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Alarm im Landkreis Augsburg

07.03.2018

Not in der Pflege: Kein Geld, kein Personal, mehr Patienten

Aus Personalmangel droht sogar der Abbau von Pflegeplätzen. Dabei werden mehr benötigt.
Bild: Symbolbild Alexander Kaya

Im Augsburger Land wird der Bedarf an Pflegeplätzen sprunghaft steigen. Wie er gedeckt werden soll, ist unklar

In den kommenden zwei Jahrzehnten wird die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen im Landkreis um mehrere Tausend zunehmen. Doch die Pflegeeinrichtungen sind dafür nur unzureichend gerüstet. Sie haben vielmehr mit einem zunehmenden Mangel an Personal zu kämpfen. So lautet die Zusammenfassung einer Diskussion am Montag im Sozialbeirat des Landkreises, als es um den zukünftigen Bedarf an Pflege ging.

Harte Arbeit für wenig Geld: Die Situation der Beschäftigten in der Pflege war auch eines der großen Themen bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin. Dort wurde beschlossen, 8000 zusätzliche Stellen im Pflegebereich zu schaffen – bundesweit. Vorort löst diese Ankündigung nur ein müdes Lächeln aus. „Weniger als ein Tropfen auf einen siedend heißen Stein“ sei das, findet Vize-Landrat Heinz Liebert (CSU). Landrats-Stellvertreterin Sabine Grünwald (SPD) sagt: „Ich bin von der Politik enttäuscht.“

Im Augsburger Land wird nach einer Prognose der am Landratsamt angesiedelten Fachstelle für Seniorenfragen der Bedarf an Pflegeleistungen um mehr als 50 Prozent zunehmen. Hintergrund ist die starke Zunahme betagter Menschen. Die Zahl der über 85-Jährigen soll sich in dem kommenden 20 Jahren auf mehr als 11000 verdoppeln. Das entspricht in etwa der heutigen Einwohnerschaft Meitingens.

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Einhergehend mit der steigenden Anzahl von Alten soll laut Prognosen der Pflegebedarf steigen. So soll die Zahl dementer Menschen, die mehr oder weniger ständig betreut werden müssen, von 3500 auf 5600 Menschen steigen. Dabei seien die Pflegeplätze für an Demenz Erkrankte schon jetzt unzureichend vorhanden, so Theresa Haunstetter von der Fachstelle für Seniorenfragen. „Wir stehen vor einem riesigen Problem“, konstatierte die SPD-Kommunalpolitikerin Grünwald.

Die CSU-Landtagsabgeordnete und Kreisrätin Carolina Trautner sprach von einer „Mammutaufgabe“, die sich nicht nur darin erschöpfen werde, ausreichend Pflegeplätze in Heimen zu schaffen. Gefragt sei die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Angehörige, die alte Menschen pflegen, bräuchten mehr Unterstützung und einmal eine Atempause. „Das macht einen sonst kaputt.“ Die Grünen-Kreisrätin Annemarie Probst pflichtete ihr bei. „Wir brauchen mehr Plätze in der Kurzzeitpflege.“

Doch die Einrichtungen im Landkreis tun sich derzeit schwer, ihre Angebote auszuweiten. Im Gegenteil: Heime müssten eher abbauen, so Andreas Claus von der Caritas und verwies auf Vorschriften, Personal- und Finanzknappheit.

Einzelne Pflegeheime im Landkreis bezahlen jetzt bereits „Kopfprämien“ von mehreren Tausend Euro für Fachkräfte. Die Folgen des Wettbewerbs ums Personal beschreibt Pfarrer Fritz Graßmann vom Diakonischen Werk so: „Wir kriegen keine Leute mehr. Im Gegenteil: Sie werden uns abgeworben.“ Mit der künftigen Uniklinik in Augsburg werde sich dieser Wettbewerb noch verschärfen. In das System Altenpflege müsse mehr Geld gesteckt werden.

Eine Gehaltserhöhung von 30 Prozent, über die immer wieder diskutiert wird, hielte auch Herbert Ederer für angemessen. Doch den Preis dafür müssten letztendlich die Patienten und ihre Angehörigen bezahlen, warnte der Vertreter der Pflegedienste im Sozialbeirat. Denn die Pflegekassen würden den Ausgabesprung nicht übernehmen.

Wenn die Rente für die Kosten der Pflege aber nicht reicht, zahlen der Bezirk und über dessen Umlagesystem letzten Endes die Bürger in den Städten und Gemeinden. Das werde in vielen Fällen eintreten, schätzt Vize-Landrat Heinz Liebert.

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