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Emersacker

30.08.2016

Pater Stephen verabschiedet sich

Pater Stephen Kuttiamkanath aus Indien wurde am Sonntagabend herzlich verabschiedet.
Bild: Günter Stauch

Der indische Pfarrer leidet an einer unheilbaren Krankheit. In Emersacker bedankt sich die Pfarreiengemeinschaft bei ihm mit einem bewegenden Fest.

Wenn man sich den Schmerz mit vielen anderen teilen kann, dann ist dieser zwar noch nicht beseitigt, aber leichter zu ertragen. Nach dieser Devise kam die Pfarreiengemeinschaft Emersacker, Heretsried und Lauterbrunn nur wegen eines Mannes zusammen: Pfarrer Stephen Kuttiamkonath. Die korrekte Aussprache des englischen Vornamens von dem 50 Jahre alten Pater gab meist Rätsel auf. Die Gläubigen vom Holzwinkel lösten das auf ihre Weise und sprachen bei der offiziellen Verabschiedung ihres Pfarrers einfach nur von „unserem Stefan“. Den würdigen Rahmen dazu boten neben der prächtigen und voll besetzten Martinskirche zahlreiche kirchliche und weltliche Ehrengäste sowie ein ideales Sommerwetter.

Doch auch nach dem feierlichen Dankgottesdienst hielt sich beim anschließenden Stehempfang im Pfarrgarten die Festlaune in Grenzen, zumal „der Stefan“ ein allseits geachteter Geistlicher war und die Trennung von dem Mann aus dem südindischen Bundesstaat Kerala sicht- und hörbar wehtat. „So einen liebenswürdigen Menschen, so einen tollen Seelsorger haben wir noch nie kennenlernen können“, sagten Heretsrieds Kirchenpfleger Günter Joachim und Gattin Monika und gaben so einen kleinen Vorgeschmack auf die zahlreichen Lobeshymnen, die Prodekan Thomas Pfefferer mit seiner Predigt einläutete. So drehte sich dieser immer wieder zu „dir, Stefan“ herum, um dessen besondere Eigenschaften wie etwa „die in unserer Gesellschaft immer seltener vorkommende Bescheidenheit“ hervorzuheben. Pfefferer erinnerte auch an dessen Einführung im Oktober 2013, als „wir spürten, dass da ein außergewöhnlicher, freundlicher Priester zu uns kam, der uns versteht.“

Auf die unheilbare Krankheit des Seelsorgers anspielend, wollte der Prodekan seinen großen Respekt dafür zollen, dass dieser dennoch seinen seelsorgerischen Dienst stets erfüllt habe: „Wir Priester müssen das Wort Gottes verkünden, und da ist es nicht hoch genug zu honorieren, dass du trotz der Schwierigkeiten nie resigniert hast und mit Optimismus deinen Aufgaben nachgekommen bist.“ Diesem unermüdlichen Durchhaltewillen von Stephen Kuttiamkonath sprachen viele ihre Bewunderung aus. Die Kirchenpflegerin von Lauterbrunn, Monika Nowak, würdigte den Umgang des Inders mit seinem Schicksal, über das er sich nie beklagt habe und dennoch zu den „unmöglichsten Zeiten stets für uns erreichbar“ gewesen sei. „Daher hoffen wir auf ein kleines Wunder für Sie.“

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Der Bürgermeister von Emersacker, Michael Müller, machte im Pfarrgarten, den die Musikkapelle des Orts musikalisch verzauberte, deutlich: „Du bist für uns ein Vorbild, das Kraft und Mut zugleich gibt.“ Er bezeichnete den Pater als „hervorragenden Seelsorger und wertvolles Gemeindemitglied, vor dem wir uns verneigen.“ Sein Kollege Heinrich Jäckle aus Heretsried berichtete von der ersten Begegnung und den „strahlenden Augen eines Menschen aus einem Kulturkreis, von dem wir nur lernen können.“ Schmunzelnd fügte er hinzu: „Bitte entschuldige, dass wir Holzwinkel-Eingeborenen anfangs mit unserem tiefen Dialekt vielleicht Probleme bereitet haben.“

Sprachbarrieren gab es wohl am wenigsten im Umgang mit jungen Gläubigen, denn laut Kirchenpfleger Siegfried Karner war der Inder, der im September in seine Heimat zurückkehren wird, besonders bei der Jugend sehr beliebt. Dies wurde bei der Zusammensetzung der Kirchgänger deutlich, zudem zog ein kleines Ministrantenheer von Buben und Mädchen zum Gottesdienst ein. Im festlich geschmückten Altarraum waren auch Mitbrüder vom Prämonstratenser-Orden sowie Bistumspräses Alois Zeller versammelt. Mittendrin die Hauptperson des Abends, „unser Stefan“. Der Geistliche, der wegen des Anlasses sichtlich angespannt war, dennoch immer wieder sein einnehmendes Lächeln aufblitzen ließ, bedankte sich für das freundliche Miteinander und die Zeit im Holzwinkel, die er niemals vergessen werde. Abschied zu nehmen gehöre nun mal zum Leben dazu. Und er schloss: „Möge die Straße uns zusammenführen.“ Den Titel dieses irischen Segenslieds bot der Kirchenchor von Emersacker in Gänsehautmanier dar. Der Heimkehrende spürte in diesem Moment wohl, dass er mit seinem Schmerz nicht allein war.

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