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Konzert

28.03.2014

Pianist mit Witz und Charme

Joja Wendt hatte bei seinem Konzert in der Stadthalle Gersthofen das Publikum schnell auf seiner Seite.
Bild: Andreas Lode

Joja Wendt ist eine Marke. Das Publikum in Gersthofen gewinnt er schnell

Joja Wendt ist nicht nur Pianist, sondern eine Marke. „Mit 88 Tasten um die Welt – die Reise geht weiter ...“ heißt sein aktuelles Programm, mit dem der gebürtige Hamburger auf Tour geht. Komplettiert wird er von zwei exzellenten, sympathischerweise von ihrem Bandleader selbst gebührend gefeierten Jazz-Routiniers, Thomas Biller am Kontrabass und Christoph Buhse am Schlagzeug, die ihn in bis hin zu Klassikern wie Vivaldis Sommergewitter aus seinen Jahreszeiten und Horowitz’ „Carmen-Fantasie“ wie angegossen begleiten.

Wendt trat in der Stadthalle Gersthofen auf, erwärmte und gewann sein Publikum mit Witz, Interaktionen, mit Charme und sicherlich gern gehörten Komplimenten, begeisterte es mit seiner Kunst, die mehr bot als „nur“ groovende Boogie-Klavierkanonaden. Joja Wendts Show ist ein Varieté rund um die Musik und ihren Interpreten, das sein Können geschickt mehrdimensional in den Mittelpunkt stellt und humorvoll augenzwinkernd feiert. Mit im Gepäck hatte Wendt seinen berühmten beweglichen Flügel, der sich samt Klavierbank theatralisch zur Seite neigte, wenn etwa die verklanglichte Autospur in die Kurve ging.

Die im Jugendalter unternommene, mit historischen Fotos bezeugte Fahrt im alten VW-Bus über die Alpen, die in den Steigungen fast so mühsam vonstattenging wie einst Hannibals Elefantentrip, war eine samt Polizeisirene und Dopplereffekt gekonnt lautmalerisch geschilderte Szene aus Joja Wendts Leben und einer der Höhepunkte des Abends.

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Ein weiterer war die Meeresreise der kleinen Schildkröte, ein poetisches Klangmärchen mit Lichtdesign für Jung und Alt, gekrönt von leuchtender, am Flügeldeckel entlangstreichender Haifischflosse, die zwei polyphone Delfinthemen verscheuchten.

Dazwischen gab Wendt zahlreiche „normale“ Nummern, garniert mit unterhaltsamen biografischen Details wie dem einstigen „Pianisten-Biotop“, bestehend aus der heutigen Boogie-Hautevolee, die Fats Wallers Phrasierungskunst vom Tonbandgerät zu inhalieren versuchte. Erstaunlich ist das Können des Perfektionisten Wendt jedenfalls, der praktisch ausnahmslos und selbst in den größten Flügelschwankungen perfekt spielte, seine Hände und sein virtuoses Spiel mit leichter Zeitverzögerung auf dem Bildschirm projizieren ließ – ebenso ein Eyecatcher wie Wendt leibhaftig.

Publikum hört am liebsten Jazz, Blues und Boogie

Auch die Klassik-Hits beeindruckten, obwohl mit Jazzpiano-Technik und samt Begleitband gespielt, aber am liebsten hörte ihn sein Publikum im Jazz, Blues („Elephant Walk“) und Boogie, in „On The Sunny Side Of The Street“, im Augenschmaus-Stride-Piano-Klassiker „Handful Of Keys“, in der „Regen-Ballade“ in tatsächlich „herrlich depressiver Stimmung“, vom Publikum lautmalerisch händereibend und schnalzend untermalt.

Für bayerisch-schwäbische Verhältnisse war das Publikum zuletzt vor Enthusiasmus regelrecht aus dem Häuschen.

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