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Thierhaupten

05.07.2010

Neuer Stern im Kapitelsaal

In eine andere Welt führte das 1991 gegründete "Vuillaume Trio" seine Zuhörer beim Thierhauptener Klosterkonzert: klassische und romantische Töne statt lautem Vuvuzela-Krach. Erstmals trat die Gruppe in Thierhaupten auf.

Einen neuen Stern am Himmel der Thierhauptener Klosterkonzerte konnte das Publikum am Samstag erleben: Zum ersten Mal war das 1991 gegründete "Vuillaume Trio" zu Gast. Die engagiert, mit deutlicher Freude am Musizieren auftretenden Künstler brachten es fertig, an einem von grellen Freudenschreien, Hupkonzerten und Vuvuzela-Geblöke angefüllten Tage ihre Zuhörer scheinbar mühelos in eine andere, von klassischen und romantischen Tönen erfüllte Welt zu entführen.

Musik überwindet alles

Wie schön und alles überwindend doch Musik sein kann, das demonstrierten die Violinistin Sylvia Eisermann, der Cellist Michael Rupprecht und Marcus Reissenweber, wobei sicherlich der feine Ton der Vuillaume-Violine seinen Beitrag geleistet haben mag, aber im Vordergrund stand doch eindeutig das reife und kraftvolle Spiel von Vollblutmusikern, denen es gelang, den voll besetzten Thierhauptener Kapitelsaal - in Anwesenheit von Abt Theodor Hausmann von St. Stephan - mit einem Klangvolumen zu erfüllen, dass so mancher glaubte, ein mächtiges Orchester vor sich zu haben.

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"Klassik und Romantik" hatte sich das Trio zum Thema gewählt und begann daher folgerichtig mit Mozart im Rückgriff auf das kurz vor der Prager Sinfonie komponierte Klaviertrio B-Dur KV 502. Im ersten und dritten Satz - Allegro und Allegretto - dominierte in aufrüttelnder Virtuosität das Klavier, wohingegen im Larghetto des zweiten Satzes mit sanften, aber nie ins Süßliche abgleitenden Tönen sich die Violine gekonnt in den Vordergrund spielte. Zum Ende - mag es in der Partitur stehen oder nicht - gaben alle drei tutta forza ihr Bestes und gewannen schon jetzt dem Publikum im nahezu voll besetzten Kapitelsaal heftigen Applaus ab.

Beethovens "Geistertrio" in D-Dur op. 70, das letztes Jahr sein 200. Jubiläum feiern durfte, aber immer noch so frisch und anregend wie einst erklingt, nahm gleich im Vivace jeden Hörer für sich ein, wobei nun auch der warme Ton des Cellos mehr aus sich herauskam. Im Largo des zweiten Satzes verzauberte Sylvia Eisermann mit ihrer Violine fast schwermütig bis klagend den ganzen Raum und sorgte so für atemlose Stille im ganzen Publikum, während im Presto sie ihre Dominanz mit dem kraftvollen Ansturm des Klaviers teilen musste.

Rechtzeitig zum Schumann-Jahr erfolgte nun der Schwenk in die Romantik: Das Trio op. 63 ließ den Zuhörer voll in die schwelgerische Tongebung eintauchen und bot jedem Instrument üppig Gelegenheit, seine Vorzüge voll zur Geltung zu bringen.

Kleine Ablenkung

Großer und mehr als verdienter Applaus war die logische Folge dieses exzellenten Abends, wobei das "Oblivion" des Argentiniers Astor Piazollas, das freilich aus aktuellem Anlass top als Zugabe zu passen schien, eher etwas von der thematischen Bindung des Abends ablenkte - freilich wiederum präsentiert und nachhaltig beklatscht. (herr)

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