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Neusäss

15.02.2016

Neusäß, das Venedig des Nordens

Der Herzog ist von Ciboletta angetan, sie würde am liebsten fliehen: (von links) Benedikt Bader, Susanne Kapfer, Lukas Mayer und Vanessa Fasoli)
Bild: Foto: Manuela Rauch

In seiner Neufassung von Johann Strauß Operette holt Christian Auer die Lagunenstadt an die Schmutter. Das Publikum ist begeistert

Wie schafft man es, eine derart verworrene Verwechslungskomödie wie „Eine Nacht in Venedig“, für jedermann verständlich und reduziert auf zwei Akte auf die Bühne zu bringen? Christian Auer hat es gewagt. Zusammen mit dem Young-Stage-Chor unter der Leitung von Elisabeth Haumann, hat Auer die Operette von Johann Strauß neu interpretiert.

Dafür hat Auer die Perspektive gewechselt, hat sozusagen eine Operette in der Operette geschrieben. Er selber mimt den Erzähler, den Conférencier, oder wie er selber sagt: die „Plaudertasche“. Auers „komische Oper“ beginnt in Neusäß, dem „Venedig des Nordens“. Beide Städte hätten mehr gemein als manch einer glauben mag. Venedig hat den Canale Grande, Neusäß die Schmutter und was des Venezianers das Fresko von Michelangelo ist, ist dem Neusässer sein Wasserschorsch. An Auers Seite: Die jungen Talente vom Young-Stage-Chor, die ihm erst als fiktives Publikum lauschen, später dann selbst zu Darstellern werden.

Dank Auer als Reiseleiter, der nebenbei am Klavier die bekannten Walzermelodien mit einem Streicherensemble vertont, ist das Beziehungsgeflecht weniger kompliziert als die Originalfassung. Der Herzog Guido von Urbino (Lukas Mayer) ist ein Schwerenöter. Zu einem Maskenball lädt er die Senatoren und deren Gattinnen ein. Die schöne Barbara Delaqua (Charlotte Reng) ist das Ziel seiner Begierde. Ihr Ehemann (Claus Kapfer) weiß um des Herzogs Leidenschaft für die Frauen und will seine Liebste vorsichtshalber aus der Stadt bringen. An ihrer Stelle soll die Zoffe Ciboletta (Vanessa Fasoli) mit auf das Fest kommen.

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Doch Barbara denkt gar nicht daran. Sie hat ganz andere Pläne, schließlich wartet ihr heimlicher Verehrer auf sie. Wie gut, dass sie sich auf Freundin Annina (Susanne Kapfer) verlassen kann. Die beiden tauschen ihre Kleider, so dass am Ende Annina in Richtung Palazzo gondelt. Doch es kommt noch schlimmer, denn der Gondoliere ist eigentlich der Caramello (Benedikt Bader) des Herzogs, der den Auftrag hat, Barbara Delaqua ins Palazzo zu schmuggeln. Nun sitzt ihm also Annina gegenüber, der er vor Jahren auch noch die Liebe versprochen hat. Das Chaos scheint perfekt. Auers temporeiche Neuinszenierung geriet in der Neusäßer Stadthalle nicht einen Moment ins Stocken.

Das Stück bestach vor allem durch seine Mitwirkenden, wie Benedikt Bader, Vanessa Fasoli und dem Ausnahmetalent Lukas Mayer. Der spielt den Herzog selbstherrlich und frivol wie ein alter Hase. Dass der Horgauer Hüne gerade mal 16 Jahre alt ist, beeindruckt umso mehr. Im letzten Jahr hatte ihn der bundesweite Wettbewerb „Jugend musiziert“ zum besten Darsteller im Bereich Musical gekürt. Mayers Weg dürfte auch weiterhin steil bergauf gehen. Die Konkurrenz wird dennoch nicht schlafen. Elisabeth Haumann hat im Young-Stage-Chor schon jetzt zahlreiche Preisträger unter ihren Fittichen. „Die sind zwar noch blutjung, haben aber schon eine Menge geschafft“, sagt sie stolz. Mindestens ein Mal im Jahr bringt das Ensemble Klassik pur auf die Bühne. Das Interesse für das Operetten-Projekt sei riesig, sagt Haumann. „Die gehen mit einer unglaublichen Energie und Motivation an die Umsetzung.“ Vielleicht auch, weil Auer das Straußsche Werk kräftig abgestaubt hat. Für den Nachwuchs gab es vom Meister nur Lob. „Das Stück erhält mit jungen Leuten eine ganz besondere Leichtigkeit und ein wahnsinnig tolles Flair“, betonte Auer.

Die Neu-Inszenierung der Nacht in Venedig wurde frenetisch bejubelt. Die Zugabe übernahm Benedigt Bader, der sich freute auch mal den Lagunenwalzer singen zu dürfen. In Auers Fassung besangen Ciboletta und Annina den Liebreiz der Frauen. Das Publikum war sich einig: Johann Strauß im neuen Gewand - das Kunststück ist auf ganzer Linie gelungen.

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