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Ruhestand

31.07.2019

Realschule Zusmarshausen: Als der Lehrer 50 Tonnen in drei Tagen bewegte

Arthur Englert muss seinen Schreibtisch noch aufräumen. Der stellvertretende Schulleiter der Realschule ist bald im Ruhestand.
Bild: Tobias Schertler

Arthur Englert, der stellvertretende Leiter der Realschule Zusmarshausen, hat seinen letzten Schultag. Er erzählt, wie er bei einer Schulaktion den Innenhof neu gestaltete.

Keine Ahnung, wie es nach dem Abitur weitergehen soll? Was jungen Menschen oft genug nachgesagt wird, galt nicht für Arthur Englert. „Für mich stand wirklich schon im Gymnasium in der Oberstufe fest, dass ich Biologie und Chemie studieren möchte“, erinnert sich der stellvertretende Leiter der Realschule Zusmarshausen nach 40 Jahren im Schuldienst. Ab August ist Arthur Englert in Ruhestand.

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Wie wichtig Lehrer für ihre Schüler sein können, das hat Englert, der aus dem bayerischen Spessart stammt, in dieser Zeit selbst erlebt. Sein damaliger Lehrer in Chemie und Biologie hatte, neben dem grundsätzlichen Interesse an diesen wissenschaftlichen Disziplinen, einen großen Anteil an seinem eingeschlagenen Weg. „Er war ein großes Vorbild für mich. Das war ein sehr netter, kompetenter Mensch, und er hat mich eigentlich indirekt dazu gebracht.“ Die Entscheidung ebenfalls beeinflusst hat seine Freude am Umgang mit Menschen. Dabei war der Start ins Lehrerleben zunächst gar nicht so, wie sich Arthur Englert, zu dieser Zeit schon Vater, sich das nach dem Ende seiner Ausbildung erhofft hatte.

Schon immer lag ihm Umweltschutz am Herzen

Damals wollte er zurück in die Heimat, doch im Kultusministerium wurde für ihn eine Stelle in Augsburg ausgesucht. In Schwaben angekommen, unterrichtete der Pädagoge zunächst 20 Jahre lang an der Bertolt-Brecht-Realschule, die damals noch RS I hieß. Ein Thema war ihm damals besonders wichtig: Pionierarbeit im innerschulischen Umweltschutz. „Das war in den Achtzigerjahren, da war nichts selbstverständlich. Da war das Recyclingpapier noch grau und braun“, blickt er zurück und lacht. Mit Blick auf die heutigen Schulgemeinschaften schlägt er auch kritische Töne an. „Das Umweltbewusstsein hat bei den Lehrern und auch bei den Schülern eigentlich eher wieder nachgelassen. Die sind weniger empfänglich dafür als damals noch.“ Vielleicht könne der aktuelle Zeitgeist in Form der Fridays for Future wieder für einen Umschwung sorgen, hofft er. Aber: Schulschwänzer auf Dauer könnten nicht toleriert werden, macht Englert klar.

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Schließlich kam Englert 2004 über Neusäß nach Zusmarshausen. Für ihn war der damalige Neubau der Realschule eine glückliche Fügung, hatte er doch in Steinekirch seinen Wohnsitz. Deshalb hat er auch keine Probleme, seinen Favoriten unter den drei Einsatzorten zu küren. Er sagt: „Hier. Eindeutig.“

Seit 2014 ist er stellvertretender Schulleiter

2007 wurde der in seiner Freizeit im Schützenverein aktive Englert Zweiter Konrektor, 2014 schließlich dauerhafter Vertreter der Schulleiterin. Viel erlebt habe er in diesen 20 Jahren, berichtet er.

Sein persönlicher Höhepunkt war eine Aktion aus dem Schuljahr 2005/2006, als drei komplette Jahrgangsstufen bei der „Aktion 50 Tonnen“ ebenso viel Gewicht innerhalb von drei Tagen aus den Schulhöfen trugen, damit diese neu gestaltet werden konnten.

"Ich bin eher der sachliche, distanziertere Typus Mensch"

Kurz vor dem Ruhestand blickt er zufrieden auf sein Berufsleben zurück: „Ich bin nicht so der emotionale Mensch, der sich den Schülern intensiv zuwendet. Ich bin eher der sachliche, etwas distanziertere Typus Mensch.“ Nicht ein besonders enges Verhältnis zu seinen Schülern war ihm wichtig, Sympathie wollte er hingegen schon spüren. „Das ist für mich wichtig. Harmonie und ein gutes Verhältnis zu den Menschen, mit denen ich täglich umgehe“, erklärt er. Und wer mit ihm zu tun hatte, kann das sogar schriftlich haben: In seinen Abschiedsworten im Jahresbericht der Schule schreibt er von „freundlichen Schülern, verständnisvollen Eltern engagierten und kooperativen Kollegen“ und fügt noch ein Lob an die Verwaltung hinzu. Lachen kann er heute auch über die Aktion eines ehemaligen Schülers, als eines Tages auf dem Pausenhof der Schriftzug „Englert ist doof“ prangte. „Das darf man jetzt nicht so ernst nehmen, wenn es nur einmal vorkommt“, sagt er und schmunzelt.

Doch was stellt man nun mit all der Freizeit während des Ruhestands an? Englert hat Pläne. Auf viele Wanderreisen soll es gehen, nächste Station wird Madagaskar sein. Und worauf er sich zu Hause freut: Er will sich um seine Enkel kümmern.

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