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Landkreis Augsburg

17.01.2020

Pendler im Augsburger Land sollen aufs Fahrrad umsteigen

„Das habe ich in der Form nicht erwartet.“Zwischen Kühlenthal und Blankenburg gibt es bereits einen Radweg neben der Straße. In den nächsten Jahren will der Landkreis Augsburg das Netz ausbauen, um noch mehr Menschen für den Umstieg aufs Fahrrad zu gewinnen. 
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Um verstopfte Straßen zu entlasten, bastelt der Landkreis an einem neuen Verkehrskonzept. Dieses setzt auch darauf, dass die Menschen sich mehr abstrampeln.

Neue und bessere Radwege: Damit will der Landkreis Augsburg bis Mitte des kommenden Jahrzehnts spürbar mehr Menschen dazu bewegen, aufs Fahrrad umzusatteln. Der Anteil des Radverkehrs soll auf ein knappes Viertel (23 Prozent) am gesamten Verkehrsaufkommen steigen.

Nach einer repräsentativen Befragung von mehr als 10.000 Haushalten im vergangenen Sommer ist das Auto die uneingeschränkte Nummer eins unter den Verkehrsmitteln. In ihm werden 60 Prozent aller Wege zurückgelegt. 85 Prozent der Bevölkerung sind täglich unterwegs und machen dabei ordentlich Strecke: mehr als 40 Kilometer pro Kopf.

18 Prozent nutzen im Augsburger Land das Rad

Der öffentliche Nahverkehr wird dabei lediglich für acht Prozent der Wege benutzt und ist hinter den Fußgängern (13 Prozent) Schlusslicht. Auf Platz zwei rangieren die Radler mit 18 Prozent – das ist im bayernweiten Vergleich ein Spitzenwert für Landkreis und kommt in die Nähe der Werte der Großstadt Augsburg (wir berichteten)

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Den vergleichsweise hohen Radleranteil kommentierten Kreispolitiker bei der Vorstellung der Untersuchung im Umweltausschuss zwar erfreut, aber auch leicht ungläubig. „Das habe ich in der Form nicht erwartet“, sagte Landrat Martin Sailer. Gabriele Olbrich-Krakowitzer (ÖDP) wartete mit einem praktischen Beispiel auf: „Vor den Supermärkten auf dem Land sind die Radelständer leer und die Parkplätze voll.“

Der Weg in die Städte ist oft mit Hindernissen gepflastert

Erklärtes Ziel der Landkreispolitik ist, den Fahrradverkehr weiter zu fördern – wobei den Grünen die Zielmarke von 23 Prozent nicht ehrgeizig genug ist. Ein wesentlicher Ansatzpunkt scheint der Ausbau des Fahrradwegnetzes im Kreis zu sein, das nach einer Untersuchung eines Ingenieurbüros deutliche Lücken aufweist. Während Freizeit-Radler auf dem Weg ins Grüne gute Bedingungen vorfinden, ist der Weg in die Städte, wo sich die meisten Arbeitsplätze befinden, oft gepflastert mit Hindernissen und Gefahren. Hier müsse man ansetzen, so Otto Völk: „Die 23 Prozent sind erreichbar.“

So will der Landkreis im Frühjahr damit beginnen, so genannte Hauptnetzrouten zu entwickeln. Neben dem teilweisen Ausbau des WeldenRadweges (wir berichteten bereits) sind sechs weitere Routen vorgesehen, auf denen bestehende Radwege verbessert und verbunden werden sollen, damit man auf ihnen besser vorankommt.

Eine Querverbindung steht auf dem Wunschzettel

Beabsichtigt sind bessere Fahrradverbindungen nach Augsburg von Schwabmünchen, Nordendorf, Gessertshausen. Dinkelscherben sowie dem Lechfeld aus. Außerdem steht noch eine Querverbindung zwischen Königsbrunn und Mering auf dem Wunschzettel. Diese Routen entsprechen im Wesentlichen den großen Pendlerströmen im Landkreis.

Allerdings wurden in den vergangenen Jahren im Kreis vergleichsweise wenig Radwege verwirklicht. Hauptgrund ist der schwierige Grunderwerb. Markus Brem (Freie Wähler) sieht die Schuld dafür bei der öffentlichen Hand. Diese müsse marktgerechte Preise anbieten und dürfe nicht nur Ackerlandpreise bieten.

Peter Bergmeir (SPD) kritisierte die Förderpolitik des Freistaates. Dieser gebe nur Geld für Radwege entlang von Straßen und löse so die Grundstücksproblematik mit aus. München solle auch den Radwegebau auf bestehenden Feld- und Wirtschaftswegen fördern. Der Weldener Bürgermeister plädierte dafür, den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen. „Dort haben wir das größte Potenzial.“

Zwei Drittel der Einwohner steigen nie in die Öffentlichen ein

Momentan fahren nach den Ergebnissen der repräsentativen Erhebung Bus und Bahn am Großteil der Landkreisbevölkerung vorbei. Zwei Drittel der Einwohner steigen nie in die Öffentlichen ein. Diese sind vor allem für Schüler und Pendler nach Augsburg und München interessant. Ein besseres ÖPNV-Angebot könne auch den Radverkehr als Zubringer zu Bus und Bahn stärken, sagt der Autor der Erhebung, Julian Scheer: „Ich brauche einen guten Öffentlichen Nahverkehr als Rückgrat, damit auf das Auto verzichtet werden kann.“ Scheer kritisierte das derzeitige Tarifsystem für Bus und Bahn in der Region. Dieses setze zu sehr auf Dauerkunden und schrecke Gelegenheitsnutzer ab.

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar von Christoph Frey: Radeln liegt im Trend

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