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Neusäß tritt beim Trixi-Spiegel auf die Bremse

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Kommentar Von Angela David
17.09.2019

In Neusäß sammeln Geschäftsleute  Geld für 50 Verkehrsspiegel. Installiert werden jetzt aber nur ein paar.

Ein Spiegel soll „Tote-Winkel-Unfälle“ verhindern und Leben retten. Deshalb haben die Gewerbetreibenden in Neusäß Spenden für den Kauf von Trixi-Spiegeln gesammelt (wir berichteten). Diese sollen den Lkw-Fahrern Radler, Fußgänger und Kinder, die neben seinem Fahrzeug stehen, zeigen und so Unfälle verhindern.

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Thilo Wank, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Neusäß, und seine Mitstreiter hoffen, dass die Spiegel im ganzen Neusässer Stadtgebiet angebracht werden. Geschäfts- und Privatleute haben Geld für mehr als 50 Spiegel gespendet, acht sind bereits bestellt. „Das liegt den Menschen sehr am Herzen“, so Thilo Wank.

Nur an einer Kreuzung werden Trixie-Spiegel angebracht

Andere Städte haben schon positive Erfahrungen mit dem Trixi-Spiegel gemacht, auch in Königsbrunn gibt es sie seit Kurzem. Doch über eine solche Maßnahme müssen natürlich die Behörden entscheiden und die Politik. Deshalb standen die Trixi-Spiegel in der ersten Sitzung nach den Ferien auf der Tagesordnung des Neusässer Planungsausschusses. Die Stadträte im Ausschuss traten aber auf die Bremse: Zunächst einmal werden nur an einer geeigneten Kreuzung Trixi-Spiegel angebracht, und zwar bei der Eichenwaldschule.

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Thilo Wank kann die Vorbehalte gegen die Spiegel nicht verstehen. „Wir haben Duzende Kreuzungen besichtigt, wo die Spiegel sinnvoll wären.“ Für die Neusässer Hauptstraße, für die der Landkreis zuständig ist, werde die Aktionsgemeinschaft einen Antrag beim Landratsamt stellen. Dort wird dann – und das findet Wank sehr gut – ein Ortstermin anberaumt mit Polizei. Landratsamt und Vertretern der Stadt Neusäß, um zu begutachten, wo die Spiegel sinnvoll sind. „Dieses Vorgehen könnte ich mir dann in Neusäß auch vorstellen.“

Viel Erfahrung gibt es mit den Trixi-Spiegeln noch nicht

Aber es gibt eben auch kritische Stimmen. Der Verkehrsexperte vom Polizeipräsidium Schwaben, Gerhard Stern, hält die Idee der Trixi-Spiegel für „grundsätzlich gut“. Es müsse allerdings für jede Ampel und Kreuzung geprüft werden, ob so ein Spiegel sinnvoll ist und die Sicherheit auch wirklich erhöht. Viel Erfahrung gebe es im Großraum Augsburg mit den Trixi-Spiegeln noch nicht.

Polizei und Landratsamt stünden den Trixi-Spiegeln skeptisch gegenüber, erläuterte Stadtbaumeister Dietmar Krenz im Ausschuss. Eine entsprechende Anfrage bei der Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt hinsichtlich einer landkreiseinheitlichen Meinung ergab laut Bauamt keine einschlägige Auskunft. Wie die Polizei mitteilte, gab es in Neusäß seit 2015 vier Abbiegeunfälle mit beteiligten Radfahrern, aber ohne Lkw.

Sehr große Vorbehalte hat Stadtbaumeister Dietmar Krenz gegenüber den Konvex-Spiegeln. „Denn sie bieten eine vorgetäuschte Sicherheit, das kann gefährlich sein.“ Auch Krenz warnt davor, die Spiegel als Allheilmittel zu sehen. „Die Zukunft der Sicherheit liegt in den Assistenzsystemen der modernen Lkw“, sagt Krenz.

Grüne sehen keine stichhaltige Gegenargumente

Die Freien Wähler im Planungs- und Umweltausschuss waren dennoch dafür: „Was spricht dagegen, die Spiegel, die uns nichts kosten, aufzuhängen, bis alle Lastwagen dem modernen Standard entsprechen?“, fragte Joachim Wilhelm. Auch die Grünen begrüßten die Initiative der Aktionsgemeinschaft und sahen keine stichhaltigen Gegenargumente.

Die Verwaltung wies darauf hin, dass die Spiegel könnten vorsätzlich verdreht oder beschmiert werden, sie bräuchten eine Stromquelle, um sie zu beheizen und zudem böten sie nur ein verzerrtes und stark verkleinertes Bild. „Die Spiegel bringen nur was, wenn sie genau justiert sind und regelmäßig überprüft werden“, betonte der Stadtbaumeister.

Wilhelm Kugelmann (CSU) sagte, man müsse genau überprüfen, an welchen Kreuzungen solch ein Spiegel sinnvoll sei und das gehe nicht so schnell. Am Ende stimmten alle Ausschussmitglieder für den Probeversuch an einer Kreuzung.

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