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Asyl

09.12.2015

Oft sind es die kleinen Dinge des Lebens

Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht: Eine erfahrene Helferin gibt in Welden Tipps

„Willkommenskultur heißt in erster Linie, sich auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge einzustellen und sie zu respektieren“, sagte Margot Laun vom Verein „Tür an Tür – miteinander wohnen und leben“ beim jüngsten Treffen der Flüchtlingshelfer in Welden. Viele Asylbewerber hätten einen Kulturschock und bräuchten eine Ansprechperson. Für Asylsuchende sei zunächst die Sprache sehr wichtig, denn je schneller jemand Deutsch lerne, umso leichter falle das Einleben in eine ungewohnte Umgebung.

Jeder Helfer müsse sich am Anfang im Klaren darüber sein, wie viel Zeit er investieren kann und will, erklärte Laun. Ein Sprachunterricht bestehe nicht nur aus der Unterrichtszeit selbst, sondern beinhalte eine Vor- und Nachbetreuung. Absprachen und Treffen mit anderen Helfern müssten ebenfalls berücksichtigt werden. So kann aus zwei Wochenstunden Sprachunterricht schnell ein Aufwand von fünf oder mehr Stunden entstehen. Laun machte auch auf mögliche Konflikte aufmerksam. „Vielleicht gefällt es dem Nachbarn nicht, dass Sie sich für Asylsuchende einsetzen.“ Oft sind es nur kleine Fragen, über die man sich im Vorfeld keine Gedanken gemacht hat: Wie flexibel bin ich? Wie lange möchte ich mich engagieren? Will ich allein aktiv sein oder in einer Gruppe? Bin ich bereit, meine Handynummer herauszugeben? Sie im Vorfeld zu klären, sei wichtig. Denn schnell würden sich die Helfer zu viele Aufgaben und Verpflichtungen aufbürden. Die Folge: Sie sind dann überfordert. „Daher“, so Laun, „ist es ganz wichtig, den Flüchtlingen zu verstehen zu geben, dass man auch noch andere Verpflichtungen hat.“ Für die sind in der Regel ein Dach über dem Kopf und Sicherheit wichtig. Doch Langeweile bestimme ihren Alltag. Sie wollen zwar etwas tun, aber sie können und dürfen nicht. Deshalb sollen Strukturen in den Tagesablauf gebracht werden. Sport stehe neben Sprache an erster Stelle. Auch Fahrradfahren, um beweglich zu sein, sollte eingebaut werden. „Wie schaut’s mit den Verkehrsregeln aus?“, wollte ein Besucher wissen. „Es kann ganz schön gefährlich werden, wenn jemand mit dem Fahrrad in eine Einbahnstraße fährt. Also sollten wir ihnen die wichtigsten Regeln und Verkehrsschilder erklären“, sagte Laun.

Ein Thema beschäftigt die Flüchtlinge vor allem: ihr Asylverfahren und die rechtliche Situation. Die ungewisse Zukunft hängt wie ein Damoklesschwert über ihnen. Und das Leben hier besteht aus Warten. Deshalb der Appell von Margot Laun: „Binden Sie die Flüchtlinge in ihre Gemeinde ein, damit sie ein Teil davon werden. In Bobingen beispielsweise haben sie beim Budenaufbau für den Weihnachtsmarkt mitgeholfen.“

Es gibt kein Patentrezept für den Umgang mit Asylsuchenden, denn jeder Mensch ist anders. Offenheit ist ganz wichtig. „Wir als Deutsche sind sachbezogen. Asylsuchende hingegen sind personenorientiert“, erklärte Margot Laun. „Sprechen Sie die Menschen an, wenn sie beispielsweise zum Deutschunterricht zu spät kommen.“

Hände weg von juristischen Dingen, riet Laun, „denn jedes Engagement hat fachliche Grenzen.“ Asylsuchende wollen häufig mit einem Anwalt sprechen, da es in ihren Herkunftsländern keine Beratungsstellen gibt und sie diese als solche auch nicht kennen. Als moralische Unterstützung seien Ehrenamtliche willkommen, alles andere würde aber ihre Kompetenz und Zuständigkeit übersteigen. Der Kontakt zu Behörden falle deshalb klar in die Zuständigkeit der hauptamtlichen Asylberater. (kräm)

Die nächste Informationsveranstaltung findet am 10. Dezember um 19 Uhr im Markttreff Welden statt. Themen sind der Ablauf des Asylverfahrens, die verfahrens- und sozialrechtliche Situation der Asylsuchenden und die Flüchtlingskrise allgemein. Johann Meier nimmt noch Fahrräder entgegen unter Telefon 0171/1718129.

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