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Landkreis Augsburg

17.05.2020

Peta will Kleintiermarkt in Meitingen wegen Pandemie-Gefahr verbieten lassen

Seit mehr als 60 Jahren ist der Meitinger Kleintiermarkt ein fester Bestandteil im monatlichen Veranstaltungskalender in der Marktgemeinde. Nun will die Tierschutzorganisation Peta seine dauerhafte Schließung durchsetzen.
Bild: Peter Heider

Plus Die Tierrechtsorganisation Peta will verhindern, dass der Kleintiermarkt in Meitingen erneut öffnet. An der Stichhaltigkeit der Vorwürfe gibt es Zweifel. 

Carsten Lange aus Horgau hält etwa 20 Hühner und anderes Geflügel in seinem Garten. Er lässt die Tiere frei laufen: „Bei guten Menschen laufen sie nicht weg“, sagt er und lacht. Er hält die Vögel als Hobby und verdient sein Geld mit Forellenzucht. Die Vögel würden sich im Umkreis von etwa 300 Metern um seinen Stall aufhalten, ohne dass man einen Käfig bräuchte. Er müsse seine Tiere einmal im Quartal impfen. Wenn er das unterlässt, drohen ihm bis zu 10.000 Euro Strafe. Denn Freizeitzüchter wie Lange haben ein gefährliches Hobby – das zumindest behauptet die Tierrechtsorganisation People for the Ethical Treatment of Animals (Peta).

Peta sieht Gefahr für neue Pandemie durch Kleintiermarkt in Meitingen

Sie hat den Meitinger Bürgermeister Michael Higl ( CSU) aufgefordert, den Kleintiermarkt in seiner Gemeinde zu verbieten. „Der Kleintiermarkt in Meitingen birgt das Risiko für eine neue Pandemie“, teilen die Tierrechtler mit. Außerdem würden die Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht und schlecht gehalten. Durch den Kontakt von Mensch und Tier könnten sich neue Krankheiten bilden.

In der Fachwelt nennt man solche Krankheiten Zoonosen. Die meisten Wissenschaftler glauben etwa, dass das Corona-Virus SARS-CoV-2 von Tieren stammt, hier gelten laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fledermäuse als Quelle. Ein Verbot des Kleintiermarktes wegen der Zoonosen-Gefahr hält der Tierarzt Oliver Dietrich aus Neusäß nicht für zielführend: „Menschen und Tiere leben seit Jahrtausenden zusammen. Zoonosen sind da ein unvermeidbares Risiko“, sagt der Kleintierexperte. So oder so sei das Risiko nicht besonders hoch. „Dass man jetzt nur wegen Corona so einen Hype um Zoonosen macht, ist vollkommen übertrieben“, sagt der Veterinärmediziner.

Peta will Kleintiermarkt in Meitingen wegen Pandemie-Gefahr verbieten lassen
Ein Verbot des Kleintiermarktes wegen der Zoonosen-Gefahr hält der Tierarzt Oliver Dietrich aus Neusäß nicht für zielführend.
Bild: Karin Tautz

In der Massentierhaltung sei die Gefahr für Zoonosen viel größer als auf Kleintiermärkten, weil es dort mehr Tiere gebe als bei privaten Züchtern. Es gebe, abgesehen von Zoonosen, bestimmte Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragbar seien, aber die seien meldepflichtig. Erkrankte oder nicht geimpfte Tiere dürften überhaupt nicht verkauft werden, betont Dietrich.

Für Kontrollen ist der jeweilige Marktbetreiber zuständig

Der Kleintiermarkt in Meitingen verlangt zum Beispiel von jedem Verkäufer eine tierärztliche Untersuchung und einen lückenlosen Impfbescheid. Laut Landratsamt kam es auf dem Kleintiermarkt nur zu vereinzelten Verstößen gegen die Regeln, keine davon im Bezug auf die tierärztliche Untersuchung. Für Kontrollen sei der jeweilige Marktbetreiber zuständig. Diese würden ergänzt durch stichprobenartige Kontrollen des Veterinäramts. Bis 31. August sind die einmal im Monat statt findenden Märkte in Meitingen wegen Corona ohnehin abgesagt. Die genauen Verhältnisse in Meitingen scheinen für die Tierrechtsorganisation aus Stuttgart aber nicht so wichtig.

Peta („Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen“) fährt derzeit eine Kampagne gegen Kleintiermärkte. Auf ihrer Website hat die Organisation Dutzende gleichlautende Pressemitteilungen, in denen das Verbot von Kleintiermärkten in ganz Deutschland gefordert wird. Sie unterscheiden sich nur durch die Namen der jeweiligen Orte und Bürgermeister.

Kleintiermärkte sind Hobby-Züchtern wichtig

Für Mathäus Bauernfeind vom Kleintierzüchterverein Schwabmünchen ist so ein Verbot absurd: „Die Märkte sind unheimlich wichtig für hobbymäßige Züchter“, sagt er. Diese würden dort Jungtiere loswerden, für die sie keinen Platz hätten. Wenn es die Märkte nicht gäbe, müsste man die Tiere schlachten. Sonst riskiere man, sie nicht artgerecht halten zu können. Bauernfeind hält selbst sogenannte Augsburger Hühner. Diese Rasse wird in der industriellen Landwirtschaft nicht mehr gehalten, weil sie weder auf möglichst viele Eier, noch auf möglichst viel Fleisch gezüchtet sind. Er hält es für selbstverständlich, sich gut um seine Tiere zu kümmern: „Das ist für mich das Gleiche, wie wenn ich einen Hund hätte“, sagt er.

Für Mathäus Bauernfeind vom Kleintierzüchterverein Schwabmünchen ist so ein Verbot absurd.
Bild: Uwe Bolten

Otto Zimmermann verkauft unter anderem Geflügel auf seinem Hofladen am Stadtrand von Augsburg: „Ich gehe seit meiner Jugend auf den Kleintiermarkt in Meitingen“, sagt er. Es mache überhaupt keinen Sinn, die Tiere zu quälen: „Man sieht denen das an. Und wenn sie ein schlecht aussehendes Tier haben, können Sie das gar nicht verkaufen“, sagt er.

Auch Kaninchen werden auf den Märkten angeboten

Aber nicht allein Geflügel wird auf Kleintiermärkten verkauft. Auch Kaninchen werden dort angeboten: Ludwig Frey aus Fischach züchtet etwa Deutsche Riesen. Er hält etwa 30 Tiere, reist quer durch die Republik und besucht Kaninchenmessen. Besonders attraktive Rammler kauft er ein und lässt sie sich mit seinen Tieren fortpflanzen. Die für die Zucht nicht geeigneten Nachkommen verkauft er auf Kleintiermärkten. Wenn es keine Kleintiermärkte gäbe, wüsste er nicht, wohin mit den Tieren. Tiere, die er verkaufen könnte, müsse er schlachten: „Und das würde Peta dann auch wieder nicht passen“, sagt Frey.

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