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Konzert

18.11.2014

Operetten-Swing mit Idealbesetzung

Beliebte Arien, Wiener Schmäh und flotte Ballettdamen und -herren brachte die Nacht der Operette auf die Bühne der Stadthalle Gersthofen. Hier spielt und singt der junge Tenor Richard Neugebauer in einer Szene aus der Operette „Gräfin Mariza“.
Bild: Andreas Lode

Bejubelte Tourneeproduktion vereint die bekanntesten Arien in Gersthofen

Die „Nacht der Operette“ in der Stadthalle Gersthofen überraschte. Statt der – wie so oft üblichen – losen, durch bemühte Moderation zusammengeflickten Nummernfolge, statt steifer Auf- und Abtritte der Solisten in Frack und Abendrobe gab es eine dramaturgisch gestraffte Bündelung von (teils gekürzten) Best-ofs aus acht Operetten. Die meisten davon erklangen in beswingten Arrangements, außerdem Einzelhöhepunkte wie Offenbachs „Barcarole“, der „Cancan“, „Wiener Blut“, dazu ein elfköpfiges, engagiertes Ensemble aus Sängern und Tänzern, passende Kostüme und eine schwungvolle Choreografie.

Vor allem im ersten Part mit den Operetten des 20. Jahrhunderts – „Maske in Blau“, „Im Weißen Rössl“, „Das Land des Lächelns“ oder „Gräfin Mariza“ – wurden die Grenzen zwischen Fox und Swing durchlässig, der schöne Sigismund mit flottem Charleston unterfüttert. Trotz des dichten Spielplans musizierte auch das Orchester mit Lust und Laune, selten in blasse Umtata-Begleitung abgleitend: Mit nur 17 Musikern, darunter E-Bass, Keyboards und Schlagwerk, erreichte Piotr Oleksiak einen farbigen, ausreichend üppigen Orchestersound, hatte Solisten und Klangkörper fest im Griff.

Der souveräne Dirigent war zusätzlich der Arrangeur und zusammen mit Jochen Sautter (Idee, Regie, Choreograf) Kreativteam des gelungenen Projekts „Nacht der Operette“. Mochten manchmal aktionistische Leerläufe in den Tanzfolgen aufkommen, der Gesang nicht immer mühelos klingen, mochten gerade in den Männerstimmen manchmal Defizite auftauchen: Das Konzept der Produktion bestach mit Witz, Intelligenz, Kreativität und Engagement, die Truppe schien Spaß an Spiel und Musik zu haben – und das noch in der 14. Vorstellung. Bariton Nils Schwarzenberg war dem Publikum bereits als Operndirektor im „Phantom der Oper“ bekannt und bezwang wieder mit Charme, Spielwitz, Kantilenen. Ihm zur Seite waren der junge Tenor Richard Neugebauer und sein reiferer Kollege Robert Schwartz. Sieglinde Zehetbauer war mit ihrem lyrischen Sopran als Rosalinde und Wirtin im „Weißen Rössl“ ideal besetzt, Julia Domke ebenso etwa als Adele (Mein Herr Marquis) im ausnehmend kurzen Dienstmädchenrock. Überhaupt wurden an diesem Abend auch die Augen bedient, mit synästhetisch und thematisch passenden Projektionen, mit bunten Kostümen und langen Beinen wie im stilecht getanzten Höllen-Cancan – und mit stilisierten Roben für den Vogelhändler und Zigeunerbaron, die als wadenfreie Version Haute-Couture-tauglich schienen. Diese „Nacht der Operette“ begeisterte auch das Gersthofer Publikum.

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