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Dinkelscherben

14.01.2020

Neujahrsempfang: Ein Jahr der Extreme in Dinkelscherben

Bürgermeister Edgar Kalb und Irene Kastner (mit Blumenstrauß) zusammen mit den Strensingern und den Musikern von der Musikvereinigung, die die Veranstaltung begleiteten, beim Neujahrsempfang in Dinkelscherben.
Bild: Tobias Karrer

Bürgermeister Edgar Kalb zieht Bilanz und dankt seinen Partnern. Plötzlich ruft ein Bürger dazwischen.

Das „gute und ereignisreiche Jahr“ 2019 verpackte Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb bei der Neujahrsversammlung in einen 15 Minuten langen Film mit 120 Fotos. Unterlegt von fröhlicher Rockmusik liefen die unterschiedlichsten Bilder über die Wand im Pfarrsaal. Darunter waren die aus Sicht des Bürgermeisters wichtigsten Themen des Jahres.

„Wir haben viel gefeiert mit den Schäfflern“, sagte er. Im Video waren zahlreiche Bilder von unterschiedlichen Aktionen im Zusammenhang mit dem Brauch zu sehen. 2019 sei außerdem ein „erfolgreiches Jahr“ gewesen. „Wir haben die Schließung unseres Hospitals verhindert“, betonte Kalb. Außerdem sprach er über neue Warmwasserduschen im Freibad und die Generalsanierung der Sporthalle.

Allerdings sei 2019 auch ein „ärgerliches Jahr“ gewesen. Noch immer schmecke das Trinkwasser nach Chlor. Außerdem habe die Gemeinde fast 50000 Euro für die Bekämpfung von Biber und Eichenprozessionsspinner ausgeben müssen. Trotz dieses Rekordwerts hätten sich die Schulden aber nicht wesentlich erhöht, so der Bürgermeister.

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Sollte man eher den Innenraum verdichten oder den Ort erweitern?

Der Film zeigte allerdings nicht nur die großen Projekte des Jahres. Auch viele kleine Bauarbeiten, zwei Wasserrohrbrüche, neu angelegte Grünstreifen, die neuen Spielgeräte im Freibad und der Besuch einer Schulklasse in Rathaus waren zu sehen – Beispiele für das tägliche Geschäft der Verwaltung. Alles in allem fasste Kalb zusammen: „2019 war viel los.“ Das vergangene Jahr war in seinen Augen außerdem ein „extremes Jahr“. Dabei blickte er über die Grenzen des Landkreises hinaus. Im Juli hätten Deutschland und die Welt die heißesten Tage seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt, und so viele Menschen wie nie zuvor seien im vergangenen Jahr für Klimaschutz auf die Straßen gegangen. Und trotzdem hätten sich SUVs so gut verkauft wie nie und die Airlines schon Mitte des Jahres neue Fluggastrekorde verkündet.

Bei den wichtigen Fragen der Zeit gebe es häufig zwei „sehr unterschiedliche Stimmungen, auch bei uns in der Gemeinde“, schloss Kalb. Für die einen sei alles „schlimm“, die anderen würden abwinken und betonen, dass es auch früher schon Extreme gegeben habe. Kalb brachte einige Beispiele aus der Gemeindearbeit: an vorderster Stelle die Diskussion über eine Umgehungsstraße. „Die Befürworter wollten ein ruhiges Ortszentrum, die Gegner fürchteten um den Einzelhandel im Ort.“ Ein weiteres Thema: das Wachstum der Gemeinde. Sollte man eher den Innenraum verdichten oder den Ort erweitern? Solche Fragen würden auch die Zukunft der Gemeindearbeit bestimmten, ist sich der Bürgermeister sicher.

Das Ehrenamt stärkt die Demokratie

Lösungen könne man nur im Kompromiss finden, betonte Kalb und bedankte sich im selben Atemzug bei den Bürgern und ehrenamtlich Engagierten für ihre Anregungen und Mitarbeit. „Das hat im vergangenen Jahr gut funktioniert.“ An dieser Stelle meldete sich ein Zuhörer lautstark zu Wort: „Das stimmt nicht“, rief er durch den Saal. Kalb ließ sich nicht beirren und dankte auch seinem Gemeinderat für eine konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit. Es folgte derselbe Einwand.

Anni Fries, die Stellvertreterin von Landrat Martin Sailer, stellte in ihren kurzen Grußworten das Ehrenamt in den Vordergrund. Dinkelscherben und der Landkreis würden von einem „breit gefächerten, bürgerschaftlichen Engagement“ profitieren. Das Ehrenamt stärke die Demokratie, betonte sie und gab den Dinkelscherbern einen Rat mit ins Jahr 2020: „Nicht hinschauen, wenn etwas passiert, sondern zupacken, damit etwas sinnvolles geschieht.“

Ehrenamtliches Engagement war auch Kalb beim Neujahrsempfang wichtig. Ein herausragendes Beispiel ist Irene Kastner, die 34 Jahre lang den Seniorenkreis Gute Freunde in Dinkelscherben leitete und bei der Veranstaltung für ihren Einsatz geehrt wurde. Da sie jetzt schon „uralt“ sei, wie Kastner auf der Bühne selbst scherzte, hat sie das Amt zum Ende 2019 aufgegeben. „Jetzt wünscht sie sich nichts mehr, als einen Nachfolger“, betonte Kalb.

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