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Ustersbach

22.05.2019

Preisgekröntes Wohnen im historischen Ambiente

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Bezirksheimatpfleger Peter Fassl wertet die denkmalpflegerische Sanierung des 300 Jahre alten Gebäudes als „fast beispielhaft“.
Bild: Marcus Merk

Dominikus Schnitzer gelingt mit der Sanierung des ehemaligen Pfarrhofs in Ustersbach Überzeugendes. Dies zahlt sich nun auch in barer Münze aus.

Das ehemalige Pfarrhaus an der Hauptstraße ist ein schwäbisches Kulturgut. Deutlich zeichnet es sich durch die Sichtbarmachung der historischen Strukturen aus. Bezirksheimatpfleger Peter Fassl wertet die denkmalpflegerische Sanierung des 300 Jahre alten Gebäudes dementsprechend auch als „fast beispielhaft“. Für das Engagement, das Eigentümer Dominikus Schnitzer bei der Sanierung unter Beweis gestellt hat, aber auch für das überzeugende Resultat, zeichnet ihn der Bezirk Schwaben am Donnerstag, 23. Mai, mit dem Denkmalsonderpreis in Höhe von 7500 Euro aus.

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Dabei steckt hinter dem Sanierungsprojekt eine kleine Philosophie. Dominikus Schnitzers Anliegen war, das Haus in der Ortsmitte von Ustersbach mit vertretbaren finanziellen und baulichen Mitteln auf Vordermann zu bringen. „Ich versuchte, Bestehendes zu erhalten und mit wenig Aufwand instand zu setzen“, erzählt er unserer Zeitung. Einfach wegreißen kam für ihn nicht in Betracht. „Mir gefallen alte Häuser“, gesteht der 53-Jährige, der in Augsburg lebt und aus dem Allgäu stammt.

Die Basis seiner Firma ist eine über 100-jährige handwerkliche Tradition

Hinzu kommt, dass Schnitzer denkmalerfahren ist. Er ist Geschäftsführer eines in vierter Familiengeneration geführten Stuckgeschäftes. Die Basis seiner Firma ist eine über 100-jährige handwerkliche Tradition, angetrieben von Anspruch und Leidenschaft. Faktoren, die auch er vertritt. Dominikus Schnitzer absolvierte eine Stuckateurlehre und studierte anschließend Architektur mit Schwerpunkt Denkmalpflege und Baugeschichte.

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Schon kurz nach dem Erwerb fasste er den Gedanken für eine rohstoffschonende wirtschaftliche Sanierung, die auch in Zukunft wenig Einsatz von Energie und Bauunterhalt erfordere. Den wenigsten Menschen sei bekannt, dass eine solche Sanierungsmaßnahme auch preisgünstig möglich sei und dennoch ein gutes und wirtschaftliches Einfamilienhaus entstehen könne, betont Schnitzer. Dafür seien nur Zurückhaltung, Augenmaß und Kompromisse notwendig.

Errichtet wurde das Gebäude 1714 vom Zimmerer Fortunat Gruber aus Bobingen

Errichtet wurde das jetzt preisgekrönte Gebäude 1714 von dem Zimmerer Fortunat Gruber aus Bobingen und war in seiner Ausführung als zweistöckiger Massivbau mit Satteldach, Kehlbalkendachstuhl sowie fünf Fensterachsen an der Traufe und vier auf der Giebelseite typisch für unsere schwäbische Heimat. Bis 1963 wurde das Pfarrhaus als solches genutzt.

Nach dem Pfarrhaus-Neubau direkt an der Kirche St. Fridolin diente es anschließend noch als Pfarrheim mit Wohnung. Seit 2008 stand es leer. Weder die Kirchenstiftung noch die politischen Gemeinde hatten für das vernachlässigte und heruntergekommene Gebäude eine Verwendung. 2011 wurde es von Schnitzer erworben. Was dann Ende 2016 mit dem Beginn der Renovierungsarbeiten kam, glich einem Kraftakt.

Auch die Wandgestaltung kommt wieder zur Geltung

„Die Betonböden im Erdgeschoss und im Keller wurden entfernt und durch einen neuen Bodenaufbau ersetzt“, sagt Bezirksheimatpfleger Peter Fassl. „Die Segmentbögen der Fenster wurden wieder hergestellt, der Terrazzoboden ergänzt, Solnhofer Platten und breite Lärchenholzdielen verlegt.“ Auch die Wandgestaltung mit Schablonenmalerei sei wieder zur Geltung gekommen.

Dem Eigentümer in die Karten spielte zudem die Erfahrung seines Architekten Matthias Paul aus Großaitingen. Dessen Haus wurde selbst schon mit dem Denkmalpreis des Bezirks Schwaben ausgezeichnet. Herausgekommen ist so ein Einfamilienhaus mit 180 Quadratmeter Wohnfläche und einer einfach zu bedienenden Haustechnik und zum Teil gebrauchten und wieder verwendeten Baustoffen. Der Bezirksheimatpfleger spricht anerkennend von einer „überzeugenden Sparsamkeit“.

Die Sanierung dauerte bis Mitte 2017. Die Bauaufwendungen schlugen mit rund 200.000, die Außenanlage mit 25.000 Euro zu Buche. Die Eigenleistungen betrugen circa 60.000 Euro.

An eine örtliche Familie vermietet

Dominikus Schnitzer freut sich, dass er mit dieser Sanierung einem Flächenverbrauch entgegengewirkt habe. Zudem habe er mit der Vermietung an eine örtliche Familie gegen die Vereinnahmung von Mietprojekten durch reiche Münchner ein Zeichen gesetzt, ergänzt der Bauherr und Eigentümer.

Gleichzeitig gesteht er, dass ohne die Unterstützung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das Landratsamt sowie dem Zuspruch der Gemeinde, dem örtlichen Kirchenpfleger und den Nachbarn das Projekt nicht so zufriedenstellend abgeschlossen hätte werden können.

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