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Planungsausschuss

26.02.2015

Pläne der Stadt lösen Proteststurm in der Sonnenstraße aus

Ist der Charakter dieser Häuserzeile schützenswert? Ein Bebauungsplan sollte auch bei An- oder Neubauten die Siedlerhäuschen in der Neusässer Sonnenstraße erhalten. Typisch dafür ist, dass auf das Erdgeschoss gleich ein steiles Dach folgt. Das ist nicht mehr zeitgemäß, finden aber viele Anwohner.
Bild: Andreas Lode

Die Verwaltung und die Stadträte wollen die typischen Siedlerhäuschen erhalten. Die finden viele der Anwohner aber unpraktisch – und sagen das auch

Betretene Gesichter im Neusässer Planungs- und Umweltausschuss quer durch die Fraktionen und bei der Verwaltung: Im Zuge der öffentlichen Auslegung haben die Anwohner der Sonnenstraße den geplanten Bebauungsplan praktisch in der Luft zerrissen. Einige Briefe sind von mehr als einem Dutzend Nachbarn unterschrieben, andere Betroffene haben sich gleich einen Anwalt zu Hilfe geholt. Der Grundtenor: Die Anwohner halten in diesem Bereich einen Bebauungsplan nicht für notwendig. Das Konzept dafür sei zweifelhaft und die Häuser, um die es geht, nämlich die typischen Nachkriegs-Siedlerhäuschen, unpraktisch und kaum barrierefrei ausbaubar. Unter dem Druck dieser Vorhaltungen stellte Bürgermeister Richard Greiner die Frage in den Raum, ob der Bebauungsplan nicht ganz fallengelassen werden sollte. Was war passiert?

Ab den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts konnten Beschäftigte der Deutschen Bundesbahn in der Nähe des Gleisbauwerks Oberhausen Häuschen auf dem eigenen Grundstück errichten. Das typische Schema damals: ein Erdgeschoss, darauf ein steiles Dach. Schrägen schon im ersten Obergeschoss waren üblich. Vor etwa zwei Jahren wollten immer mehr Eigentümer ihre Häuser umbauen oder auf dem Grundstück neu bauen. Um den Charakter der Siedlung zu erhalten, erließ die Stadt deshalb vor einem Jahr eine Veränderungssperre; ein Bebauungsplan sollte aufgestellt werden.

Mit dem möglichen Ergebnis waren die Verwaltung und die Stadträte zufrieden. Nicht aber die Anwohner. Schon im vergangenen Sommer sei doch aus dem Grundtenor auf einer Informationsveranstaltung vor Ort klar gewesen, wo der Schuh drückte: Man wolle vor allem die Möglichkeit, ein voll nutzbares Obergeschoss zu bauen. Das ist vor allem mit flacheren Dachneigungen, etwa den aktuell modernen „Toskana-Häusern“ möglich.

Genau die sind aber Stadtbaumeister Dietmar Krenz ein Dorn im Auge. „Man kann doch an den Ortsrändern vieler anderer Kommunen im Landkreis Augsburg sehen, wohin es führt, wenn es keinen Bebauungsplan gibt“, sagte er auf der Sitzung. Er sei schwer enttäuscht über die Entwicklung. „In Mitteleuropa wohnen so viele Menschen in Steildachhäusern, ich verstehe nicht, dass das jetzt nicht mehr gut sein soll.“ CSU-Stadtrat Jörg Roehring sprach sich hingegen für einen moderateren Weg aus: „Wir machen die Planung ja für die Bürger, nicht gegen sie.“ So argumentierte auch Ulrich Engländer (SPD): „Wir sollten hier den Konflikt mit den Bürgern nicht zu weit treiben.“ Sämtliche Vorgaben des Bebauungsplans werden nun noch einmal überprüft.

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