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Fuggerexpress

15.08.2019

Reaktion auf Zugausfälle: Bahn setzt mehr Züge ein

Die Bahn hat auf die vielen Störungen reagiert.
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Um den Störungen auf der Strecke Augsburg-Ulm Herr zu werden, will die Bahn künftig mehr Doppelstockwagen und weitere Triebwagen einsetzen.

Der Frust bei den Pendlern im Landkreis ist groß: Zugausfälle und Verspätungen erschweren ihren Arbeitsweg (wir berichteten). Winfried Karg, Sprecher des Fahrgastverbands „Pro Bahn“, kann den Unmut der Fahrgäste verstehen. Er sieht mehrere Ursachen für die vielen Störungen in den vergangen Wochen. Auch die Bahn räumt Fehler ein und erklärt ihre Lösungsansätze.

Immer wieder beklagen Pendler die fehlende Kommunikation zwischen Bahn und dem regionalen Verkehrsverbund AVV. Karg bezeichnet das als „Sollbruchstelle“. „Beide Unternehmen sehen sich als Konkurrenten und denken jeweils nur für sich“, kritisiert er. „Sie müssten sich als ein System betrachten.“ Nur so könnte der Verbund eine wirkliche Alternative zum Auto darstellen. Allerdings, so grenzt er seine Kritik ein, sei die Abstimmung der jeweiligen Züge an Busse oder ähnliche Verkehrsmittel eine schwierige Angelegenheit. „Wenn der Schaffner an einer Stelle wartet, staut es sich woanders. Einen trifft es immer.“ Die Bahn zeigt sich für Gespräche offen, um die Reisekette zu verbessern, stellt aber auch klar: „Die Busse müssen sich nach dem Zugverkehr richten, weil dieser in einen komplexen Fahrplan eingebunden ist.“

„Das System ist auf Kante genäht.“

Grundsätzlich sieht der Pro Bahn-Sprecher für die Störungen auch eine menschliche Ursache: Es fehlten Bahnmitarbeiter und ausreichend Reservezüge, sagt er: „Das System ist auf Kante genäht.“ Die Folge: überfüllte Züge und überforderte Mitarbeiter. Das führe dazu, dass falsche Informationen beispielsweise in der DB App an die Fahrgäste mitgeteilt würden. „Eine Person kann sich nicht um alles kümmern“, sagt Karg. Er vermutet den Grund für den vermeintlichen Mangel an Mitarbeitern im anstehenden Betreiberwechsel 2021. Dann wird das britische Unternehmen Go Ahead den Fuggerexpress übernehmen. Deswegen, sagt er, würden erste Mitarbeiter bereits zu anderen Unternehmen wechseln.

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Bahn räumt Fehler ein

Stimmt nicht, widerspricht die Bahn. Mitarbeiter würden nicht abspringen. Allerdings räumt das Unternehmen auch Fehler im Zugablauf ein: Die Bahn sei „mit der Pünktlichkeit und Fahrzeugverfügbarkeit beim Fugger-Express nicht zufrieden“, erklärt ein Sprecher. Ursachen seien jedoch Rangierunfälle und Kollisionen mit einem Gegenstand in der Oberleitung, die zu einem Engpass an Fahrzeugen geführt hätten. Der Schaden werde nach eigener Aussage momentan mit externem Werkstattpersonal repariert.

Um den Störungen auf der viel befahrenen Strecke Herr zu werden, will die Bahn zudem künftig mehr Doppelstockwagen und weitere Triebwagen einsetzen.

Den Fahrgästen sei es jedoch egal, warum eine Störung vorliegt, sagt Karg. Er bemängelt die nicht ausreichende rechtliche Handhabe der Fahrgäste, ihr Geld zurückfordern zu können. Im Verbund fehle eine einheitliche Anlaufstelle. Die Bahn hingegen verweist auf die Erstattungsmöglichkeiten für Zeitkartenbesitzer: Bei Verspätungen mit mehr als einer Stunde am Zielbahnhof werden maximal 25 Prozent des Zeitkartenwertes entschädigt. Für Karg ist jedoch bei günstigeren Tickets das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag nicht ausgewogen. Er sagt: „Die Bahn sieht nicht, welche Kunden sie vergraulen.“ Betroffenen Fahrgästen rät er, „sich an die jeweiligen Abgeordneten“ zu wenden. Nur so könnten Probleme angegangen werden.n.

Die Erfahrungen der Pendler mit dem Bahnverkehr im Augsburger Land lesen Sie hier: So schlimm war es noch nie

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