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09.01.2015

Pfarrer springt Muslimen bei

Der Gersthofer Pfarrer Ralf Gössl

Nach dem Attentat von Paris wird auch im Landkreis über das Miteinander der Religionen diskutiert – und ein Geistlicher und ein Döner–Verkäufer sind einer Meinung

Pfarrer Ralf Gössl aus Gersthofen hat sich genau überlegt, was er seiner Gemeinde an diesem Sonntag sagen wird. Der Anschlag auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ lässt ihn nicht mehr los. Der Priester ist schockiert, von dem Terror und der Gewalt. Er warnt aber davor, diesen Ausdruck radikaler und fanatischer Gewalt mit einer ganzen Religionsgemeinschaft gleichzusetzen. „Den Islam und Gewalt in einen Topf zu werfen, ist schlicht unredlich und falsch“, so Gössl. Er ruft die Menschen zu Toleranz, Respekt und Erbarmen auf. Er glaubt, die Begegnung mit Muslimen vor Ort könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Gössl selbst steht in Kontakt mit der muslimischen Gemeinde in Augsburg. So haben sich die Vertreter der unterschiedlichen Glaubensrichtungen in ihren jeweiligen Gotteshäusern besucht, und den Austausch miteinander gesucht. „Eine generelle Schuldzuweisung oder Vorbehalte müssen Toleranz und Respekt weichen, und dies beginnt mit einem gegenseitigen Austausch und Kennenlernen“, erklärt Gössl.

Eine Art von Generalverdacht gegen Muslime besteht bei Teilen der Bevölkerung durchaus. Das sagt Manuela Schnierle, Integrationsbeauftragte in Langweid am Lech. Sie kann aus ihrer Erfahrung heraus teilweise solche Tendenzen bestätigen. Vorkommnisse wie das Massaker in Paris seien belastend für die Integrationsarbeit. Der Terror des IS schüre weiterhin Ängste und generelle Vorbehalte innerhalb der Bevölkerung, und sei damit belastend für die gesellschaftliche Entwicklung insgesamt. Bewegungen wie die Pegida würden diese Vorbehalte ausnutzen, und damit einen gefährlichen Trend befeuern. „Ich selbst habe in meiner gesamten Berufspraxis niemals die Erfahrung gemacht, dass Muslime generell mit Gewalt zu verbinden seien“, stellt die Integrationsbeauftragte heraus. „Stattdessen müssen wir eine Willkommenskultur leben, unabhängig von Nationalität oder Religion“, fordert Schnierle.

Patrick Mrozek, Beauftragter für sprachliche Integration im Landkreis, steht oft in persönlichem Kontakt mit Menschen muslimischen Glaubens. „Unter ihnen gibt es einige, die sich unter einer Art generellem Verdacht sehen, aber bei Weitem nicht alle“, erzählt Mrozek. Seinem Eindruck nach sind die Einheimischen größtenteils schon in der Lage, Muslime nicht generell mit Terror gleichzusetzen, und die Unterscheidung zwischen normalen Menschen und Fanatikern zu treffen.

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Laut Mrozek werden die Integrationsangebote und Sprachkurse von Muslimen im Landkreis gut angenommen. In Bobingen beispielsweise, wo aufgrund der ursprünglichen Gastarbeitermigration eine relative große muslimische Gemeinschaft lebt, würde das gemeinsame Zusammenleben sehr gut gelingen.

Özcan Celep kam in seinem sechsten Lebensjahr aus der Türkei nach Deutschland. Mittlerweile ist er Stadtrat von Gersthofen und besitzt ein gutlaufendes Dönerlokal. In seiner neuen Heimat hat er sich sehr bemüht, Anschluss zu finden, und ist beispielsweise in Vereine eingetreten. Beleidigungen oder Anfeindung musste Celep nicht erfahren. Er glaubt, dass die Bereitschaft, sich den grundlegenden Regeln und Gesetzen unterzuordnen, eine wichtige Voraussetzung für ein friedliches Miteinander ist.

Dazu ist der Stadrat auch gerne bereit: „Die Regeln und Ordnung sind ein wesentlicher Grund, weshalb das Leben in Deutschland so schön ist.“ Eine erfolgreiche Integration aber hänge immer von der einzelnen Person ab. Wenn der Wille, ein wirklicher Teil der Gemeinschaft zu werden, nicht besteht, würden alle Initiativen und Angebote nichts bringen. „Es gibt leider noch viele, die unter sich bleiben möchten, und keine Anbindung suchen. Leider sind es auch nur wenige, die das gesellschaftliche Leben aktiv mitgestalten möchten.“, erklärt Celep.

Der Stadtrat glaubt aber nicht, dass das Blutbad in der französischen Hauptstadt eine größere Anfeindung gegenüber Muslimen im Landkreis Augsburg zur Folge haben wird. „Die Menschen hier sind in der Lage, zu unterscheiden. Sie wissen, dass ein Muslim nicht automatisch ein religiöser Fanatiker ist.“

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