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Biberbach/Landkreis Augsburg

19.12.2019

Pflegemängel in Senioren-WG: So reagiert die Gemeinde Biberbach

Nach mehreren Vorfällen in einer Senioren-WG im Landkreis ist ein Pflegedienst ins Visier der Behörden und der Politik geraten. 
Bild: Angelika Warmuth/dpa (Symbol)

Plus Die Biberbacher Gemeinderäte sind beunruhigt. Denn sie haben dem Pflegedienst ein Haus vermietet, das für schwer Pflegebedürftige nicht geeignet ist.

Die Vorwürfe über die Verhältnisse in einem halben Dutzend Senioren-Wohngemeinschaften im nördlichen Landkreis Augsburg haben in Biberbach für besondere Aufregung gesorgt. Denn die Gemeinde hat ein Haus mit einer Wohngemeinschaft an den Pflegedienst verpachtet, gegen den sich die Vorwürfe richten. Die Geschäftsbeziehung zwischen Kommune und Pflegedienst könnte sogar ausgebaut werden, wenn dieser über dem neuen Dorfladen Verwaltungsräume bezieht und eine Tagespflege eröffnet. Entsprechende Absichten gibt es, ein Mietgesuch des Dienstes liegt vor.

Gegenüber unserer Zeitung kündigte Bürgermeister Wolfgang Jarasch (FW) an, dass er noch „vor Weihnachten“ das Gespräch mit Pflegedienst und Landratsamt suchen wolle. Nachdem die Gemeinde nicht zu einem Runden Tisch eingeladen war, in dem viele Vorwürfe geäußert wurden (wir berichteten), wolle er aus erster Hand erfahren, was in den Häusern los ist. Jarasch: „Ich will beide Seiten hören und mir dann ein Bild machen. Wenn es dort Mängel gibt, dann sind diese abzustellen.“ Nach Informationen unserer Zeitung fand dieser Besuch dann am frühen Donnerstagabend statt. Ergebnisse lagen bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht vor.

Bürgermeister schläft Besichtigungstermin in Senioren-WG vor

Schon vor dem Gemeinderat am Dienstagabend hatte Jarasch gesagt: „Es wird von uns erwartet, dass wir uns darum kümmern“. Es gebe neben den negativen auch Stimmen von Bewohnern, die sich im Haus wohl fühlen. Daher schlug der Bürgermeister vor, einen Besichtigungstermin in der Einrichtung zu vereinbaren.

Franz Bayer (CSU zweifelte am Nutzen einer derartigen Visite: Ohne Fachkenntnisse sei es gar nicht möglich, die Aufenthaltsqualität für Senioren in dem Haus zu beurteilen. Ein angekündigter Besuch sei immer eine Momentaufnahme ohne jede Möglichkeit die Pflegequalität realistisch einzuschätzen, sagte zudem Gabriele Mader (UFB). Bekannt sei der Kommune allerdings gewesen, dass Vereinbarungen, die bei der Vermietung getroffen worden waren, nicht eingehalten wurden. „Den ganzen heißen Sommer lang konnten Bewohner, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, das Haus nicht verlassen“, so Mader.

Pflegerische Mängel bestreitet die Geschäftsführerin des Pflegedienstes

Eine Rampe komme erst jetzt, dabei wäre es möglich gewesen, ein Provisorium anzubringen. Dass es in dem Haus pflegerische Mängel gegeben habe, sei bekannt gewesen, so Sabine Duttler (UFB). „Das muss aufgedeckt werden“, denn „das fällt auf die Gemeinde als Vermieter zurück.“ Grundsätzliche pflegerische Mängel aber bestreitet die Geschäftsführerin des Pflegedienstes.

Weitgehend unstrittig ist dagegen, dass das Gebäude in Biberbach nur bedingt für schwer pflegebedürftige Menschen geeignet ist. „Das ist defintiv kein Pflegeheim“, sagt auch Rathauschef Jarasch. Wer dort leben wolle, müsse schon noch einen „gewissen Fitness-Grad“ aufweisen.

Wie Jarasch gegenüber unserer Zeitung sagte, sei die Entscheidung, das so genannte Schusterhaus an den Pflegedienst zu verpachten, im Gemeinderat relativ unumstritten gewesen. Allerdings belegt ein Schreiben vom Sommer 2017, dass es im Vorfeld deutliche Warnungen gab. In dem Brief einzelner Gemeinderatsmitglieder an ihre Kollegen und den Bürgermeister - das Schreiben liegt unserer Redaktion vor – wird das Gebäude „als absolut ungeeignet für eine Seniorenwohngruppe“ bezeichnet. Kritisiert werden unter anderem enge Treppen und Gänge. Die Bewohner würden „Unwägbarkeiten und Gefahren“ ausgesetzt, die „wir nicht verantworten können“.

Feuerwehr muss Person aus Senioren-WG bergen

Dass es auf den Treppen und Gängen des Hauses eng zugehen kann, zeigen auch zwei Einsätze der Feuerwehr aus Langweid in diesem Jahr. Auf Anforderung des Rettungsdienstes rückte sie mit der 30 Meter langen Drehleiter an, um jeweils die selbe Person aus dem oberen Bereich zu bergen. Laut Kommandant Markus Kopold gehören derartige Einsätze längst zur Routine. Die Wehr müsse häufiger Menschen aus Privathäusern bergen, weil diese nicht oder nur schwer über die Treppen geborgen werden könnte. Insgesamt sechs Mal rückte die Langweider Wehr laut ihrem eigenen Einsatzbericht in diesem Jahr zur Unterstützung des Rettungsdienstes aus.

Wie es nun in Biberbach weiter geht? Jarasch will darüber mit der Geschäftsführung des Pflegedienstes sprechen. Dass seine Frau in der Verwaltung des Dienstes tätig ist, stelle dabei kein Problem dar, betont der Rathauschef: „Ich kann das trennen.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar und folgende Bericht:

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