1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Nordendorf und Biesles wurden von Feinden zu Freunden

Nordendorf

02.09.2019

Nordendorf und Biesles wurden von Feinden zu Freunden

Copy%20of%20Kirche_in_Biesles(1).tif
2 Bilder
Die Saint-Pierre-Saint-Paul, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde, steht im Zentrum der Gemeinde. 
Bild: Estelle Oelgrey

Die Verbindung zwischen Biesles und Nordendorf reicht bis 1940 zurück. Nicht weit von der französischen Gemeinde befindet sich ein historischer Landsitz.

Die Verbindung zwischen den heutigen Partnergemeinden Biesles und Nordendorf ist eine außergewöhnliche. Sie zeigt, wie facettenreich sich die Beziehungen zwischen Franzosen und Deutschen im letzten Jahrhundert gestaltet haben.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Im Jahr 1940, Hitler hatte den Frankreichfeldzug abgeschlossen, kamen 14 französische Kriegsgefangene in die schwäbische Gemeinde Nordendorf. Diese sollten als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft dienen. Drei der 14 Kriegsgefangenen, unter ihnen Pierre Bourcelot, stammten aus Biesles und sollten nun auf dem Hof von Ludwig Fuchsberger arbeiten. Die erste Zeit war von gegenseitigem Misstrauen geprägt, nach der Arbeit hatten sich die Gefangenen bei der Kegelbahn beim „Guggenberger“, der heutigen Gaststätte Miller, einzufinden. Dort wurden sie überwacht. Über die Jahre hinweg entspannte sich das Verhältnis jedoch. Man saß sonntags zusammen, trank, musizierte und versuchte miteinander zu kommunizieren. „Sie haben dann gute Erfahrungen miteinander gemacht“, berichtet Estelle Oelgrey, die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Biesles-Nordendorf. Zwanzig Jahre nach Kriegsende sei einer der ehemaligen Kriegsgefangenen wieder nach Nordendorf zurückgekehrt, erzählt Oelgrey. Es war Pierre Bourcelot, der seiner Familie zeigen wollte, wo er als Gefangener den Krieg durchgestanden hatte. In den darauffolgenden Jahren habe es einige wechselseitige Besuche gegeben, dabei seien Freundschaften zwischen den Gemeinden entstanden, so Oelgrey.

Partnerschaftsvertrag seit 1973

Am 15. Juli 1973 war es dann soweit, die zwei Bürgermeister der Gemeinden, Daniel Conversat und Anton Frey, unterzeichneten den Partnerschaftsvertrag. Biesles Bürgermeister Conversat habe in Deutschland studiert und die Sprache beherrscht, das habe die Sache leichter gemacht, fügt Oelgrey hinzu. Da Biesles sehr klein ist (2016 waren es 1356 Einwohner), gebe es dort kaum Sehenswürdigkeiten, erzählt Oelgrey. Nennenswert sei zumindest die Kirche Saint-Pierre-Saint-Paul, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Sie steht im Zentrum der Gemeinde. Die Umgebung sei hingegen sehr interessant. Knapp 40 Kilometer entfernt befindet sich das „Mémorial Charles de Gaulle“. Hier liegt unter anderem „La Boisserie“, der Landsitz des ehemaligen französischen Präsidenten. Das Besondere daran sei, erklärt Oelgrey, dass de Gaulle den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer dorthin eingeladen habe. Er sei der einzige Staatsmann gewesen, der de Gaulle auf dessen Landsitz besuchen durfte. Heute kann man das Haus besichtigen, außerdem besteht mittlerweile eine Museumsstätte, die Angela Merkel und der ehemalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy 2008 eingeweiht haben. Sehenswert seien auch die beiden Städte in der Nähe von Biesles, Chaumont und Langres, so Oelgrey. In Chaumont gebe es unter anderem ein beeindruckendes Viadukt aus dem 19. Jahrhundert. Alle zwei Jahre gebe es die offiziellen, wechselseitigen Besuche zwischen den Gemeinden.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Immer wieder gibt es Autauschprogramme

Letztes Jahr seien dreißig Personen aus Nordendorf in Biesles zu Gast gewesen. „Wir wohnen immer bei den selben Familien“, sagt Oelgrey. Man habe freundschaftliche Beziehungen zueinander aufgebaut. Daneben haben die jeweiligen Musik- und Tennisvereine regen Kontakt untereinander. Sie selbst sei 2004 das erste Mal nach Biesles mitgefahren, erzählt Oelgrey. Im darauffolgenden Jahr habe sie sogar ein Schuljahr dort verbracht. Vor ein paar Jahren habe eine Lehramtsstudentin für Französisch ebenfalls an einer Schule in der Nachbargemeinde von Biesles gearbeitet, so Oelgrey.

Die Interessensgemeinschaft Biesles-Nordendorf ist immer auf der Suche nach Gastfamilien. Mehr Infos dazu unter Telefon 08273/8378.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren