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Kommunalwahl 2020

22.02.2020

Neusäß unter Druck: Wer steuert das Wachstum?

In Neusäß wohnen die Menschen „mitten im Schönen“, über diesen Slogan ist man sich im Stadtrat einig. Doch die Nachfrage nach Wohnraum ist groß in der Stadt. Das ist und bleibt eines der drängendsten Themen der nächsten Jahre.
Bild: Marcus Merk

Plus Durch die Nähe zur Uniklinik ist die Nachfrage nach neuem Wohnraum in Neusäß riesengroß. Der neue Bürgermeister und Stadtrat müssen die Richtung vorgeben.

Drei Männer und eine Frau wollen Stadtoberhaupt von Neusäß werden. Der CSU-Bürgermeister Richard Greiner hat es mit Herausforderern aus allen Fraktionen des Stadtrates zu tun. Sie wollen das Sagen haben in einer Stadt, die aufgrund der Nachbarschaft zur Uniklinik Augsburg im Wandel, um nicht zu sagen, unter Druck steht. Dies betrifft in erster Linie die Nachfrage nach Wohnraum und die Wünsche von Bauherren.

Anders als in der Nachbarstadt Gersthofen hat Bürgermeister Greiner nicht mit Keimen im Trinkwasser zu kämpfen, und auch ein Gezerre um ein „Loch“ in der Stadtmitte gibt es nicht. Im Gegenteil: In der Stadtmitte von Neusäß hat sich so viel verändert wie lange nicht. Mit der Bebauung des Sailer-Areals und Schuster-Areals sind Pläne in die Tat umgesetzt worden, die über viele Jahre die Politiker beschäftigt hatten.

Nur eine hauchdünne Mehrheit für die CSU

Diese Bebauung ist ein typisches Beispiel für ein Ergebnis der meist sehr konstruktiven und harmonischen Zusammenarbeit im Stadtrat. Zwar hat die CSU nur mit der Stimme des Bürgermeisters eine hauchdünne Mehrheit, doch im Regelfall fallen die Beschlüsse mit breiteren Mehrheiten. Kommt es doch einmal zu einer „Kampfabstimmung“, sorgt das jedoch schnell für schlechte Stimmung im Gremium.

Neusäß unter Druck: Wer steuert das Wachstum?

Beispiel eins: die Wahl der Stellvertreter des Bürgermeisters. Die Amtsperiode des 2014 gewählten Stadtrats begann mit Dissens. Die CSU beharrte darauf, dass sowohl Zweiter als auch Dritter Bürgermeister aus den eigenen Reihen besetzt werden. Die CSU hatte bei der Stadtratswahl 52 Prozent der Stimmen bekommen, die Grünen waren mit 18 Prozent die Zweitstärksten. Sie hatten die SPD überholt, die in den Jahren zuvor zweite war. Doch die CSU suchte nicht den schwarz-grünen Schulterschluss und wählte mit der Ein-Stimmen-Mehrheit Wilhelm Kugelmann und Monika Uhl zu den Bürgermeisterstellvertretern.

Zweites Beispiel für Verstimmung im Gremium ist die Abstimmung über den Ausbau der Waldstraße in Westheim. Die Freien Wähler nutzten die Gunst der Stunde, an dem Abend zufällig eine Mehrheit zu haben, und schmetterten damit den Ausbau der Straße ab. Die CSU, allen voran Fraktionsvorsitzende Karin Zimmermann, schäumte vor Wut und fühlte sich reingelegt.

Bewährungsprobe war der Flächennutzungsplan

Doch beide Beispiele sind die Ausnahmen, meist gelingt es auch auf Bestreben von Bürgermeister Greiner, die Beschlüsse auf breite Basis zu stellen. Eine Bewährungsprobe für den Stadtrat war das Ringen um den neuen Flächennutzungsplan, also das Werk, das festlegt, wie sich die Stadt entwickeln soll. Ziel war es, einerseits der starken Nachfrage nach Wohnraum nachzukommen, aber gleichzeitig andererseits auch nicht alles zubauen zu lassen. Einig ist man sich im Stadtrat, dass in Neusäß weiterhin der Slogan gilt, dass die Menschen „mitten im Schönen“ wohnen sollen. Nicht zuletzt durch die Uniklinik müssen die Politiker aber auch auf den Druck auf dem Immobilienmarkt reagieren. Trotz Protesten von Anwohnern in Steppach und Hammel blieb der Stadtrat mehrheitlich dabei, dass hier zwei größere Wohngebiete entstehen können.

Eine zentrale Aufgabe des neuen Stadtrats wird das Thema Wohnen bleiben. Gerade in Westheim, wo es ungewöhnlich große Grundstücke gibt, werden immer häufiger Anfragen zur dichteren Bebauung bei der Stadt reinkommen.

Wie geht es mit dem Titania weiter? Die Richtung muss der neue Stadtrat festlegen.
Bild: M. Merk


Ein anderes wichtiges Thema wird die Zukunft des Freizeitbades Titania sein. Die Stadt übernahm das Bad, nachdem es ins Trudeln gekommen war. Inzwischen ist das Bad fast schon zu beliebt. Immer wieder muss in den Ferien oder an Schlechtwetterwochenenden wegen des Andrangs ein Einlassstopp verhängt werden. Der neue Stadtrat wird vor der Frage stehen, wie viel hier noch investiert sprich ausgebaut werden soll oder eben lieber nicht.

Erfahrener Wahlkämpfer, Generationswechsel und ein langjähriger Stadtrat

Die Freien Wähler haben mit dem Juristen Bernhard Hannemann einen Kandidaten ins Rennen geschickt, der bereits wahlkampferfahren ist. 2008 trat der Anwalt als Landratskandidat an, im Kreistag führte er die Fraktion. Den Freien Wählern ist der öffentliche Nahverkehr ein wichtiges Thema. Sie fordern, in einer Machbarkeitsstudie eine Verlängerung der Straßenbahnlinie zwei oder fünf bis zum Titania zu prüfen. Fraktionsvorsitzender Wolfgang Weiland kritisiert hier eine „schläfrige Vorgehensweise“.

Die SPD steht vor einem Generationswechsel in Neusäß. Ulrich Englaender und Hildegard Langenecker, zwei langjährige Stadträte, haben aufgehört. Die SPD schickt für die Bürgermeisterwahl mit Susanne Höhnle eine Kandidatin ins Rennen, die wie Hannemann noch nicht im Stadtrat ist. Zentrale Themen der SPD sind bezahlbares Wohnen, verbesserter Nahverkehr und die Interessen der Senioren.

Die Grünen haben einen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt, der schon lange im Stadtrat ist: der Chemiker Michael Frey. Die Grünen wollen vor allem gegen „Flächenfraß“ und für Artenschutz arbeiten. Sie haben daher auch gegen den Flächennutzungsplan gestimmt, da er ihrer Ansicht nach „über das benötigte Maß hinaus Flächen im Außenbereich für Bebauung“ freigibt.

Mehr als 22.000 Einwohner dürfen über den Chefposten entscheiden

Bei der CSU haben sich 14 von 15 Stadträten wieder auf die Liste zur Wahl stellen lassen. Bürgerdialoge hat die CSU zu Themen angeboten, die ihr wichtig erscheinen: dem Sport in der Stadt, dem Zusammenleben der Generationen oder der „Gesundheitsstadt“. Diese neue „Marke der Stadt“ biete sich aufgrund der Nähe zur Uniklinik geradezu an, so Greiner.

Als Gesundheitsstadt will sich Neusäß durch die Nähe zur Uniklinik etablieren.
Bild: Universitätsklinikum Augsburg, Ulrich Wirth

Der Bürgermeister hatte bei seiner ersten Kandidatur 61 Prozent der Stimmen bekommen. Die Wähler in der drittgrößten Stadt des Landkreises mit 22400 Einwohnern haben jetzt das Wort, ob sie ihm weiter das Vertrauen geben oder sich einen der anderen drei Kandidaten ans Ruder wünschen.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Wahl in Neusäß: Neue Unbekannte im Spiel

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