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10.10.2009

Offene Seitenscheibe mit Knöllchen geahndet

Gersthofen Astrid Lassen hat den 23. September zunächst als schönen, sonnigen Tag in Erinnerung. Zunächst, denn heute denkt sie mit einer Mischung aus Ärger und Unverständnis zurück an diesen Mittwoch: Die Gersthoferin wollte die Mittagspause nutzen, um im Freien in einem italienischen Eiscafé in der Augsburger Straße Energie für den Nachmittag zu tanken. Gegen 13.15 Uhr kehrte sie zu ihrem rund zehn Meter geparkten Wagen zurück. Völlig überrascht reagierte sie, als sie ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer bemerkte.

"Ich gehe oft in das Café und weiß, wo man dort parken darf und wo nicht." Die Verwunderung wich jedoch schnell Erstaunen und Ärger. Auf dem Zettel stand schwarz auf weiß, dass sie 15 Euro berappen solle, weil die Fenster ihres Wagens nicht geschlossen waren. "Ich hatte sie um rund vier bis fünf Zentimeter heruntergelassen, damit sich der Wagen nicht so aufheizt."

Nicht gegen "unbefugte Nutzung" gesichert

Dennoch wertete eine Mitarbeiterin der städtischen Verkehrsüberwachung den Versuch, die Luft im Auto etwas zirkulieren zu lassen, als Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung. Genauer gesagt gegen §14, der besagt, dass das Fahrzeug beim Verlassen des Wagens "gegen unbefugte Benutzung zu sichern" ist. Und eben dies, so die Logik, ist bei geöffneten Fenstern nicht gewährleistet. "Ich bin mir sicher, dass über 90 Prozent der Bürger diese Bestimmung gar nicht kennen", erklärt Astrid Lassen dazu. Auch wenn sie wisse, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, halte sie diese Auslegung für völlig unverhältnismäßig. "Da hat man doch den Eindruck, dass es nur darum geht, die Stadtkasse zu füllen."

Offene Seitenscheibe mit Knöllchen geahndet

Genau dies bestreitet Bürgermeister Jürgen Schantin, der auf Anfrage jedoch ebenfalls Zweifel äußerte, ob die "rechtlich nicht zu beanstandende" Verwarnung angemessen sei. Er versprach im Gespräch mit den Mitarbeitern dafür zu sorgen, dass die Kräfte der Verkehrsüberwachung sich "in Zukunft darauf konzentrieren, mit den Knöllchen rücksichtslose Falschparker in die Schranken zu weisen und sich nicht auf solchen Nebenkriegsschauplätzen zu verzetteln".

Eine Anweisung, möglichst viele Verwarnungen auszusprechen, habe es nie gegeben, versichert der Rathauschef. So kann sich Astrid Lassen damit trösten, dass Schantin dafür sorgen will, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen. Zahlen muss sie voraussichtlich dennoch. Denn der Bürgermeister betonte gestern, dass er "den Mitarbeiterinnen nicht in den Rücken fallen" werde. Schließlich arbeite die von der Stadt Gersthofen und der Gemeinde Meitingen per Zweckverband geregelte Verkehrsüberwachung sehr gut.

Autofahrerin ist sich keiner Schuld bewusst

Astrid Lassen hat indes den der Verwarnung beigefügten Berichtsbogen ausgefüllt, um die Sachlage aus ihrer Sicht zu schildern. Denn: "Es geht mir nicht um die 15 Euro, sondern darum, dass ich mir keiner Schuld bewusst bin."

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