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Oberschönenfeld

18.04.2015

Nur im Modell gibt’s eine kleine perfekte Welt

Die Staudenbahn bei Fischach hat Modellbauer Thomas Krüger jahrelang beschäftigt. Herausgekommen ist ein fünf Quadratmeter großes Modell mit allen Details einer Herbstlandschaft aus den 1950er- oder 1960er-Jahren.

Thomas Krüger hat die Staudenbahn bei Fischach nachgebaut. Bei ihm stimmt jedes Detail.

Sie ist ein echter Eyecatcher. Wer die Ausstellung „Höchste Eisenbahn! Mobilität für alle?“ im Volkskundemuseum Oberschönenfeld besucht, wird zwangsläufig auch auf eine raumgreifende Modellanlage stoßen, die die Staudenbahntrasse im Bereich Fischach im Maßstab 1:87 wiedergibt. Ihr Erschaffer Thomas Krüger aus Oberrohr hat sie bereits auf einigen Modellbahnausstellungen gezeigt und nun in Oberschönenfeld für die Besucher aufgebaut.

Sie nimmt rund fünf Quadratmeter Fläche ein, auf der sich etwa 20 Meter Gleis, sechs Weichen und zehn Gebäude, dazu etwa 120 Bäume, verteilen. Erstellt wurde sie in Modulbauweise in Verbindung mit dem Kitba-shing-Verfahren. „Dieses Verfahren beruht darauf, aus mehreren Bausätzen eigene Gebäude zu formen“, erläutert Krüger. So entstehen dann quasi Unikate wie jene aus dem Staudenbahnbereich. „Ich habe mich beim Bau der Anlage auf die Fünfziger- und Sechzigerjahre fokussiert“, so der 53-Jährige, dessen Leidenschaft für den Modellbau mit einem entsprechenden Weihnachtsgeschenk entfacht wurde, als er neun war.

Die Staudenbahn hat er gewählt, weil er zum einen durch sein vormaliges Wohnen in Gessertshausen eine private Affinität dazu entwickelt hat, zum anderen fand er „den Bahnhof Fischach deswegen interessant, weil er noch Verladerampen und Verladestraßen hatte“, erklärt der Hobbybastler. Die Staudenbahn selbst entstamme im Fachjargon der Eisenbahninteressierten der „Epoche 3“, also der Zeit vom Ende der Reichsbahn ab den späten Vierzigerjahren bis 1968.

Am Anfang seines Unterfangens stand die Bildrecherche. Es wurden viele Bücher gewälzt, alte Gleispläne studiert, Fotos von Privatpersonen aus der späteren Nachkriegszeit aufgestöbert. Er selbst konnte auf kein Privatarchiv zurückgreifen, denn der gebürtige Westfale kam erst in den Achtzigerjahren nach Schwaben. Das Staudenbahnmodell begann der heute in Oberrohr lebende Eisenbahnfan bereits Anfang der Neunzigerjahre. Es wuchs stetig weiter – so, wie es sein Kellerraum zuließ. Schließlich wurde das Ganze auch Teil einer größeren Anlage, die ein Eisenbahnfreund von ihm baute. Wer sich Zeit nimmt für das Modell, entdeckt erstaunlich viele kleine Details, die für Krüger in sich alle stimmig sein müssen. So gibt es beispielsweise in seinem in eine Herbstlandschaft eingebetteten Modell verschieden hoch geschnittenes Gras, natürlich alles von ihm selbst zurechtgestutzt. „Ich bin nun mal sehr landwirtschaftsaffin“, begründet er seine akribische Arbeit. Die kleine Szene beim Holzsägen gefiel ihm anfangs gar nicht. „Irgendetwas fehlte“, erinnert er sich. Schließlich verfiel er auf die Idee, in einer alten Kaffeemühle vom Flohmarkt kleine Birkenholzstücke zu zerkleinern und so das passende „Sägemehl“ herzustellen, das beim Holzsägen einfach herumliegen muss. Nun ist die Szene perfekt.

Auch die Figuren wurden nicht einfach nur aufgeklebt, sondern stehen alle in einem Dialog zueinander. Da gibt es einen Postboten, der bereits erwartet wird, eine ratschende Mutter mit einem Kind an der Hand, das aber lieber zu einer Kuh laufen möchte oder auch Birnbäume, die durch eine angelehnte Leiter und umher liegende leere Säcke zeigen, dass sie auf ihr baldiges Abernten warten. Das Bohnenstangengerüst wiederum ist bereits leer. „Oft habe ich Einzelsegmente fotografiert und mir dann am Computer angeschaut, ob mir die Szenen wirklich gefallen“, so Krüger. Einer seiner Söhne habe ihm auch die Kühe „auf allgäuerisch“ umlackiert, schmunzelt der sonst in der Lebensmittelbranche tätige Produktentwickler. Die Schienenfahrzeuge hat er alle mit einer Betriebspatina versehen.

Was nach der Oberschönenfelder Zeit mit seinem Modell passiert, ist noch unklar. Die Ära 1:87 hat Krüger definitiv beendet und sich nun der Spur Null zugewendet, mit der er demnächst den Bahnhof Thannhausen umsetzen möchte. „Vielleicht ringe ich mich sogar zu einem Verkauf der Anlage durch, denn nun gibt es doch beträchtlich Platz im Keller“, mutmaßt der Bastler.

Die Ausstellung „Höchste Eisenbahn! Mobilität für alle?“ in Oberschönenfeld ist bis 18. Oktober jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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