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Stadtbergen

11.01.2019

Notfalldose im Kühlschrank rettete Seniorin bei Schlaganfall

Eine Notfalldose steht neben Lebensmitteln in einer Kühlschranktür. Immer mehr Menschen haben zu Hause einen Notfall- und Impfpass, Medikamentenplan, eine Patientenverfügung und vieles mehr. Ein Stadtberger berichtet von seinen Erfahrungen.
Bild: Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Mithilfe der Notfalldose kommt der Arzt rechtzeitig an die wichtigen Patientendaten und kann schnell und richtig behandeln.

Die Notfalldose des Stadtberger Ehepaars steht noch gar nicht so lange im Kühlschrank, direkt neben der Milch in einem Fach in der Türe. Erst vor sechs Monaten hatte der 79-jährige Ehemann, der nur anonym von seiner Geschichte berichten möchte, das Behältnis angeschafft. Darin enthalten sind die wichtigsten Gesundheitsdaten der Hausbewohner wie Vorerkrankungen, Medikamentenplan und Notfalldaten. Alle Haushalte, die eine solche Dose besitzen, bewahren sie im Kühlschrank auf. Denn so muss der Rettungsdienst nicht erst lange nach den Patientendaten suchen und findet schnell die wichtigsten Informationen.

Der Arzt bekam die notwendigen Patientendaten aus der Notfalldose

Mittlerweile ist das Stadtberger Ehepaar froh, dass es eine solche Notfalldose mit den wichtigsten Daten hat. Denn sie half den Senioren in einer angespannten Situation im November.

An einem Freitagabend vor einigen Wochen bemerkte der 79-Jährige, dass seine Ehefrau sich seltsam benahm. Die 74-Jährige zog sich an ihren Computer zurück, um eine E-Mail zu schreiben. Nachdem sie nach längerer Zeit nicht zurückkam, ging er nachsehen, ob alles in Ordnung war. Der 79-Jährige erzählt: „Meine Frau war seltsam, sie hat mir gar nicht gefallen. Und als ich mir ihre E-Mail durchgelesen habe, ist mir aufgefallen, dass vieles falsch und völlig durcheinander war.“ Der Senior erkannte, dass der Name der Empfängerin, die E-Mail-Adresse und sogar einige Sätze keinen Sinn ergaben. „Das war völliger Käse. Doch sie erkannte das einfach nicht. Ich habe sie gefragt, ob es ihr gut geht, ob sie vielleicht Kopfweh oder Probleme mit dem Kreislauf hat. Doch sie sagte, es ist alles okay.“

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Doch der 79-Jährige machte sich weiter Sorgen. „Meine Frau wirkte ganz apathisch. Deshalb habe ich sie ins Wohnzimmer gebracht und den Notarzt gerufen.“

Auch neben der Haustüre befindet sich ein Aufkleber, der auf die Notfalldose hinweist

Nach wenigen Minuten trafen Sanitäter vom Roten Kreuz und ein Notarzt ein. „Ich hatte den Verdacht, es könnte ein Schlaganfall sein. Das habe ich auch schon erzählt, als ich den Notruf abgesetzt habe.“

Die 74-Jährige wurde sofort untersucht, auch der Notarzt teilte die Vermutung, dass die Seniorin einen Schlaganfall haben könnte. Der Arzt fragte den Ehemann der Betroffenen, welche Medikamente sie regelmäßig einnimmt. „Ich habe sofort die Notfalldose geholt und ihm mitgegeben. Das hat mir sehr geholfen, es war ja doch eine sehr angespannte und aufwühlende Situation. Ich hatte Angst, ich könnte etwas Wichtiges vergessen.“

Auch wenn der 79-Jährige an diesem Tag nicht zu Hause gewesen wäre, ist er heute im Nachhinein beruhigt. „Denn gleich neben der Haustüre und auf dem Kühlschrank befinden sich Aufkleber. Der Rettungskräfte hätten auch ohne mich an die notwendigen Informationen gelangen können.“

Notfalldose sei das Beste, was es im Moment gibt, sagt der Betroffene

Weil der Arzt so schnell die notwendigen Informationen bekommen hatte, konnte er die Betroffene unmittelbar ins Krankenhaus bringen und sie untersuchen lassen. „Das war ein Glücksfall. Denn meine Frau hatte anschließend eine Gehirnblutung. Sie konnte gleich richtig behandelt werden und sie hat heute keine bleibenden Schäden davongetragen.“

Nach diesem Erlebnis hält der Senior die Notfalldose weiterhin für sehr sinnvoll. „Sie nimmt nicht viel Platz weg und ist im Notfall leicht zu finden.“ Natürlich könne er auch kritische Stimmen nachvollziehen, die beklagen, dass die Daten in der Dose oftmals gar nicht aktuell seien. „Natürlich wäre eine Gesundheitskarte ideal, wenn die Ärzte darauf alle aktuellen Patienteninformationen speichern könnten. Aber das funktioniert eben noch nicht. Die Notfalldose ist das Beste, was wir im Moment haben.“

Trotzdem will sich der 79-Jährige weiter erkundigen, welche zusätzlichen Möglichkeiten es gibt. „Ich habe zum Beispiel von einer Notfall-App gehört. Die kann man sich runterladen und wenn etwas unterwegs passiert, kann der Rettungsdienst die Daten auf dem Handy anschauen und braucht nicht mal das Passwort, um auf die Daten zugreifen zu können.“ Aber er weiß auch: „Viele der älteren Bevölkerung besitzen ja gar kein Handy, auch wenn ein Smartphone für Notfälle unterwegs sehr nützlich ist.“

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