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Gersthofen

16.01.2019

Opfer im Koma: Lastwagen erfasst Mann

Oft können Lastwagenfahrer nicht sehen, dass sich rechts neben ihrem Fahrzeug Radfahrer oder Fußgänger bewegen, weil diese sich im toten Winkel des Rückspiegels befinden.
Bild: Christian Kruppe (Archivfoto)

Ein Sattelzug überrollt im Gersthofer Industriepark einen 18-Jährigen. Der überlebt schwer verletzt. Fast ein Jahr liegt er in Kliniken.

Konnte der Lastwagenfahrer den Fußgänger sehen oder nicht? Das ist die Kernfrage in einem Prozess, der Dienstag am Amtsgericht Augsburg begonnen hat. Angeklagt ist ein 25-jähriger Berufskraftfahrer. Ihm wird vorgeworfen, im Dezember 2017 im Industriepark Gersthofen einen Fußgänger übersehen und überrollt zu haben. Der damals 18-jähriger Arbeiter wurde lebensgefährlich verletzt.

Die Verletzungen waren so erheblich, dass das Opfer sofort in ein künstliches Koma versetzt werden musste

Der abbiegende Sattelzug hatte den jungen Mann, der gerade eine Fahrbahn überquerte, am Rücken erfasst. Der 18-Jährige hatte offenbar keine Chance zu reagieren – er geriet unter die Räder, wurde mehrere Meter mitgeschleift, ehe er sich unter der zweiten Achse verkeilte und der Fahrer stoppte. Die Folge waren viele komplexe Brüche und ein Schädel-Hirn-Trauma.

Die Verletzungen waren so erheblich, dass der junge Mann sofort in ein künstliches Koma versetzt werden musste. Fast ein Jahr lang war er zur Behandlung in verschiedenen Kliniken. In die Reha müsse er noch immer, berichtete Anwältin Alexandra Gutmeyr, die den 18-Jährigen in der Nebenklage vertritt. Die Erinnerungen an den tragischen Verkehrsunfall und die Folgen konnte der junge Mann gestern allerdings nicht schildern: Die Verhandlung wurde ausgesetzt.

Eine Analyse soll zeigen, wie viel der Lastwagenfahrer wirklich gesehen haben soll

Rechtsanwalt Martin Koppe, der Verteidiger des 25-jährigen Berufskraftfahrers, hatte einen Befangenheitsantrag gestellt: Er warf Richter Thomas Müller-Froelich vor, in dem Fall voreingenommen zu sein. Der Grund: Der Amtsrichter hatte ein zweites Gutachten als Beweisantrag abgelehnt. Koppe hatte es in Auftrag gegebene. Müller-Froelichs Begründung: Es gebe keinen Hinweis, dass es Widersprüche gibt.

Martin Koppe, der sich auf die Vertretung von Transportunternehmen und Fahrer von Lastzügen spezialisiert hat, hält die Ermittlungen für nicht ausreichend. Das Gericht sei aber von Amtswegen verpflichtet, den Sachverhalt lückenlos aufzuklären.

Das erste Gutachten, das sich unter anderem auf eine Auswertung von Videoaufnahmen vom Unfall auf dem Gelände stützt, sei laut Koppe nicht ausreichend. Anhand von 84 Bildern werde geschlussfolgert, dass der Kraftfahrer den Fußgänger gesehen haben muss. Koppe hält dagegen: „Die Sicht aus einem Lkw ist eingeschränkt.“ Deshalb sei eine sogenannte Sichtfeldbestimmung zwingend erforderlich. Sie analysiert, was und wann der Fahrer etwas gesehen haben kann.

Das Geschehen wurde für die Untersuchung sogar nachgestellt

Das detaillierte mehrseitige Gutachten, das Rechtsanwalt Koppe in der Verhandlung vorlas, nimmt mit Lageplan, Luftaufnahmen, Standbildern der Überwachungskamera und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft den Unfall präzise auseinander. Das Geschehen wurde für die Untersuchung sogar nachgestellt, um die relevanten Sichtfelder bei der Körpergröße und der Augenhöhe des Fahrers nachzuempfinden. In die Analyse einbezogen wurden auch die Geschwindigkeiten von Sattelzug und Fußgänger, um dann in Sekundenbruchteilen den Ablauf des schweren Unfalls rekonstruieren zu können. Laut Koppe wird so herausgearbeitet, dass der Fußgänger in den letzten Augenblicken nicht zu erkennen war.

Über den Befangenheitsantrag muss jetzt ein anderer Richter entscheiden. Je nach Entscheidung wird die Verhandlung wieder aufgenommen.

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