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Neusäß/Bracciano
24.08.2019

In Neusäß Partnerstadt weht ein Hauch von Hollywood

Beeindruckend ist der Blick vom Schloss auf den Braccianosee. Er ist vulkanischen Ursprungs und steht unter Naturschutz. 
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Beeindruckend ist der Blick vom Schloss auf den Braccianosee. Er ist vulkanischen Ursprungs und steht unter Naturschutz. 
Foto: Angela Gebler

Die Städtepartnerschaft zwischen Neusäß und Bracciano beruht auf der Musik. Was der Kreuzigungszug und Tom Cruise mit der italienischen Kleinstadt zu tun haben.

Ein Ereignis fasziniert Angela Gebler, die Zweite Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Neusäß-Bracciano, jedes Jahr wieder besonders: der gemeinsame Auftritt des Neusässer Kammerorchesters und des Coro Polofonico di Bracciano. „Der Chor und das Orchester treffen aufeinander, haben nur eine Probe zusammen und am nächsten Tag folgt schon der Auftritt“, erzählt die Neusässerin, die selbst Cello im Kammerorchester spielt.

Dabei sei vorher immer ein Sprachenwirrwarr aus italienisch, deutsch und englisch zu hören. Man könne sich kaum vorstellen, dass dort nach einem Tag ein gelungenes Konzert herauskommen könne, so Gebler. Beim Auftritt spiele die jeweilige Landessprache aber keine Rolle mehr. „Dann gibt es nur noch die Sprache der Musik“, beschreibt Gebler den musikalischen Höhepunkt. Bei den jährlichen Besuchen zwischen den Partnerstädten Neusäß und Bracciano gehöre das gemeinsame Musizieren zum Standardprogramm.

Der Freundschaft vorausgegangen war ein Suchprozess

Denn auch der Beginn der Partnerschaft zwischen der italienischen Kleinstadt und Neusäß wurde musikalisch eingeleitet. Nach einem gegenseitigen Herantasten erfolgte die Verschwisterung am 23. April 2011 in Bracciano. 60 Leute haben damals zur Neusässer Delegation gehört, erinnert sich Angela Gebler. Selbstverständlich sei auch das Kammerorchester dabei gewesen. Der Freundschaft vorausgegangen war ein Suchprozess: Neusäß habe sich längere Zeit nach einer weiteren Partnerstadt umgesehen. Vor der Verbindung zu Bracciano habe man bereits im Osten (Markkleeberg in Sachsen), im Norden (Eksjö in Schweden) und im Westen (Cusset in Frankreich) Städtepartnerschaften gepflegt, so Gebler. Der Wunsch nach einer Partnerstadt im Süden Europas sei immer wieder aufgekommen.

Italien habe sich angeboten, unter anderem, weil der Bürgermeister von Neusäß, Richard Greiner, fließend italienisch spreche. Da Bracciano ebenfalls an einer tiefer gehenden Verbindung interessiert gewesen sei und die Stadt ähnliche Merkmale wie Neusäß aufweise, sei die Wahl letztendlich auf die Kleinstadt am gleichnamigen Braccianosee gefallen, erklärt Gebler.

Der örtliche Segelklub ist sehr beliebt

Den Lago di Bracciano nennt die Neusässerin auch als eine der Besonderheiten der Region. Er sei vulkanischen Ursprungs und stehe unter Naturschutz. Deshalb seien auch keine Motorboote erlaubt. Eine Ausnahme gebe es aber: Ein Schiff verbinde die drei am See gelegenen Orte, Bracciano, Trevignano Romano und Anguillara Sabazia. Außerdem sehe sie hin und wieder Surfer, der örtliche Segelklub sei sehr beliebt, so Gebler.

Überragt wird Bracciano vom Castello Orsini-Odescalchi. Der Name der Schlossanlage geht auf die früheren Besitzerfamilien zurück. Die Adelsdynastien Orsini und Odescalchi hatten in früheren Jahrhunderten enormen politischen Einfluss, zusammen gerechnet stellten sie unter anderem vier Päpste. In der heutigen Zeit sind dort jedoch keine Päpste mehr anzutreffen, die Schlossanlage beherbergt ein Museum. Außerdem diene es als spektakuläre Möglichkeit zum Heiraten, nennt Angela Gebler eine weitere Nutzungsmöglichkeit. Tom Cruise habe hier Katie Holmes geheiratet und Eros Ramazotti Michelle Hunziker.

Eine weitere Sehenswürdigkeit sei das italienische Luftfahrtmuseum im Stadtteil Vigna di Valle. Dort haben die Neusässer auch schon eine Führung mitgemacht, die Einwohner von Bracciano seien sehr stolz auf dieses Museum, so Gebler. Zur Chiesa di Santa Maria Novella haben die Musiker einen engen Bezug. In der alten Kirche haben Orchester und Chor ihre Konzerte aufgeführt.

In 50 Minuten ist man in Rom

In der Lage Braccianos sieht Angela Gebler ebenfalls einen Vorteil. Mit dem Zug sei man in 50 Minuten in Rom. So können Urlauber am Braccianosee auch mal einen Tag in die „ewige Stadt“ fahren. Ein besonderer Höhepunkt sei zudem das Schauspiel „La Passione di Cristo“, welches jährlich an Karfreitag aufgeführt werde. Dabei werde der Kreuzigungszug von Jesus Christus nachgespielt und am Ende eine Person auf dem Schloss „gekreuzigt“.

All die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten der Stadt würden aber nichts wert sein, wenn die persönlichen Beziehungen zueinander nicht stimmen würden. Zwischen dem Orchester und dem Chor seien intensive Freundschaften entstanden und auch die Stadtoberen würden viel zum gegenseitigen Austausch beitragen. Sie könne sich noch genau an einen italienischen Chorsänger erinnern, der zum ersten Mal in seinem Leben privat bei ihr untergekommen sei. Für beide sei das eine tolle Erfahrung gewesen, so Gebler.

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