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Diedorf

11.07.2015

Pfarrei protestiert gegen Arbeitsverbot für zwei Senegalesen

Modou Cisse (links) und Oumar Ba im von den Flüchtlingen angelegten Garten in Diedorf.
Bild: Rebecca Stegmann

Diedorfer setzen sich für zwei Asylbewerber aus dem Senegal ein, die laut Gesetz nicht arbeiten dürfen. Schon über 1000 Unterstützer haben eine Petition der Pfarrei unterschrieben.

„Griaß di“, sagt Modou Cisse zur Begrüßung. Er ist Senegalese, lebt seit über einem Jahr in Diedorf. Im April hat er eine Stelle im Bauhof angetreten. Sein Landsmann Oumar Ba hat einen Kurs zum Altenpflegehelfer gemacht und hätte Anfang Juni im Diedorfer Haus Vinzenz anfangen können. Jetzt sitzen sie zusammen mit Pfarrer Hans Fischer und der pastoralen Mitarbeiterin Elisabeth Wiedemann an einem Tisch im Pfarramt der Herz-MariäKirche. Sie sprechen über die Online-Petition, die sie vor ein paar Tagen gestartet haben. Der Grund: Nach einem neuen Gesetz dürfen senegalesische Asylbewerber in Bayern nicht mehr arbeiten.

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Es läuft ziemlich gut: Im Minutentakt wird online unterschrieben. Hauptsächlich sind es natürlich Menschen aus dem Landkreis aber auch Bürger aus dem ganzen Bundesgebiet haben schon unterzeichnet. Im Moment sind es etwa 1300 Unterstützer, plus die über 200 handschriftlichen Unterschriften, die schon im Gottesdienst gesammelt wurden. 36000 Unterschriften müssen es werden, damit der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags sich mit Cisse und Ba befasst. 55 Tage bleiben noch, um diese Unterschriften zu sammeln.

Neues Gesetz untersagt Asylbewerbern die Arbeit

Die beiden sind kein Einzelfall: Laut den neuen Bestimmungen dürfen Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern, wie zum Beispiel Senegal, Ghana und Bosnien, nicht mehr arbeiten. Damit sollen diesen Flüchtlingen Anreize genommen werden, nach Deutschland zu kommen. Bislang wurde das nur in Bayern umgesetzt. Im Landkreis Augsburg mussten deswegen mehrere Asylbewerber ihre Arbeit aufgeben, sitzen beschäftigungslos in ihren Unterkünften.

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In der Diedorfer Kirchengemeinde will man sich damit nicht so einfach abfinden: „Wir probieren es wenigstens“, sagt Pfarrer Fischer. Cisse müsste sonst zum 22. August seine Stelle im Bauhof aufgeben. Ba hat zurzeit einen Minijob bei der Pfarrei, den er noch bis 1. Dezember haben darf. Mit dem Geld, das er sich so verdient hat, konnte er den Kurs zum Altenpflegehelfer bezahlen. Zwei Frauen aus Diedorf halfen ihm beim Lernen, er bestand im April. Die beiden Flüchtlinge wollen unbedingt weiter arbeiten und sie wollen in Diedorf bleiben. „Hier gibt es viele gute Leute“, sagt Ba. Und: „Ich will mehr lernen und eine Ausbildung zum Altenpfleger machen.“ Im Senegal gebe es für sie keine Zukunft.

Ba ist direkt nach dem Schulabschluss geflüchtet. Im März 2013 beantragte der nun 22-Jährige in München Asyl. Cisse machte im Senegal eine Maurerausbildung. Zwei Jahre lang dauerte es, bis er über Marokko, Spanien und Frankreich von der Polizei unbemerkt in Deutschland angekommen war. Wie sich das angefühlt hat? „Viel, viel glücklich“, erklärt Cisse. Traurig mache ihn nur, dass er seine Familie nicht mehr sieht. „Immer denke ich an meine Mama.“ Zurück in den Senegal – das wollen sich die beiden gar nicht vorstellen. Elisabeth Wiedemann kann nachvollziehen, dass die Flüchtlinge eine Abschiebung verdrängen. „Die Afrikaner verlieren ihre Würde, wenn sie zurückkommen. Sie haben das Gefühl, versagt zu haben.“

Bürgermeister: "Warum seine Zukunft verbauen?"

Im Internet findet die Petition nicht nur Zustimmung. Jemand hat kommentiert: „Warum? Die Aussicht für Asyl liegt bei null!“ Ein anderer Kommentar spielt darauf an, dass Cisse und Ba Wirtschaftsflüchtlinge seien, deswegen solle ihnen kein Asyl gewährt werden. Diedorfs Bürgermeister Peter Högg hatte geholfen, die Vollzeitstelle im Bauhof für Cisse zu schaffen. Er wisse, dass man die Gesetze und Vorschriften umsetzen müsse, aber man solle mehr abwägen. „Ich persönlich bin der Meinung, wenn sich ein Asylbewerber integriert und engagiert, warum sollte man ihm dann seine Zukunft verbauen.“

In zwei Häusern sind die 48 Diedorfer Asylbewerber untergebracht. Auf so engem Raum muss man mit einander klarkommen, erklärt Ba. Auf dem Handy zeigt er stolz eine Aufnahme von der letzten Aufführung der Trommelgruppe. Er hat sich etwas aufgebaut in seinem neuen Zuhause, und er will es nicht mehr aufgeben.

Die Petition findet sich im Internet unter www.openpetition.de, Stichwort „Arbeitsgenehmigung für Oumar Ba und Modou Cisse aus Diedorf“

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