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Infoveranstaltung

08.03.2013

Organspende: Auch die Bürger sind gefordert

Florian Sommer

Nach den Spendenskandalen ist das Vertrauen gesunken. Experten beantworten in Langweid Fragen

Langweid „Mündige Bürger entscheiden selbst.“ Mit diesen Worten fordert Dr. Florian Sommer vom Transplantationszentrum am Klinikum Augsburg zum Ausfüllen eines Organspendeausweises auf. Man könne nicht nur den Willen zur Organspende, sondern auch den Widerspruch gegen die Entnahme von Organen oder Gewebe nach dem Tod festlegen.

Diese Entscheidung sollte nicht auf die Angehörigen abgewälzt werden, die beim Verlust eines nahestehenden Menschen ohnehin in einer schwierigen Situation sind, unterstrich auch die Gesundheitspolitikerin und Ärztin Sabine Dittmar (MdL) im Rahmen einer Informationsveranstaltung der SPD-Ortsgruppe Langweid im Pfarrheim St. Vitus.

Der Einladung zum Thema „Organspende – Fluch oder Segen. Wie krank ist die Organspende?“ waren gut 40 Interessierte gefolgt.

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Nach dem Skandal gibt es großen Handlungsbedarf

Der Organspendeskandal sei ein Skandal um die nicht vorschriftsmäßige Vergabe von Organen gewesen, nicht um die Organspende selbst, die jährlich über 100000 Menschen in Deutschland das Leben rette, betonten Dittmar und Sommer unisono.

Nicht nur bei der Aufklärung der Bürger, sondern auch bei der gesetzlich vorgeschriebenen Meldung potenzieller Spender durch die Krankenhäuser besteht Handlungsbedarf, findet Ärztin Dittmar. Über 40 Prozent der Kliniken würden diesem Auftrag aber nicht nachkommen.

Auf die Publikumsfrage, warum diese Verstöße gegen geltende Vorschriften toleriert würden, wies Dittmar auf bestehende personelle Engpässe aber auch finanzielle Interessen der Kliniken hin. „Wir müssen die Kliniken unterstützen, aber auch Konsequenzen ziehen, wenn keine Verbesserung der Situation eintritt,“ so Dittmar.

Die Frage nach dem tatsächlichen Todeszeitpunkt

„Alle Beteiligten müssen ihre Hausaufgaben machen,“ ist für Florian Sommer die Voraussetzung eines effektiven Systems. „Wenn alles funktioniert wie es soll, werden die möglichen Spender auch identifiziert.“

Die Frage nach dem tatsächlichen Zeitpunkt des Todes beschäftigte einen anderen Diskussionsteilnehmer. „Ist der Hirntod auch der tatsächliche Todeszeitpunkt?“ hinterfragte er das Vorgehen bei der Organentnahme.

„Nur wenn der Hirntod festgestellt wird, kann über eine Organspende gesprochen werden,“ definierte Sommer. Es handle sich um den nicht umkehrbaren Ausfall aller Gehirnareale. „Das Individuum ist damit erloschen“, erklärte der Experte, obwohl bis zur möglichen Entnahme von Organen der Kreislauf meist maschinell aufrechterhalten wird, um eine Schädigung der Organe zu vermeiden. Als Zeitpunkt des Todes werde der Herztod nach dem Abschalten der Maschinen, die den Kreislauf nach dem Hirntod aufrechterhalten, registriert. „Wie viele Organe können gespendet werden?“, interessierte eine weitere Besucherin. Grundsätzlich alle gesunden Organe, für die es passende Empfänger gebe, erläuterte Sommer. Anhand eines Punktesystems sei die Vergabe gerecht geregelt.

Auf die Frage, ob sie denn selbst ihren Organspendeausweis jederzeit bei sich habe, zückte Dittmar nicht nur ihren Ausweis, sondern auch gleich einige Blankoformulare für Interessierte. „Jeden Tag sterben drei Menschen in Deutschland, weil für sie kein Organ gefunden werden konnte“, gab sie den Besuchern als Denkanstoß mit auf den Nachhauseweg. Ausweise lägen in vielen Apotheken und Arztpraxen bereit. (sdk)

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