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Langweid

19.11.2018

Reaktionen aufs Einkaufszentrum: Von „super“ bis „existenzbedrohend“

Vor anderthalb Jahren haben die erste Geschäfte im Einkaufszentrum in Stettenhofen geöffnet.

Der Bau des Einkaufszentrums am südlichen Ortsrand von Stettenhofen war umstritten. Wie sieht die Bilanz knapp anderthalb Jahre nach der Öffnung aus?

Viel Kritik hagelte es, als Ende 2014 die Pläne zum Bau des Einkaufszentrums in Stettenhofen bekannt wurden. Nicht nur die Einzelhändler in Langweid sahen den großen Mitbewerbern – Rewe, Aldi, dm – mit gemischten Gefühlen entgegen. Auch in den Rathäusern der Nachbargemeinden Gablingen und Gersthofen gab es Bedenken, dass eine Abwanderung der Kunden die eigene Handelsstruktur schwächen würden.

Und nun, wie sieht die Bilanz knapp anderthalb Jahre nach Öffnung des Einkaufszentrums aus? Kurt Wolff, zweiter Vorsitzender des Gewerbeverbunds Langweid (GVL), sagt: „Von der Bevölkerung in Stettenhofen wird das Einkaufszentrum sehr gut angenommen - zumindest von den mobilen Bewohnern, die anderen bleiben auf der Strecke.“ Denn gerade für ältere Bürger sei es schwierig, das Einkaufszentrum am südlichen Ortsrand von Stettenhofen überhaupt zu erreichen. Im Ortskern hingegen seien seit Eröffnung des Zentrums zunehmend Probleme aufgetreten. „Der Ortskern in Langweid blutet immer mehr aus“, sagt Wolff. „Der Edeka-Supermarkt, der gerade für die älteren Leute sehr wichtig war, hat aufgegeben. Die Metzgerei hat aufgegeben. Und auch beim Schreibwarenladen gibt es Bedenken, wie es weitergeht. Bisher war dort die Postzentrale, jetzt wird die Post verstärkt in Stettenhofen abgewickelt. Für die Dame, die den Schreibwarenladen betreibt, ist das schon existenzbedrohend.“

Langweids Bürgermeister erreicht wenig Echo

Bürgermeister Jürgen Gilg kann das nur bedingt bestätigen: „Ich habe bisher nur Rückmeldungen von Kunden erhalten und die sind positiv. Von Einzelhändlern und vom Gewerbeverbund Langweid habe ich keine Rückmeldungen. Auch aus den Nachbargemeinden gab es im Nachgang keine weiteren Äußerungen.“

Ein vor Baubeginn von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Einzelhandelsgutachten hatte prognostiziert, dass die erwarteten Umsatzeinbußen mit circa 13 Prozent für den Handel vor Ort geringfügiger als von den Händlern befürchtet ausfallen würden. Es wurde sogar erwartet, dass gerade Langweider Bürger, die damals noch anderswo einkaufen, ihr Geld dann wieder im eigenen Ort ausgeben werden, so das Fazit der Untersuchung.

Ob die Prognosen tatsächlich so eingetroffen sind, lässt sich nur schwer sagen. „Ich kenne die Umsätze meiner Einzelhändler nicht und weiß nicht, inwieweit die Zahlen verifiziert sind“, sagt Jürgen Gilg. Pläne, das Gutachten nun nach Eröffnung zu wiederholen, um die Zahlen zu verifizieren, gebe es nicht. Auch vonseiten des GVL gebe es diese Pläne aus finanziellen Gründen nicht. Kurt Wolff ergänzt: „Die 13 Prozent Umsatzrückgang sind schwierig zu bewerten, da ein enormer Zuzug in Langweid geschehen ist. Der Verkehr hat aber definitiv zugenommen, obwohl Straßen zurückgebaut wurden.“

Aus den Nachbarorten nach Stettenhofen

Und die Kunden vor Ort, was meinen die? Jennifer Wackerl ist aus Gablingen-Siedlung zum Stettenhofener Einkaufszentrum gefahren. Sie sagt: „Ich finde es super, weil es so nah ist. Früher bin ich immer in Gersthofen einkaufen gefahren“. Zwar gebe es auch in Gablingen einen Edeka, „aber der hat so wenig Auswahl“. Nicht nur die Supermärkte, besonders den Drogeriemarkt findet Wackerl praktisch: „Wir haben seit Juni eine kleine Tochter, da ist der schon sehr praktisch, man braucht so viel.“

Ähnlich sieht es Albert Voswinkel aus Foret. „Früher waren wir immer in Langweid einkaufen. Da fahren wir jetzt auch noch hin, einfach weil man die Leute kennt. Aber hier ist halt einfach alles beieinander.“

Johannes Smola ist ebenfalls aus Gablingen-Siedlung hergefahren. Er sagt: „Wissen Sie, ich arbeite in Gersthofen. Ich hätte das jetzt nicht unbedingt gebraucht. Da gibt es ja dieselben Läden.“ Gersthofer, die nun zum Einkaufen nach Stettenhofen fahren – wie es die Nachbarstadt befürchtete – kenne er aber keine.

Wie sich das Einkaufszentrum in der Nachbargemeinde finanziell bemerkbar macht, werde sich frühestens im kommenden Jahr beantworten lassen, wenn klar sei, wie hoch die Gewerbesteuereinnahmen für das Jahr 2017 ausfallen, heißt es von Seiten der Stadt Gersthofen.

Bürgermeister Michael Wörle gehe zwar von Umsatzeinbußen aus, könne aber nichts genaues sagen. Da müsse man die Einzelhändler vor Ort fragen, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Selbiges ist von Bürgermeister Karl Hörmann aus Gablingen zu hören.

Gewerbeverbund Langweid sucht Lösungen

Der Gewerbeverbund Langweid überlegt derweil, wie derzeitige Missstände behoben werden könnten. „Es gibt Überlegungen, einen Shuttlebus für ältere Leute einzurichten, damit auch diese die Möglichkeit haben, überhaupt zum Einkaufszentrum hinzukommen. Alleine kann der GVL das finanziell und organisatorisch aber gar nicht stemmen“, sagt Kurt Wolff. Schließlich gehe es nicht nur um die Beförderung der Personen, sondern auch um Hilfe beim Transport der oftmals schweren Einkaufstaschen. „Weitere Anstrengungen für den Shuttle-Bus wurden von uns aber nicht unternommen, da durch den zweiten Edeka im Ort zumindest im Lebensmittelbereich noch eine zumutbare Grundversorgung gegeben ist.“ 

So schön ein umfangreiches Angebot auch ist - es bringt auch Nachteile mit sich. Deshalb muss man auch an die kleinen Händler denken.

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