniveau ist Roundnet langweilig zu schauen. Die Ballwechsel sind dort einfach zu kurz. Das macht die Sponsorensuche schwierig.“ Es muss aber natürlich nicht jede Sportart kommerziell vermarktet werden. Manchmal reicht es auch, im Sommer mit drei Freunden und einem Rucksack in einen schönen Park zu gehen – und einfach zu spielen.

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