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Ustersbach

29.06.2019

Primiz: So war das früher

Zum Empfang von Neupriester Edmund Gleich wurde in seinem Heimatort Ustersbach ein Triumphbogen errichtet.
Bild: Repro: Annemarie Wiedemann

Als die jungen Priester noch kleine Bräutchen hatten und durch einen Triumphbogen kamen. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Zeitzeugen aus Mödishofen und Ustersbach erinnern sich.

Die bevorstehende Priesterweihe und Primiz von Dominik Loy weckt in seinem Heimatort Mödishofen und in der Pfarrgemeinde Usterbach Erinnerungen an die Ereignisse vor 53 und 56 Jahren: Auch damals kamen Priester aus den beiden Orten.

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Primizen wurden bis ins 20. Jahrhundert mit der gesamten Pfarrgemeinde ähnlich wie Hochzeiten mit kleinen Bräutchen gefeiert. Die Mädchen in weißen Kleidern – oft auch mit Brautschleier – trugen vor dem Primizianten eine Krone oder einen Kelch. Der Erstlingssegen des Neugeweihten habe in hohen Ehren gestanden, erläutert Pfarrer Ralf Putz im Pfarrbrief. Der Volksmund sagt: „Für ihn lohne es sich, ein Paar Schuhe durchzulaufen.“ Apropos laufen: Einige Gemeinden errichteten „Triumphbogen“, durch die der Neupriester in den Ort oder die Kirche einzog. In Ustersbach durchschritt Edmund Gleich den Bogen.

Zeitzeugen aus Mödishofen und Ustersbach erinnern sich noch gut an die Großereignisse vor über 50 Jahren.

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Kornelius Kastner aus Mödishofen, ein Cousin der beiden bereits verstorbenen Priester, erinnert sich: Joseph Maria Karl Kastner wurde 1936 in Mödishofen geboren. 1963 wurde er als Mönch in der Abtei Ettal geweiht und feierte am 7. Juli Primiz in Mödishofen, damals bereits mit dem Doktortitel nach Studien der Theologie und Philosophie. Zu seiner Primiz in Mödishofen hatte sich der ganze Ort eingebracht und den Primizaltar ganz besonders erhaben gestaltet. Das beweisen auch alte Fotos. Er starb am 23. Juli 2004 in Ettal.

Sein „Primizbräutchen“ war die damals achtjährige Roswitha Braun aus Mödishofen. An die Primiz erinnert sie sich – sie war ein großes Ereignis. Man habe die „riesige Freude“ im Dorf gespürt. Ihre Begleiterinnen waren Stilla Krötsch und Bärbl Lochbrunner. „Bei den Vorbereitungen war das ganze Dorf auf den Beinen, und jeder wollte den anderen mit Ideen für den Altar, den Platz- und Dorfschmuck übertrumpfen.“ Sie durfte als Hauptbräutchen das Primizkrönchen tragen und musste ein langes Gedicht aufsagen, was für sie sehr aufregend war. Verheiratet ist sie mit Hans Förg in Maingründel, der damals bei der noch jungen Maingründler Musik spielte.

Edmund Gleich wurde 1939 in Ustersbach geboren. In der dortigen Volksschule war seine Begabung Pfarrer Georg Zeilbeck, von 1950 bis 1964 in Ustersbach, aufgefallen.

Gleich durfte in Dillingen die höhere Schule und das Priesterseminar besuchen. Mit diesem Cousin mütterlicherseits verbinden Kornelius Kastner Erinnerungen an gemeinsame Radtouren nach Oberitalien. In Cadenabbia erfuhren sie, dass Bundeskanzler Konrad Adenauer dort Urlaub machte, und sie verdienten sich eine Mark, weil sie das Anwesen Kölner Touristen zeigen konnten. In den Mailänder Dom kamen sie nicht, denn bis sie ihre kurzen Hosen in der Jugendherberge gegen lange wechselten und zurückkehrten, war der Dom geschlossen. Zur Primiz durfte Kornelius Kastner den Neupriester in Dillingen abholen. Gefeiert wurde das große Ereignis bei der Grotte in Ustersbach.

Hauptbräutle war die elfjährige Berni (Bernfride) Braun aus Ustersbach, verheiratete Martin-Gößl, und gleichaltrige Cousine von Ros-witha Braun. Ihr Vater, der spätere Bürgermeister in Ustersbach, Fritz Braun, hatte schon bei der Primiz in Mödishofen gesagt: Das nächste „Bräutle“ werde seine Tochter sein. Primiziant Gleich hatte dann auch angefragt. Als Geschenk des Brautvaters wünschte sich der Neupriester ein Bett für seinen Hausstand. Zwei der insgesamt vier Gedichte, die von Kindern vorgetragen wurden, stammten aus der Feder der Dorfdichterin Maria Mairhörmann.

Berni ist von damals vor allem die Freude und Ehre sowie der Stolz im Ort auf den Neupriester in Erinnerung. Bewegend ist für sie, dass ihr Vater 2017 einen Tag nach Pfarrer Gleich starb. Edmund Gleich war unter anderem von 1983 bis 2010 in Waltenhofen/Schwangau und belebte dort den St.-Coloman-Ritt. Ab 2010 lebte er als Pfarrer im Ruhestand in Schondorf und starb am 6. März in Augsburg.

Alfons Kastner ist seit 75 Jahren Mesner in der Filialkirche St. Vitus in Mödishofen, war 18 Jahre Bürgermeister in Ustersbach und ist Zeitzeuge der Primizen. Schon der Empfang von Joseph Kastner 1963 am Ortseingang sei ein großes Fest gewesen, erinnert er sich. Käsermeister Zott hatte ihn mit dem Auto aus Ettal abgeholt. Primiz wurde mitten im Ort groß gefeiert, und alle trugen dazu bei. Alfons Kastner besitzt einen Film, der das Fest dokumentierte. Mit dem Besuch zum Patrozinium pflegte Joseph Kastner weiterhin Verbindung zu seinem Heimatort. Auch damals war es ein seltenes Ereignis, dass ein Priester aus Mödishofen kam. Einen Vorgänger habe es Ende des 18. Jahrhunderts gegeben, erläutert eine Gedenktafel in der Kirche. Er stammte aus der anderen Kastner-Linie in Mödishofen und war Pfarrer in Königsbrunn.

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