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16.07.2010

Reisende befreien sich selbst aus defektem Zug

Mering Nicht nur in Fernzügen müssen Bahnreisende derzeit leiden, weil Klimaanlagen ausfallen. Jetzt erwischte es auch einen Fugger-Express auf der Fahrt von Augsburg nach Mering. Bei gut über 30 Grad im Schatten ging am Mittwochabend kurz vor dem Haltepunkt St. Afra gar nichts mehr. Der mehrgliedrige rote Schienenbus rollte so aus, dass nur der vordere Teil den Bahnsteig noch erreichte.

Weil der Zug nicht komplett vor dem erhöhten Bereich stand, öffneten sich die Türen nicht. "Um nicht gänzlich zu verschmoren, haben sich die Leute nach einiger Zeit selbst beholfen und mit dem roten Nothebel die Türen geöffnet", berichtet Dietmar Süßmeir aus Mering. Denn mehr als eine halbe Stunde lang geschah vom Führerstand aus gar nichts - in ihn hatte sich nach der Schilderung von Sven Walther aus Althegnenberg die Zugbegleiterin zurückgezogen.

Er schreibt in seinem Blog: "Technik kann ausfallen (okay, zumindest in der Regionalbahn ist die Quote ein bissl zu hoch) - aber die nicht erfolgte Kommunikation durch das Personal ist eine Frechheit!" Es kamen erst nur einige allgemeine Durchsagen über einen technischen Defekt, dann der Hinweis, dass man versuchen wolle, den Zug ganz in den Bahnhof schleppen zu lassen. "Die Klimaanlage war schon eine ganze Weile komplett aus und sollte auch nicht wieder anspringen. Die Stimmung kochte immer weiter hoch", so Walther.

Nach der Öffnung der Türen sei es zu erbitterten und fruchtlosen Diskussionen zwischen einer erbosten Menge und der Zugbegleiterin gekommen. Diese habe sich auf Vorschriften berufen und Kunden offenbar wegen ihres eigenmächtigen Handelns zur Rede gestellt. Reisende verließen die Bahnanlagen ganz und wanderten den begleitenden Feldweg entlang Richtung Mering, erzählt Süßmeir.

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Fahrgäste berichten auch davon, dass der Zug ab 17.06 Uhr - noch in Sichtweite des Augsburger Hauptbahnhofs - das erste Mal stehen blieb, auf der Strecke weitere zwei Mal, dort aber nach wenigen Minuten wieder in Gang kam. In St. Afra war dann Endstation.

Total durchgeschwitzt und mit eineinhalb Stunden Verspätung ging es für die Reisenden weiter, weil schließlich ein Regionalzug am Bahnsteig hielt. Der Lokführer des defekten Zuges habe verzweifelt versucht, die Zugteile zu trennen und einzeln in den Bahnhof zu fahren - es klappte nicht.

Ein Sprecher der Bahn bestätigte den Defekt des Zuges. Warum es dazu kam, ist noch unklar. Der Triebwagen werde momentan in der Werkstatt untersucht. Auch will man im Unternehmen erst die Zugbegleiterin zu dem Vorfall befragen, ehe man Stellung nehmen kann.

Wegen des Dienstplans konnte das erst gestern Abend geschehen. Korrekt sei es auf jeden Fall gewesen, dass das Personal die Türen nicht geöffnet hat, so der Sprecher. Denn zum einen sei die Gefahr hoch, weil der Zugverkehr ja nicht eingestellt werde. Und auch vom Sprung ins Schotterbett sei abzuraten. "Seite 1

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