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Stadtbergen/Augsburg

26.04.2013

Reiten und dabei gesund werden

Das Therapiezentrum Ziegelhof entsteht auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei bei Stadtbergen. Bis zu 1000 Menschen – schwerst kranke Kinder und ihre Familien – sollen hier einmal betreut werden.
Bild: Marcus Merk

Der Verein "Bunter Kreis" baut für knapp fünf Millionen Euro ein Therapiezentrum

Ein Bauzaun, eine Tafel, dahinter ein Bagger. So sehen gewöhnlich Baustellen aus, wenn die Arbeiten gerade beginnen. Doch auf dieser Baustelle zwischen Stadtbergen und Deuringen (Landkreis Augsburg) entsteht etwas, was es so bislang in ganz Deutschland noch nicht gibt: das Therapiezent-rum Ziegelhof.

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Nun ist Grundsteinlegung für das 4,5 Millionen-Euro-Projekt. Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei baut der Bunte Kreis eine Anlage, die das ganze Jahr über Tier-Therapie für schwer kranke Kinder ermöglicht. Pferde, Ponys, Alpakas, Hasen oder bald auch Esel sollen Kindern helfen, ihre schwierige Lage zu meistern. Da der Bunte Kreis bei seiner Nachsorgearbeit für schwer kranke Kinder die ganze Familie im Blick hat, wird es im Ziegelhof neben vielen therapeutischen Angeboten auch Erlebnispädagogik für Geschwister und Freunde der kleinen Patienten geben.

Das idyllisch gelegene sechs Hektar große Areal bietet dafür ausreichend Raum. Zudem werden in Zusammenarbeit mit dem Ursberger Dominikus-Ringeisen-Werk fünf Arbeits- und Wohnplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen. Sie sollen bei der Versorgung der Tiere und im geplanten Elterncafé helfen.

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Wenn das Therapiezentrum – wie geplant – im Herbst 2014 eröffnet, soll der Betrieb Schritt für Schritt hochgefahren werden. Das werde etwa zwei Jahre dauern, schätzt der Geschäftsführer des Bunten Kreises, Horst Erhardt. Unter anderem müssten die neuen tierischen Therapeuten langsam an ihre Aufgaben herangeführt werden. „Das Zent- rum muss organisch wachsen“, sagt Erhardt. Mit ein Grund für die Vorsicht des Geschäftsführers: Es gibt keine Vorbilder, an denen das neue Therapiezentrum ausgerichtet werden könnte. „In dieser Größe und Funktionalität habe ich in ganz Deutschland nichts Vergleichbares gesehen“, sagt Erhardt, für den mit dem heutigen Baubeginn des Ziegelhofs ein Traum Wirklichkeit zu werden beginnt.

Dabei kann sich der Bunte Kreis auf viele Freunde und Förderer stützen. Zu ihnen zählen Stiftungen wie das Leserhilfswerk unserer Zeitung, die Kartei der Not, Partner aus der Wirtschaft, Nachlassgeber und Spender. Auch die am Bau beteiligten Unternehmen zeigen laut Erhardt viel Herz. Obwohl die Baukonjunktur derzeit die Preise nach oben treibt, „haben wir Firmen, die diese Situation nicht ausnützen.“

Bis zu 300 schwer kranken Kindern im Jahr soll künftig auf dem Ziegelhof geholfen werden. Hinzu kommen die Familien der kleinen Kranken – insgesamt werden so bis zu 1000 Menschen betreut. Die Tiere werden artgerecht in Herden gehalten und nicht in Boxen gesperrt, versichert Erhardt.

Der Bunte Kreis hat bereits seit zehn Jahren Erfahrung mit tiergestützter Therapie. Auf einer Wiese am Klinikum entstand eine kleine Reitanlage. Dort kommen Pferde, Ponys, Alpakas und Hasen zum Einsatz. Doch für die große Nachfrage ist das Angebot längst zu klein, zudem kann die Wiese des Wetters wegen nicht das ganze Jahr über benutzt werden. Das neue Therapiezentrum dagegen bekommt eine Reithalle, unter deren schützendem Dach auch im ärgsten Winter gearbeitet werden kann.

Der Weg bis zum Spatenstich verlief kurvig. Auf dem ehemaligen Ziegeleigelände fanden sich inzwischen beseitigte Altlasten. Nachbarn protestierten gegen das Projekt, für das die Bogenschützen vom BSC Augsburg weichen mussten. Vergangenen September gab Stadtbergens Stadtrat endgültig grünes Licht für das Vorhaben – das einst an anderer Stelle geplant war. In der Nachbarschaft zur Abtei Oberschönenfeld sollte das Therapiezentrum entstehen. In letzter Sekunde scheiterte es an Bedenken des Denkmalschutzes. Über die Enttäuschung will Horst Erhardt nicht mehr viele Worte verlieren. Er freut sich auf den Baubeginn für das Therapiezentrum Ziegelhof.

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