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17.05.2016

O là là, da grüßt das schöne Frankreich

Waschen ihre Hände in Unschuld: Lenglumé und Mistingue.
Bild: Michael Daum

Markstoi Die Tramödians begeistern mit der „Affäre Rue de Lourcine“ nicht nur mit schauspielerischem Können

Dinkelscherben Ganz still ist es in der evangelischen Phillip-Melanchthon-Kirche. Gleißendes Licht ergießt sich von oben auf ein zerwühltes Bett, daneben ein Tischchen mit einer Blumenvase und einer Zeitung. Davor ein Haufen zerknüllte Kleider und Schuhe. Aus der Bettdecke ragt etwas, das man in einer Kirche sonst eher selten sieht: ein echtes, nacktes Männerbein. Nein, Sie haben weder schlecht geträumt noch zu viel getrunken. Es hat Sie lediglich in eine Aufführung der Tramödians verschlagen.

Vorhang auf für die Tramödians! Das Bein da auf der Bühne gehört übrigens einem, der letzte Nacht wirklich zu viel getrunken hat. Sein Name: Lenglumé. Seine Kleider: total verdreckt. Sein Pech: Er kann sich an überhaupt nichts mehr erinnern. Zu dumm aber auch. Nach dem Wecken – seine Bedienstete Justine hat ihn leider aus dem Bett geholt – erwacht Lenglumé in etwas, das sich immer mehr als sein absoluter persönlicher Albtraum herausstellt. Nicht etwa, weil ihn ein saudummes Schädelweh plagt. Nicht, weil Justine und seine Ehefrau ihn mit ihren schrillen Sprüchen nerven. Nicht, weil sich herausstellt, dass er sein Bett mit einer unbekannten, noch immer schlafenden Person unbekannten Geschlechts geteilt hat. Oh, es kommt alles immer noch viel schlimmer.

Die zweite Person im Bett, ein bärtiger Fettkloß mit roter Nase, versoffen und verdreckt wie er, entpuppt sich als ehemaliger Schulfreund Mistingue, mit dem Lenglumé die letzte Nacht wohl durchgezecht hat. Zahlreiche Indizien und ein Zeitungsartikel über den Mord an einer Kohlenträgerin lassen nur einen Schluss zu: Die beiden haben letzte Nacht eben diesen Mord verübt. Das urkomische Spektakel nimmt seinen Lauf …

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Die Schauspielertruppe aus Boffi Freundlinger, Elisa Spatz, Johannes Spatz, Christine Völk, Lorenz Wiedemann brachte mit ihrer rundum gelungenen Interpretation dieser 1857 in Paris uraufgeführten Boulevardkomödie das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zum Lachen. Für Musik sorgten, neben Akkordeon und akustischer Bassgitarre, die Darsteller selbst. Ihre witzigen Gesangseinlagen bedienten sich dafür einiger gut bekannter französischer Melodien. Die köstliche Darstellung der beiden Figuren Lenglumé und Mistingue ließ zur Freude der Zuschauer immer wieder Erinnerungen an komische Duos vom Schlage Laurel/Hardy oder Don Camillo/Peppone aufblitzen. Der geschmackvoll dekorierte Szenenaufbau, die dezente Kleidung nur in Schwarz und Weiß, die gute Lichtführung: Sie alle lieferten dem Publikum nebenbei auch noch anmutige Bilder für’s Auge, die einen an so manch meisterhaftes Gemälde Eduard Manets erinnerten. O là là, da grüßt das schöne Frankreich.

Werner Deininger von der evangelischen Kirchengemeinde war nach der gelungenen Vorstellung zufrieden: „Wir freuen uns, wenn so viele Menschen zu uns in die Kirche kommen. Wir wollen diese Aktivitäten gerne weiter fortsetzen“.

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